Pflege soll als Beruf in Tirol attraktiver werden

Zum Pfleger kann man sich künftig ein, zwei oder drei Jahre samt Bachelor-Abschluss ausbilden lassen. Die Zahl der Plätze wurde erhöht. Interessenten gebe es ausreichend.

Praktische Anleitungen wie das Verabreichen von Essen sind ebenso Teil des siebenteiligen Kurses wie Wissen über die Pflegegeld-Einstufung oder das Kommunizieren durch die so genannte Validation.
© PantherMedia / Alexander Raths

Von Anita Heubacher

Innsbruck –Es ist ein Job mit guten Aussichten, zumindest was die Jobsicherheit angeht. Der Bedarf an Pflegern ist bereits groß und er wird steigen. Dafür sorgt allein schon die Demographie. Den Rest steuert die Medizin bei. Weil mehr Menschen immer älter werden, sind sie oft keine leichten, sondern schwere und aufgrund mehrfacher Erkrankungen komplizierte Pflegefälle. Dazu kommt die stetig steigende Zahl der Demenzkranken.

Dementsprechend nachjustiert hat der Nationalrat im Juli bei der Pflegeausbildung, wie Tirol das Gesetz umsetzt, wurde gestern im Rahmen einer Pressekonferenz mit vielen Protagonisten des Gesundheitssystems in Innsbruck vorgestellt. Künftig wird es drei Ausbildungsmöglichkeiten geben: die einjährige zur Pflegeassistenz, die zweijährige zur Pflegefachassistenz und die dreijährige zum Bachelor. Ausgebildet wird dezentral, in sieben Ausbildungsstätten quer durch ganz Tirol. Die drei Stufen der Ausbildung sind durchlässig. Der Pflegehelfer kann den Bachelor nachmachen, wenn er will. Mehr Geld wird es indes für den Titel nicht geben. Die Ausbildungsdauer für diplomiertes Personal ist dieselbe geblieben. Die ersten Studienstandorte in Innsbruck und Schwaz starten im Herbst 2018. Dass es künftig zu viele „Häuptlinge“ in der Pflege und zu wenig „Indianer“ geben werde, glauben die Fachleute nicht.

Von „einem großen Tag“ sprach gestern Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg, von einer „Weichenstellung“ LH und Finanzreferent Günther Platter (beide ÖVP). 150 Millionen Euro hat Tirol 2010 in die Pflege investiert, 2018 werden es 252 Millionen Euro sein. Sowohl stationär als auch mobil sei die Pflege ausgebaut worden. Das Wort „Pflegenotstand“ nahm gestern keiner am Podium in den Mund. Tirol habe gut vorgesorgt, so der Tenor. Die Ausbildungsplätze für diplomierte Pflegekräfte seien um 66 Prozent erhöht, jene für die Pflegehelfer gar verdoppelt worden. 15 Millionen Euro investierte das Land in die Ausbildungsschienen, künftig seien es 16 Millionen Euro, meinte Platter. Mit den Änderungen zufrieden ist auch Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf (ÖVP). Die Bezirksspitäler werden großteils von Gemeindeverbänden getragen.

Die Zahl der Ausbildungsplätze soll weiter steigen. Interessenten gebe es genug, meinte Tilg. „Die Jugend hat die Möglichkeiten zur Ausbildung gut angenommen und ich hoffe, dass das auch künftig so sein wird“, meinte er, „Hellseher bin ich allerdings keiner.“

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Der Pflegeberuf ist nach wie vor fest in weiblicher Hand. Die Pflegedirektorin im Krankenhaus Schwaz, Gabriele Polanezky, rechnet allerdings damit, dass die neue Ausbildungsschiene auch mehr Männer in die Pflege locken könnte. „Die Aufstiegsmöglichkeiten sind jetzt da.“ Als mögliche Interessenten sieht Platter auch Wiedereinsteiger oder Berufsumsteiger. Es gebe derzeit hohe Bewerberzahlen, sodass man sich die Kandidaten sogar aussuchen könne, sagte Amtsdirektorin Margit Führer. Die Qualität der Pflege sei dadurch gewährleistet.

Die Interessenten für den Pflegeberuf würden auch internationaler, erklärt Polanezky. Neben deutschen Staatsbürgern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund würden sich auch mehr Migranten für den Pflegeberuf interessieren. Vor allem die Zweisprachigkeit von Pflegern mit Migrationshintergrund dürfte künftig noch mehr gefragt sein. Denn in einigen der 90 Tiroler Altenheime finden sich bereits zwischen zehn und 15 Prozent Migranten, ehemalige Gastarbeiter, die in den 60er-Jahren gekommen und geblieben sind. Eine Gruppe, die noch vor wenigen Jahren so gut wie ausschließlich zu Hause gepflegt wurde.

Die Idee, Flüchtlinge, die mit der jüngsten Migrationswelle nach Österreich gekommen sind, in der Pflege einzusetzen, kommentierten die Fachfrauen so: „Es kommt darauf an, ob sie qualifiziert sind. Um den Beruf zu erlernen, gelten für jeden die gleichen Aufnahmekriterien“, meinte Führer.


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