Reuttes Bauboom bekommt Gegner

Karin Huber will es mit den Wohnbaugesellschaften aufnehmen. Für sie ist in Sachen Wohnblöcke im Markt inzwischen jede Grenze überschritten. BM Oberer skizziert hingegen Hunderte weitere Wohnungen.

© Helmut Mittermayr

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Man kann sich auch kleinere „Gegner“ aussuchen. Eine Reuttenerin nimmt es gleich mit allen Wohnbaugesellschaften auf, die im Bezirkshauptort tätig sind und seit Jahren einen Block um den anderen hochziehen. Für Karin Huber eine unglaubliche Verschandelung des Marktes, der dadurch seine Eigenheit verliere. „Viele Leut­e in Reutte kommen mit dieser Entwicklung nicht mehr mit“, sagt die Allgäuerin, die vor fünf Jahren nach Reutte geheiratet hat. „Alle jammern und sagen mir zugleich, da könne man halt nichts machen. Das glaube ich nicht. Ich suche Gleichgesinnte, um gegen die Gesellschaften vorzugehen. Die bauen alles zu und machen sich dann aus dem Staub. Reutte ist ihnen doch vollkommen egal, es geht nur ums Geschäft.“

Um aber in ihrem Kampf nicht von den Wohnbaugesellschaften „bis zum Nimmerleinstag persönlich geklagt zu werden“, will Huber einen Verein gründen. Mitglieder gibt es noch keine, aber einen Namen hat sie schon – „Recht auf Sonne“. Telefonnummer 0676/7037532 und E-Mail recht-auf-sonne@gmx.at macht sie extra publik. Gleichgesinnte, sie hofft auch auf Architekten und Anwälte, könnten sich gerne melden.

Auch Reuttes Bürgermeister Alois Oberer hat in der letzten Gemeinderatssitzungen die Thematik angesprochen. Er wolle nun etwas auf die Bremse steigen, um kein Überangebot an Wohnungen zu erzeugen. Die Zusammenarbeit mit den Gesellschaften sei gut, nur eine kooperiere nicht wie gewünscht. Insider Oberer, selbst Aufsichtsrat einer Wohnbaugesellschaft, ließ wissen, dass seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren 350 Wohnungen gebaut wurden. Derzeit seien gerade 81 in Bau, weitere 46 bewilligt und für zusätzliche 207 gebe es schon Konzepte. „Wird alles verwirklicht, entstehen in den nächsten fünf Jahren also weitere 334 Wohnungen in Reutte“, so der Marktchef. Die Zahlen seien ähnlich wie in Imst und Landeck, bettete er die Fakten in größere Zusammenhänge ein.

Um das Problem des Mietnomadentums einzuschränken, würden künftig nur noch Miet- oder Eigentumswohnungen gebaut, Mietkauf sei out. Klassische Häuslbauer gibt es nur noch vereinzelt, sagt Oberer. Die Bevölkerung Reuttes sei seit März 2010 von 6315 auf heute 7179 angewachsen. Die Haushalte hätte­n um 331 zugenommen. Ein Phänomen: Trotz der regen Bautätigkeit liegt die Zahl der bei der Gemeind­e gemeldete­n Wohnungs­suchenden weiterhin konstant über 200.

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Ob die Wohnbaugesellschaften darunter leiden könnten, irgendwann zu viel­e Wohnungen gebaut zu haben, ist für VBM Klaus Schimana (VP) zweitrangig. Er sieht den Bauboom schon länger skeptisc­h. „Siedlungsgesellschaften hin oder her, wir müssen auch die Leute mitnehmen. Und wir müssen ganz gewiss nicht für jeden ein­e Wohnung bauen, der nach Reutte will.“

Karin Huber sieht das ähnlich – und möchte viele kleine Davids gegen Goliath in Stellung bringen.


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