Großfahndung nach tödlichem Überfall auf französisches Altersheim

Paris (APA/AFP) - Nach dem tödlichen Überfall auf ein französisches Altersheim für katholische Missionare hat die Polizei am Freitag mit Hoc...

Paris (APA/AFP) - Nach dem tödlichen Überfall auf ein französisches Altersheim für katholische Missionare hat die Polizei am Freitag mit Hochdruck nach dem Täter gesucht. Der vermummte Mann war am Donnerstagabend mit einer abgesägten Flinte und einem Messer in das Heim im südlichen Montferrier-sur-Lez eingedrungen. Dort erstach er laut Präfektur eine 54-jährige Angestellte.

Die Staatsanwaltschaft sah keine Hinweise auf ein terroristisches Motiv. Der zuständige Staatsanwalt Christophe Barret bekräftigte am Freitag, es gebe „keinerlei Hinweis“ auf eine Verbindung zum „islamistischen Terrorismus“. Die Motive des Täters seien derzeit noch unbekannt. Die Ermittler verfolgten aber vorrangig eine Spur, die auf einen Täter „aus der Region“ hinweise, sagte Barret vor Journalisten. Nach seinen Angaben wurde in einem Fahrzeug in der Nähe des Wohnheims eine Waffenattrappe gefunden. Inzwischen sei ein etwa 45 Jahre alter Mann als Verdächtiger identifiziert worden, der in Montferrier-sur-Lez lebe, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen.

Eine Pflegerin hatte die Polizei alarmiert. Als die Sicherheitsbeamten eintrafen, fanden sie die tote Kollegin der Frau. Bei der Durchsuchung des Gebäudes stellten sie fest, dass dem Täter die Flucht gelungen war. Trotz eines nächtlichen Großeinsatzes, unterstützt von einem Hubschrauber, konnte der Gesuchte zunächst nicht gefasst werden. An den Straßen um den Tatort nahe Montpellier wurden Kontrollpunkte errichtet.

In dem Wohnheim leben rund 70 ehemalige Afrika-Missionare - unter ihnen Priester, Mönche und Laien - im Seniorenalter. Die meisten der zum Teil gebrechlichen Bewohner wurden während des Einsatzes in Sicherheit gebracht.

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Nach Angaben der Stadtverwaltung liegt das Durchschnittsalter der Bewohner des Heims „Les Chenes Verts“ bei etwa 75 Jahren; manche seien über 90 Jahre alt. Die meisten von ihnen hätten früher als Missionare in Afrika gedient.

Die katholische Kirche in Frankreich zeigte sich erschüttert über die Tat. „Unsere Gebete heute Nacht gelten der Frau, die bei diesem Angriff ihr Leben verloren hat“, erklärte der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Olivier Ribadeau Dumas.

Ende Juli hatten zwei junge Dschihadisten eine katholische Kirche bei Rouen gestürmt. Die beiden 19-Jährigen ermordeten den 85-jährigen Pater Jacques Hamel vor den Augen von fünf Gottesdienstbesuchern und verletzten einen 87-Jährigen schwer. Die Täter, die sich zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannten, wurden beim Verlassen der Kirche von der Polizei erschossen. Infolge des Anschlags bei Rouen wurden in ganz Frankreich die Sicherheitsvorkehrungen für Kirchen verstärkt.

Frankreich war seit Anfang 2015 von einer Reihe islamistischer Anschläge getroffen worden, die Furcht vor neuen Attentaten ist groß. Bei der blutigsten Attacke töteten islamistische Selbstmordattentäter am 13. November 2015 in Paris 130 Menschen. Seitdem gilt in Frankreich der Ausnahmezustand.


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