Innsbrucker Stadtsenat segnet strittige Öffi-Tarifreform ab

Die geplante Verteuerung der IVB-Tickets sorgte im Vorfeld in der Innsbrucker Koalition für rege Debatten.

Ab 1. Februar 2017 wollen die Innsbrucker Verkehrsbetriebe die Ticketpreise anheben. Doch die Tarifreform schmeckt nicht allen.
© Hammerle

Innsbruck —Der Innsbrucker Stadtsenat hat am Mittwochabend die vorgelegte Tarifreform der Verkehrsbetriebe (IVB) mehrheitlich abgesegnet. In den nächsten zwei Wochen sollen noch die unterschiedlichen Ticketvarianten geprüft und vorgelegt werden. Die am Vormittag unterbrochene Sitzung war am frühen Abend fortgesetzt worden. Zuvor soll es nicht nur senats­intern, sondern auch bei einer kurzfristig einberufenen großen Informationsrunde im Rathaus zu heftigen Debatten gekommen sein.

Wie berichtet, hatten die IVB 2015 — gemäß politischem Willen — den Tarif des Jahrestickets von 462 auf 330 Euro gesenkt. Die übrigen Zeitkarten wurden teurer, auch die Einzeltickets. Was folgte war ein beachtlicher Anstieg an Jahresticketnutzern. Nunmehr müsse die Tarifstruktur für 2017 aber nicht nur der Teuerung angepasst werden, heißt es. Auch die gestiegenen Personalkosten müssen eingepreist werden. Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (FI) verwies diesbezüglich auf Lohnkostensteigerungen von 700.000 Euro pro Jahr. Leistungsausweitungen seien hier noch nicht inbegriffen.

Ein anderer Faktor soll aber auch sein, dass die Stadt nicht noch mehr Zuschüsse an die IVB pumpen will — auch um das Stadtbudget nicht zusätzlich zu belasten. Eine Anhebung der Tarife soll rund 600.000 Euro pro Jahr mehr für die IVB einbringen. Fast alle Tickets würden hierfür preislich steigen, z.B. das Jahresticket um 20 Euro auf 350 Euro. Im Gegenzug gäbe es auch Verbesserungen: So soll das Tages- wieder einem 24-Stunden-Ticket weichen.

Das sagen die Stadtpolitiker dazu

Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer: „Die hohe Akzeptanz des Öffentlichen Verkehrs in Innsbruck zeigt sich an der zweistelligen Zunahme der Nutzer. Verantwortlich für diese Erfolgsgeschichte ist die hohe Verlässlichkeit. In diesem Zusammenhang ist es mir ein Anliegen, eine breite Zustimmung zur Tarifreform sicherzustellen."

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Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider: „Nach der Reduzierung der IVB-Tarife im Jahr 2015 ist die vorgesehene Tarifanpassung für mich bitter, weshalb wir in den nächsten Wochen gemeinsam an Anpassungen arbeiten werden."

Stadtrat Franz X. Gruber: „Der wirtschaftliche Rahmen ist nun gesteckt. Jetzt geht es um die Varianten und Anpassungen der Tarife. Das neue 24-Stunden-Ticket ist jedenfalls schon ein neues und tolles Angebot für die Innsbrucker Familien, die IVB noch stärker zu nützen. Zudem sollen auch unsere Gäste sowie Touristen von der Karte profitieren."

Sozialstadtrat Ernst Pechlaner: „Tarifanhebungen sind nie einfach zu kommunizieren. Die soziale Verträglichkeit ist dabei immer im Auge zu behalten. Diese sehe ich durch die Nachschärfungen bei den Ticketarten sowie die Vergünstigungen für Ausgleichszulagen und die Mindestsicherungsbezieher gewährleistet."

Kritik von AK, FPÖ und Liste Fritz

AK-Präsident Erwin Zangerl hält den geplanten Preisanstieg in Innsbruck für den falschen Weg: „Diesen Zickzack-Kurs lehnen wir ab." Unterm Strich seien die Kunden „die Blöden". Ein klares Nein kommt auch von Seiten der Freiheitlichen: „Die Ticketpreise haben schon lange die finanzielle Schmerzgrenze erreicht."

„Es ist das falsche verkehrspolitische Signal, das Nutzen der Öffis wieder zu verteuern, zumal Stadt und Land für andere Projekte vom Haus der Musik über das Sicherheitszentrum bis zum Patscherkofel Millionen locker machen", meint auch Liste Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider.


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