Erdbeben in Japan - Tausende brachten sich in Sicherheit

Tokio/Fukushima (APA/dpa/AFP) - Ein schweres Erdbeben in der japanischen Katastrophenregion Fukushima mit der dortigen Atomruine ist glimpfl...

Tokio/Fukushima (APA/dpa/AFP) - Ein schweres Erdbeben in der japanischen Katastrophenregion Fukushima mit der dortigen Atomruine ist glimpflich verlaufen. Nach Angaben des Atombetreibers Tepco gab es am Dienstag keine weiteren Schäden in Folge der Erschütterung der Stärke 7,4. Eine Flutwelle vor der Küste erreichte eine Höhe von rund einem Meter, was jedoch weit geringer war als bei der Katastrophe vom 11. März 2011.

Damals hatte ein deutlich schwereres Erdbeben der Stärke 9,0 einen gewaltigen Tsunami ausgelöst, der die Region im Nordosten Japans verwüstete und 18.500 Menschen in den Tod riss. Im AKW Fukushima war es zum Gau gekommen.

Diesmal gab es Medienberichten zufolge keine größeren Schäden. Mehr als 3.000 Menschen brachten sich in der Provinz Fukushima in Sicherheit. Etwa ein Dutzend Verletzte wurden gemeldet. Ein Brand in einer Forschungsanlage des Chemieunternehmens Kureha konnte demnach schnell gelöscht werden. Das japanische Fernsehen zeigte zudem aus den Regalen gefallene Waren eines Geschäfts. Einige Unternehmen, darunter einzelne Supermärkte, stellten vorübergehend den Betrieb ein, andere öffneten später. Auch der Autokonzern Nissan ließ die Fertigung in einem Motorenwerk ruhen, da sich die Arbeiter in Sicherheit brachten.

Das japanische Fernsehen rief die Bewohner der betroffenen Küstenabschnitte auf, sich sofort in höher gelegene Regionen in Sicherheit zu bringen. Auf dem Bildschirm wurde ein rot-weißer Warnhinweis eingeblendet: „Tsunami! Fliehen Sie!“ Die ausgegebene Tsunami-Warnung wurde nach sieben Stunden vom japanischen Zivilschutz wieder aufgehoben.

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Die an die Küste des stillgelegten Atomkraftwerks Fukushima schlagende Welle hatte eine Höhe von etwa einem Meter. Kabinettsminister Yoshihide Suga bestätigte die Angaben des AKW-Betreibers: „Es gab keine größeren Schäden an den Reaktoren Fukushima Daiichi oder Onagawa“, sagte er in Tokio. „Das größte Risiko besteht nun darin, dass kontaminiertes Wasser mit den Wellen weggetragen werden könnte, das die Umwelt verschmutzt“, sagte der Umweltbeauftragte von Tepco, Naohiro Masuda.

Nach Angaben des Betreibers fiel wegen des Bebens in der separaten Anlage Fukushima Daini kurzzeitig ein Wasserkühlungssystem aus. Dies sei eine automatisch ausgelöste Vorsichtsmaßnahme, das System laufe inzwischen wieder. Ministerpräsident Shinzo Abe wies die Behörden an, alle Schäden zu begutachten und umgehend die nötige Hilfe zu leisten.

Einem Bericht der Agentur Kyodo zufolge brach nach dem Beben in der südlich von Fukushima gelegenen Stadt Iwaki ein Feuer in einer Raffinerie aus, das aber schnell wieder gelöscht wurde. Ein Sprecher der Stadtverwaltung, Nobuyuki Midorikawa, sagte: „Es war ein ziemlich starkes Beben, aber wir haben keine Berichte über Opfer erhalten.“

Die Erdstöße waren bis in die Hauptstadt Tokio zu spüren. Die Verbindungen des Schnellzugs Shinkansen wurden vorübergehend eingestellt, auch der Flughafen Sendai bei Fukushima stellte den Betrieb ein.

Der Tsunami-Forscher James Goff von der australischen University of New South Wales warnte, dass auch bei schwächeren Beben Vorsicht angebracht sei, weil auch diese unterseeische Erdrutsche auslösen könnten, die wiederum zur Bildung von Tsunamis führen. „Selbst Tsunamis von nur 90 Zentimeter Höhe können sehr schädlich sein“, sagte der Professor.

Japan erlebt in der Regel mehrere schwerere Erdbeben pro Jahr. Unter dem Inselstaat laufen vier Erdplatten zusammen, deren Reibung die Beben verursachen kann.

( 1259-16; 88 x 55 mm)


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