Geschichte trifft auf Gewissen

Das Jugendstück „Name: Sophie Scholl“ spielt im Schwurgerichtssaal.

Die junge WIderstandskämpferin Sophie Scholl.
© TLT

Innsbruck –Sophie Scholl: Widerstands-Ikone und Nazi-Opfer, Sinnbild des Mutes und Vorbild für das Aufbäumen gegen ein System der Unterdrückung. Scholl war 21 Jahre jung, als sie im Februar 1943 mit anderen Mitgliedern der „Weißen Rose“ hingerichtet wurde, weil sie den Massenmörder Hitler auf Flugblättern einen Massenmörder hieß. Und dazu stand. Die Wahrheit war damals ein Todesurteil, aber in einer Welt der Lügen wollte Scholl auch nicht leben. Genau deshalb ist ihre Geschichte auch nicht gestorben.

Für ihre Namensvetterin, die Jusstudentin Sophie Scholl, ist diese Geschichte aber auch Belastung – weil sie seit jeher an ihr pappt. Kaum stellt sie sich vor, ist die historische Sophie gegenwärtig. So erzählt es Rike Reinigers Stück „Name: Sophie Scholl“, das am Dienstag im Schwurgerichtssaal des Innsbrucker Oberlandesgericht vor knapp 60 Schülern Premiere hatte. Ein ungewöhnlicher Ort für einen ungewöhnlichen Stoff, in dem Regisseurin Birgit Eckenweber geschickt Historisches mit Gegenwärtigem verquickt. In der mobilen Landestheater-Produktion (Bühne und Kostüme: Iris Jäger) spielt Constanze Passin die Sophie von heute, die als Zeugin in einem Prozess gegen einen mächtigen Professor aussagen soll. Und in einem Gewissenskonflikt steckt: Soll sie die Wahrheit sagen, die eine unschuldige Sekretärin entlasten und den korrupten Professor in die Bredouille bringen würde? Oder soll sie schweigen – und sich damit eine rosige berufliche Zukunft schaffen? „Wenn ich schweige, dann besonders laut“, heißt es im spannend umgesetzten Monolog, der immer wieder in die Vergangenheit entführt, um das Schicksal der historischen Sophie zu durchleuchten. Und dann wieder im Hier und Jetzt landet, wo die Wahrheit nicht an Leben und Tod geknüpft ist, sondern an Loyalität – sich und anderen gegenüber. Wie sich Sophie entscheidet? Wie eine Scholl. (fach)


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