Bayern-Trainer verteidigt Rotation, hitzige Diskussion in Leverkusen

Beim FC Bayern herrscht nach dem 1:1 gegen Köln keine Alarmstimmung, aber ein wenig Frust. Dortmund-Trainer Thomas Tuchel kritisierte nach der Niederlage in Leverkusen die harte Gangart des Gegners.

Da war die Bayern-Welt noch in Ordnung: Joshua Kimmich erzielte per Flugkopfball das 1:0.
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München - Beim FC Bayern herrscht nach dem ersten Punkteverlust der Saison keine Alarmstimmung, zumal Verfolger Dortmund ein 0:2 in Leverkusen zu verdauen hat. „Wir sind Tabellenführer. Es ist alles immer noch im Soll“, betonte Philipp Lahm nach dem 1:1 gegen Köln. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge pflichtete dem Kapitän bei. „Wir haben kein Problem, wir sind weit davon entfernt, ein Problem zu haben.“

Das 0:1 bei Atletico Madrid in der Champions League und das Remis in der Bundesliga gegen die Kölner von Trainer Peter Stöger drückten am Ende von drei englischen Wochen aber spürbar auch auf die Stimmung. „Für mich ist es kein Wunder, dass man hier Punkte liegen lässt, wenn man nicht 100 Prozent gibt“, monierte Tormann Manuel Neuer, der selbst beim Gegentor schlecht aussah. „Man darf sich nicht zu sicher sein, dass man hier mit 95 Prozent einfach deutscher Meister wird.“

Fehlende Ideen und Präzision

Wie in Madrid fehlten den Bayern auch in der mit immer noch drei Punkten Vorsprung angeführten Bundesliga zündende Ideen und Präzision in der Offensive. Wie bei Atletico waren die Münchner hinten wieder anfällig. „Wir haben acht Spiele in Folge gewonnen, die letzten beiden waren nicht gut“, konstatierte Trainer Carlo Ancelotti, der etliche Stammspieler wie David Alaba (ab 71.) schonte. „Jetzt kommt die Länderspielpause, und danach müssen wir mit der gleichen Motivation und Intensität zurückkommen wie zuvor.“ Der Italiener verteidigte seine Radikalrotation mit sieben neuen Spielern in der Startformation als „angebracht und gut“.

Manuel Neuer kritisierte die Einstellung seiner Elf: "Mit 95 Prozent wird man nicht Meister."
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Der geschonte Lahm vermisste unabhängig vom eingesetzten Personal den nötigen Nachdruck. „Wir müssen wieder dahin kommen und dem Gegner vom Start weg vermitteln, dass hier nichts zu holen ist. Das haben wir in den letzten Jahren überragend gemacht.“ Thomas Müller erinnerte daran, dass Heimspiele kein Selbstläufer sein müssen. „Eine Bundesligasaison ist nie langweilig, wir müssen uns die Punkte auch erarbeiten und die Spiele erstmal gewinnen.“

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Wie der Rekordmeister ist auch Köln nach sechs Spielen noch ungeschlagen. „Wir sind sehr zufrieden. Einen Punkt beim FC Bayern holt man nicht alle Tage“, meinte Trainer Stöger zur nur nach der Pause zufriedenstellenden Vorstellung seines Teams. In der Kabine habe er seinen Spielern vermittelt, „dass wir mutiger spielen müssen. Wir waren enttäuscht von der Art und Weise, wie wir gespielt haben.“

Tuchel kritisiert harte Gangart des Gegners

In Leverkusen lieferte sich BVB-Chefcoach Thomas Tuchel wegen der angeblichen Härte der Werkself einen Schlagabtausch mit seinem Trainerkollegen. „Wir hatten wieder mal 21 Fouls gegen uns. Da werden Mittel angewendet, die in dieser Häufigkeit normalerweise dafür sorgen, dass man nicht zu elft zu Ende spielt“, schimpfte Tuchel.

Bayer-Trainer Roger Schmidt hielt den Vorwurf Tuchels, seine Leverkusener seien zu rüde aufgetreten, nicht nur für falsch, sondern kehrte ihn noch um. „Das war ein sehr faires Spiel. Es könnte aber auch so sein, dass Dortmund sehr gut darin ist, Fouls zu ziehen“, konterte er kühl und brachte Tuchel erneut in Rage. „Da habe ich ein anderes Spiel gesehen, sorry“, meinte der Borussia-Coach.

Die körperbetonte Spielweise von Charles Aranguiz und Co. war Dortmund ein Dorn im Auge.
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Noch mehr wurmte Tuchel aber wohl, dass sein Team den Bayern-Ausrutscher nicht genutzt hatte und nicht bis auf einen Punkt an den Branchenprimus herangerückt war. Offen zugeben wollte Tuchel es nicht. „Das hat mit dem Ergebnis von Bayern München absolut gar nichts zu tun“, sagte er barsch. „Der Ehrgeiz ist völlig unabhängig von jedem anderen Ergebnis in der Bundesliga.“

Die BVB-Spieler teilten die Sichtweise ihres Trainers nicht. „Natürlich wäre das heute ein Big Point gewesen“, sagte Gonzalo Castro nach der Niederlage bei seinem früheren Arbeitgeber mit Blick auf das Bayern-Remis. „Natürlich wollten wir nachziehen, weil Bayern Punkte liegengelassen hat“, äußerte sich Marcel Schmelzer ähnlich. (APA)


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