Ein würdiges Denkmal für jüdische Opfer

In Seefeld erinnert ein Kunstwerk von Architekt Michael Prachensky an die Ermordeten.

© Denise Daum

Seefeld –Vertreter nahezu aller Glaubensgemeinschaften waren gestern nach Seefeld gekommen, um der Einweihung der Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des Todesmarsches 1945 beizuwohnen. Ein Kunstwerk mit 63 Würfeln am Waldfriedhof, geschaffen von Architekt Michael Prachensky, erinnert an die Ermordeten. Historiker Thomas Albrich erklärte bei dem Festakt den beklemmenden historischen Hintergrund. In einem letzten Gewaltakt des Nazi-Regimes sollten kurz vor Kriegsende Tausende halb verhungerte Häftlinge aus dem KZ ­Dachau – zum Teil in Todesmärschen, zum Teil mit der Eisenbahn – in Richtung „Alpenfestung“ Tirol gebracht werden.

Am 28. April 1945 kam am Bahnhof in Seefeld ein Gefangenentransport mit 1700 völlig ausgemergelten jüdischen Häftlingen an. Sie sollten zu Fuß über Mösern bis ins Ötztal getrieben werden. 63 Menschen, die dabei verhungert oder erfroren sind, wurden in Seefeld bestattet. Nicht nur für diese 63 jüdischen Opfer stehen die Würfel. Für Michael Prachensky stellen die düsteren und mystischen Würfel zudem das Trümmerfeld dar, das die Nazis hinterlassen haben, wie er erklärte.

Bislang erinnerte nur eine Gedenktafel – noch dazu mit falschen Datums­angaben – an die Opfer. Nun existiere endlich ein würdiges Denkmal, betonte Esther Fritsch, langjährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde und nunmehrige Ehrenpräsidentin. „Jetzt kann ich mich beruhigt zurückziehen“, so Fritsch zufrieden. (dd)


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