Ärzte ohne Grenzen: 77 Angriffe auf uns seit Kunduz-Bombardement

Kunduz (APA/dpa) - Zum ersten Jahrestag des Bombardements der Klinik von Ärzte ohne Grenzen in der nordafghanischen Provinz Kunduz am 3. Okt...

Kunduz (APA/dpa) - Zum ersten Jahrestag des Bombardements der Klinik von Ärzte ohne Grenzen in der nordafghanischen Provinz Kunduz am 3. Oktober 2015 fordert die Organisation den UN-Sicherheitsrat auf, die im Mai 2016 verabschiedete Resolution zum Schutz medizinischer Hilfe umzusetzen und Angriffe auf Kliniken zu stoppen. Ein Krieg ohne Regeln bedeute ein Schlachtfeld ohne Ärzte.

Bei einer Pressekonferenz in Kabul sagte eine Präsidentin der Organisation, Meinie Nicolei aus Belgien, nach Kunduz habe es weitere 77 Angriffe auf von Ärzte ohne Grenzen geführte oder unterstützte medizinische Einrichtungen in Syrien und dem Jemen gegeben. Nie seien neutrale Ermittlung eingeleitet worden.

In der Nacht auf den 3. Oktober 2015 hatte ein US-Kampfflugzeug das Traumazentrum eine Stunde lang immer wieder beschossen. 42 Menschen wurden getötet. In einem US-Bericht hieß es später, man habe die Klinik irrtümlich für eine Talibanstellung gehalten.

Laut Ärzte ohne Grenzen haben seitdem Hundertausende Menschen im Nordosten Afghanistan keinen Zugang zu lebensrettender chirurgischer Versorgung mehr. Meinie Nicolei sagte in Kabul, man wolle die Klinik wiedereröffnen, aber es gebe noch keinen Zeitplan.

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In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur hatte Landesdirektor Guilhem Molinie kürzlich gesagt, dass es schwer sei festzustellen, ob die Organisation noch neutrale Hilfe leisten könne, ohne zu Schaden zu kommen. Die Organisation verhandle derzeit mit allen Konfliktpartnern, um festzustellen, ob das möglich sei.


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