Revolutionsführer Fidel Castro ist tot: Ende einer Ära

Er war einer der großen Revolutionäre des 20. Jahrhunderts - tief verehrt von den einen, gehasst von den anderen. Mit dem Tod von Fidel Castro endet auf Kuba eine Ära.

Fidel Castro (l.) mit seinem Bruder Raul auf einem Archivfoto von 2003.
© APA/AFP/ADALBERTO ROQUE

Havanna – Kubas Ex-Präsident Fidel Castro ist tot. Der Revolutionsführer, der Kuba 47 Jahre lang regierte, starb am Freitagabend im Alter von 90 Jahren, wie sein Bruder und Staatspräsident Raúl Castro im staatlichen Fernsehen bekannt gab. Castro trotzte während seiner Regierungszeit zehn US-Präsidenten.

Auch nach seinem krankheitsbedingten Rückzug 2006 bestimmte er als graue Eminenz im Hintergrund die Geschicke der sozialistischen Karibikinsel mit. International wurde Fidel Castro als „Figur von historischer Bedeutung“ und Symbol einer ganzen Ära gewürdigt. Exil-Kubaner nannten ihn dagegen einen Diktator, der Oppositionelle unterdrücken und hinrichten ließ. Vor allem in den USA bejubelten viele von ihnen die Nachricht von Castros Tod.

Neun Tage Staatstrauer

Die Leiche des „Maximo Lider“ soll nach Angaben seines Bruders Raul verbrannt werden. Das sei der Wunsch von Fidel Castro gewesen. Der kubanische Staatsrat ordnete bis zum 4. Dezember Staatstrauer an, wie die Zeitung „Juventud Rebelde“ am Samstag online berichtete.

Fidel Castro am 1. Januar des Revolutionsjahres 1959 im Gespräch mit dem damals 31-jährigen Ernesto "Che" Guevara.
© APA/AFP/AGENCIA ESTADO

Die sterblichen Überreste Castros sollen zunächst am Montag und Dienstag zum monumentalen Denkmal für den Nationalhelden Jose Marti in Havanna gebracht werden. Dort sollen die Kubaner Abschied von Fidel Castro nehmen können. In Havanna soll am Dienstag zum Abschied von Fidel Castro eine Massenkundgebung auf dem Revolutionsplatz stattfinden. Anschließend soll die Urne mit der Asche in einem viertägigen Trauerzug über verschiedene Ortschaften zur 900 Kilometer von Havanna entfernten Stadt Santiago de Cuba gebracht werden.

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Eine weitere große Trauerzeremonie ist am kommenden Samstag nach Ankunft der Urne in Santiago de Cuba geplant. Am Sonntag, dem neunten Tag der Staatstrauer, soll dort dann die Beisetzung auf dem Friedhof Santa Ifigenia stattfinden.

Kampf gegen Batista

Geboren wurde Castro am 13. August 1926 in Biran im Osten Kubas. Schon als Kind empfand er die sozialen Verhältnisse auf der Insel als zutiefst ungerecht. Als junger Rechtsanwalt nahm er den Kampf gegen den Diktator Fulgencio Batista auf. Nach dem gescheiterten Überfall auf die Moncada-Kaserne 1953 und einigen Jahren im Exil landete er Ende 1956 mit rund 80 Mitkämpfern auf Kuba und begann in den Bergen den Guerillakampf. Im Jänner 1959 zogen seine Truppen siegreich in Havanna ein.

Fidel Castro sagt nach dem misslungenen Anschlag auf die Moncada-Kaserne im Jahr 1953 aus.
© APA/AFP/PRENSA LATINA

Mit einer Landreform und der Verstaatlichung von Unternehmen machte sich Castro schnell die USA zum Feind, die die Insel mit einem Handelsembargo belegten. Hilfe fand Kuba bei der Sowjetunion, von der die Insel immer abhängiger wurde. Der Zusammenbruch des Ostblocks stürzte Kuba nach 1990 in eine schwere Wirtschaftskrise, die das kommunistischen System aber allen Unkenrufen zum Trotz überlebte. Der Not gehorchend rangen sich Fidel und sein Bruder Raul Castro zu begrenzten marktwirtschaftlichen Reformen durch, hielten jedoch am Einparteisystem und an der strengen Pressezensur fest.

Castro unterhielt beste Kontakte zum afrikanischen Freiheitskämpfer Nelson Mandela, hier ein Bild von 2001.
© REUTERS/Chris Kotze

Mit seiner Unbeugsamkeit gegenüber Washington fand Castro aber in Lateinamerika auch über das linke Lager hinaus Anerkennung. Als sich der greise Revolutionsführer kurz vor seinem 80. Geburtstag einer schweren Operation unterziehen musste, gab er am 31. Juli 2006 seine Ämter zunächst provisorisch an seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Raul ab. Mit der Neukonstituierung des Staatsrats 2008 übernahm Raul dauerhaft die Führung des Landes.

Die historische Aussöhnung zwischen Kuba und den USA, die in der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen 2015 und dem Besuch von Präsident Barack Obama in Havanna im März 2016 gipfelte, verfolgte Fidel Castro mit unüberhörbarer Skepsis.

Exil-Kubaner feiern in Miami

Während der Trauerperiode sollen die Fahnen auf halbmast gesetzt werden, Rundfunk und Fernsehen auf eine „informative, patriotische und historische“ Programmgestaltung achten und alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt werden.

Hunderte Exil-Kubaner feierten in der Nacht auf Samstag im Stadtteil Little Havanna in Miami (US-Bundesstaat Florida) den Tod Castros. Kubanische Fahnen schwenkend zogen sie in hupenden Autos und zu Fuß die Straßen entlang. Die republikanische Abgeordnete Ileana Ros-Lehtinen, die als Achtjährige ihre Heimat Kuba verließ, erklärte, der Tod Fidel Castros sei keine Freude, aber doch eine neue Gelegenheit für den kubanischen Staatschef Raul Castro, sich den neuen Zeiten anzupassen. (APA/dpa/TT.com)

Reaktionen:

Frankreichs Präsident Francois Hollande: „Er hat die kubanische Revolution verkörpert, sowohl in den Hoffnungen, die sie geweckt hat, als auch in den Enttäuschungen, die sie hervorrief. Er war ein Akteur des Kalten Kriegs, (...) und stand für den Stolz der Kubaner, sich der Fremdherrschaft zu widersetzen.“

Russlands Präsident Wladimir Putin: „Der Name dieses herausragenden Staatsmanns wird zu Recht als Symbol einer Ära in der modernen Weltgeschichte angesehen. (...) Fidel Castro war ein aufrichtiger und verlässlicher Freund Russlands.“

Chinas Staatschef Xi Jinping: „Das chinesische Volk hat einen guten und wahrhaftigen Genossen verloren. Genosse Castro wird immer weiterleben.“

Der venezolanische Staatschef Nicolas Maduro: „Wir Revolutionäre in der ganzen Welt müssen sein Erbe bewahren und die von ihm hinterlassene Flagge der Unabhängigkeit und des Sozialismus weitertragen.“

Boliviens Präsident Evo Morales: „Im Namen des bolivianischen Volkes möchte ich seiner Familie sowie der Regierung und der Bevölkerung in Kuba mein Beileid und meine Solidarität aussprechen für den Verlust eines Giganten der Geschichte.“

Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy: „Mein Beileid an die kubanische Regierung zum Tod des Ex-Präsidenten Fidel Castro, einer Figur von historischer Bedeutung.“

Der iranische Außenminister Mohammed Javad Zarif: „Er war eine einzigartige Persönlichkeit und hat gegen Kolonialismus und Ausbeutung gekämpft. (...) Er diente als Vorbild für den Kampf unterdrückter Nationen um Unabhängigkeit.“

Indiens Premierminister Narendra Modi: „Fidel Castro war eine der größten Ikonen des 20. Jahrhunderts. Indien betrauert den Verlust eines großen Freundes.“

Kanadas Regierungschef Justin Trudeau: „Castro, ein Revolutionär und legendärer Redner, hat die Bildung und Gesundheitsversorgung in seinem Inselstaat maßgeblich verbessert. Obwohl er eine umstrittene Figur war, haben seine Anhänger und Gegner seine außerordentliche Liebe und Hingabe für das kubanische Volk anerkannt.“

Papst Franziskus hat Kubas Staatspräsident Raul Castro in einem Schreiben zum Tod seines Bruders, dem Revolutionsführer Fidel Castro, kondoliert. Dabei drückte der Heilige Vater „Gefühle des Schmerzes“ aus. Er werde für Castro und für das kubanische Volk beten, versicherte der Heilige Vater.

Exil-Kubaner feiern in Little Havanna in Miami den Tod des ihnen verhassten Revolutionsführers.
© REUTERS/Gaston De Cardena

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