Sorge um künftige Therapieleistungen

Therapien für Menschen mit Behinderung könnten künftig schwerer zu erreichen sein, fürchtet das slw.

© Domanig

Innsbruck –„Bei unseren Innsbrucker Klienten, ihren Eltern und Angehörigen herrschen durchaus große Bedenken“, sagt Franz Tichy, Geschäftsführer der Sozialen Dienste der Kapuziner (slw), die Menschen mit Behinderung betreuen.

Worum es geht? „Der Landesgesetzgeber verfolgt seit mehreren Jahren die Intention, Therapieleistungen aus den übrigen Leistungen der Tagesstruktur herauszunehmen“, erklärt Tichy. Diese Tarifumstellung werde nun bereits mit 1. Februar 2017 in Kraft treten, „überraschend schnell“, wie Tichy meint. „Wir hätten erst ab 2018 damit gerechnet.“ Die Konsequenz sei, „dass wir Therapien künftig nicht mehr im Rahmen der Tagesstruktur anbieten können“. An insgesamt sechs slw-Standorten in Innsbruck seien 90 Klienten davon betroffen.

Dahinter stehe der Wunsch des Gesetzgebers, die freie Therapeutenwahl zu ermöglichen. „Bisher war die Wahlfreiheit bei uns auf jene zwölf Therapeuten begrenzt, die wir derzeit bei uns angestellt haben“, führt Tichy aus.

Doch bei Klienten und Eltern, die sich nun selbstständig um die Therapeutensuche und die Beantragung der Therapien kümmern müssen, bestehe die Befürchtung, „dass es ein viel größerer Aufwand als bisher sein wird, zu einer Therapie zu kommen. Sie fragen sich auch, ob es genug Therapeuten geben wird, die bestimmte Leistungen anbieten, und ob diese womöglich so teuer werden, dass die Eigenleistung zu hoch wird.“ Im Erleben der Eltern und Klienten sei die Neuerung eine „massive Verschlechterung“, bilanziert Tichy.

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Die Änderung gelte auch für andere Träger, „aber wir als slw sind besonders betroffen, weil wir Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und meist schwerer körperlicher Beeinträchtigung betreuen. Der durchschnittliche Therapiebedarf ist bei uns höher als in anderen Einrichtungen.“

Den Sozialen Diensten sei es „ein großes Anliegen, dass Menschen mit Behinderung auch weiterhin Therapien bekommen“, so Tichy. Daher wolle man den Klienten und Angehörigen einerseits bei der Vermittlung zu neuen Therapeuten helfen. „Zum anderen werden wir Räumlichkeiten bei uns im Haus für Therapeuten zur Verfügung stellen, damit sie Hausbesuche bei den Bewohnern machen können. Und wir wollen die bestehenden Therapieräumlichkeiten an Therapeuten vermieten, die dort unsere Klienten, aber auch externe Patienten betreuen können.“

Die Entscheidung, die Therapieleistungen aus den Tagsätzen herauszunehmen, sei „Teil der neuen, transparenteren Leistungsbeschreibung“, betont Soziallandesrätin Christine Baur. Künftig müsse man die Therapieleistung selbstständig beantragen, sie werde dann vom Land refundiert. Es handle sich dabei um einen „Schritt Richtung Selbstbestimmung“. Die Idee dahinter sei, „dass die Tagesbetreuung nicht mehr ein Rundumpaket liefert, sondern dass ich mir selbst besser aussuchen kann, welche Therapien ich will, bei wem und wie oft“. Dies werde auch in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen so gefordert.

„Veränderungen rufen immer Verunsicherung hervor“, meint Baur. „Aber wir werden gemeinsam mit dem slw eine Lösung finden, wie wir diesen Schritt in die Selbstständigkeit gut begleiten können.“ Die Einrichtungen seien in den „Transparenzprozess“ stets eingebunden gewesen, fügt Baur hinzu. (md)


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