Gesellschaft

Jäger und Jagd im Fadenkreuz der Öffentlichkeit

© NPHT/Gressmann

Bei einer Tagung der Nationalpark Akademie wird mit Experten über die Frage diskutiert, wie das Weidwerk in der Bevölkerung wahrgenommen wird.

Von Claudia Funder

St. Jakob i. Def –Einst galt die Jagd in der Öffentlichkeit als selbstverständlich und stand hoch im Kurs. Im Verlauf der Zeit hat sich das Bild gewandelt, aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen, wohl auch durch die zunehmende Urbanisierung und das Aufkommen des Tierschutzes.

Jagd und noch mehr die Jäger stehen zunehmend in der Kritik oder werden zum Teil überhaupt abgelehnt – vielfach mit einem Blick, der auf den Akt des Schießens reduziert ist. Mit der Änderung der Einstellung zum Töten von Tieren wurde die Jagd verstärkt in ein unerwünschtes, nicht mehr zeitgemäßes Eck gedrängt. Vor allem wenn diese als Hobby vermutet wird, wird Schießen auf Wild rasch als moralisch verwerflich betitelt. Fakt ist aber auch, dass das Bild der Jagd in der Bevölkerung zunehmend ein abstraktes, diffuses wird. Es wird nur noch selten von eigenen Erfahrungen gespeist, Infos hat man vor allem vom Hörensagen oder aus Gelesenem. Im Gedächtnis hängen bleiben dann bisweilen bloß Schlagzeilen über jagdliche Negativvorfälle.

„Die Mehrheit weiß über die Jagd und ihren Prozess kaum noch Bescheid“, erklärt der Wildbiologe und Nationalparkmitarbeiter Gunther Greßmann im Gespräch mit der TT. Töten sei, wenn es um Lebensmittel gehe, allgegenwärtig. Aber es sei auch längst „aus der Küche verschwunden“, so Greßmann. „Anfang des 20. Jahrhunderts wurde noch auf öffentlichen Plätzen geschlachtet und sogar Kinder hatten einen offenen Zugang dazu.“

Der Tod als Ende aller lebendigen Natur wird heute, wie man weiß, gerne verdrängt. Das macht vielen auch die Jagd suspekt – obwohl etliche Kritiker paradoxerweise beherzt ins Schnitzel beißen.

Gunther Greßmann ist Veranstaltungsorganisator der 20. Wildtiermanagementtagung, die das „Bild der Jagd in der Öffentlichkeit“ am 6. und 7. Oktober im Gemeindesaal St. Jakob i. Def. beleuchten wird. „Es ist uns ein Anliegen, das Thema neutral zu beleuchten und zum Nachdenken anzuregen“, stellt er klar.

Acht Referenten sind geladen, die sich unterschiedlichen Aspekten des Themas nähern. Es geht etwa um das Image der Jäger, die Kommunikation, die Macht der Bilder – auch in den sozialen Medien –, die eigene Positionierung der Jäger, aber auch um die Frage, ob viele Diskussionen hinfällig wären, würde es mehr Transparenz in der Jagd geben. Doch: Ist dies überhaupt gewollt?

Das und vieles mehr wird bei der Tagung zur Sprache gebracht. Nach jeweils zwei Referaten sind die Teilnehmer eingeladen mitzudiskutieren.

Die 20. Wildtiermanagementtagung der Nationalpark Akademie des Nationalparks Hohe Tauern beginnt am 6. Oktober um 13.30 Uhr und endet am 7. Oktober um 13 Uhr. 70 Interessierte haben sich bereits angemeldet. Wer noch dabei sein will, möge sich heute unter Tel. 04875/5112-0 melden.