Umweltbelastende Ölheizung: Tirol will kein Verbot einführen

Tirol heizt österreichweit am meisten mit Öl und Flüssiggas. Laut Minister Andrä Rupprechter könnten die Länder diese Heizungen verbieten.

Eine massive Kältewelle forderte schon mehrere Tote in Lettland und Polen.
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Von S. Strobl und A. Plank

Innsbruck –Geht der Ölheizung die Luft aus? Mit November ist der Pariser Klimaschutzvertrag verbindlich. Es gilt den Temperaturanstieg auf unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu halten. Ein Weg zum Ziel ist das Aus für Kohle, Öl und Gas als Heizträger. In Österreich hat Umweltminister Andr­ä Rupprechter ein Verbot von Ölheizungen rechtlich prüfen lassen. Demnach obliegt es den Bundesländern, ein solches einzuführen. Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne) befürwortet ein „Verbot von Ölheizungen und deren Förderung“.

In Tirol werden von über 306.000 Hauptwohnsitzen fast 111.000 mit Öl beheizt, das ist österreichweit der Spitzenwert. Wohnbau-Landesrat Johannes Tratter erklärt, dass die Anzahl der Ölheizungen in Tirol zugunsten umweltfreundlicher Heizsysteme in den letzten Jahren massiv zurückgedrängt werden konnte. Tirol habe seine Hausaufgaben gemacht: Seitens der Wohnbauförderung seien Ölheizungen im geförderten Neubau nicht mehr zulässig. Künftig werde dies auch in der Sanierung gelten. Auch ein Ölkesseltausch werde aktuell nur noch dann gefördert, wenn er in Verbindung mit der Errichtung einer thermischen Solaranlage erfolgt und gleichzeitig keine Fernwärmeanschlussmöglichkeit besteht. In der Praxis seien damit Ölheizungen weitestgehend zurückgedrängt, resümiert Tratter.

Für Umwelttechniker Wolfgang Streicher von der Uni Innsbruck ist indes klar, dass ein Verbot von neuen Ölheizungen kommen muss. Doch auch die Gasheizungen müssten aus Tirols Gebäuden weichen. „Gasheizungen haben einen zwischen 20 und 30 Prozent geringeren Ausstoß des für den Klimawandel primär verantwortlichen CO2. Die Tirol-2050-Vorgabe geht aber im Gleichklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen von einem Verzicht auf alle fossilen Energieträger aus.“ Laut Streicher gibt es keine Alternative zum Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energie bis 2050. „Wenn die Erwärmung der Erde nicht auf zwei Grad beschränkt werden kann, sind wir höchstwahrscheinlich mit gigantischen Völkerwanderungen konfrontiert.“

Zurzeit gehe es nicht um ein politisches Verbot, sagt Brun­o Oberhuber, Geschäftsführer der Beratungsstelle Energie Tirol. „Tirol setzt auf die Förderschiene. Wer um eine Wohnbauförderung ansucht, darf keine Ölheizung einbauen.“ Zudem besteht das Gebot der alternativen Prüfung bei Neubauten. Das heißt, es muss berechnet werden, „ob eine Ölheizung im Einzelfall technisch, wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist“. Bereits heute kann zum Beispiel die Sonne auch in Tirol in einem modernen Gebäude 60 Prozent der Heizenergie liefern. Oberhubers Fazit: „Jede Ölheizung tut weh. Wir wollen in den nächsten 25 Jahren aussteigen. Im ländlichen Bereich ist das Ziel leichter zu erreichen als in der Stadt.“

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MCI-Techniker Marcel Huber spricht sich für eine stufenweise Einführung des Verbots von Öl- und Gasheizungen aus: „2015 haben wir die höchsten CO2-Emissionen der Geschichte weltweit verzeichnet.“ Erstaunlich sei, dass im Ötztal Gasheizungen ausgebaut werden: „Die Punkte, die es für den Klimaschutz beim Heizen zu erfüllen gilt, sind nicht verhandelbar“, so Huber.

Wer heizt wo was?

Biogene Heizträger (Pellets etc.) sind im Österreichschnitt führend. Sie stiegen zwischen 2003 und 2014 von 27,7 auf 33,7 %.

Fernwärme erhöhte sich von 7,3 auf 14,6 %, die Erneuerbaren stiegen von 1,2 auf 3,5 %. Naturgas sank von 24,5 auf 22,1 %.

Öl- und Flüssiggasheizungen haben in Tirol noch einen Anteil von 36,1 %, in Vorarlberg von 28,6 % und in Wien von 1,5 %.


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