Staatstrauer in Kuba: Menschen nehmen Abschied von Fidel Castro

Den einen galt der Revolutionsführer als Held und großer Staatsmann, den anderen als brutaler Diktator und unverbesserlicher Machtmensch. Die meisten Kubaner können sich ein Leben ohne Castro gar nicht vorstellen. Nun sagen sie „Adiós“.

Kubas Fahnen wehen auf Halbmast.
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Havanna – Nach dem Tod des Revolutionsführers Fidel Castro haben tausende Kubaner Abschied von ihrem früheren Präsidenten genommen. Zum Auftakt mehrtägiger Trauerfeierlichkeiten zogen die Menschen am Montag zum Denkmal für den Nationalhelden José Martí in Havanna, um Castro die letzte Ehre zu erweisen. Dort waren ein großes Foto aus seiner Zeit als Revolutionär und ein Blumengebinde aufgestellt. Flankiert wurde es von vier Soldaten in Gala-Uniform. Castros Urne wurde entgegen vorherigen Angaben zunächst nicht gezeigt. Seine Leiche war am Samstag eingeäschert worden.

Am Morgen (Ortszeit) standen vor allem Soldaten, Ärzte und Staatsbedienstete an, um Castro die letzte Ehre zu erweisen. Das Militär feuerte 21 Salutschüsse ab und es wurde die Nationalhymne gespielt.

Massenkundgebung am Dienstag

Für Dienstag war auf dem Platz der Revolution eine Massenkundgebung zu Ehren Castros geplant. Dazu werden Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erwartet. Danach wird die Urne in einem viertägigen Trauerzug über verschiedene Städte und Ortschaften zur 900 Kilometer von Havanna entfernten Stadt Santiago de Cuba gebracht.

Es ist der umgekehrte Weg der „Karawane der Freiheit“. Im Januar 1959 zogen die Rebellen nach dem Sieg über die Soldaten von Diktator Fulgencio Batista unter Castros Führung in einem Triumphzug von Santiago de Cuba nach Havanna.

Am kommenden Samstag ist auf dem Platz Antonio Maceo in Santiago de Cuba eine Massenkundgebung geplant. Am Sonntag wird Castro auf dem Friedhof Santa Ifigenia beigesetzt. Dann endet die neuntägige Staatstrauer.

„Dank ihm bin ich, wer ich bin“, sagte Gilberto Tárano am Montag. „Ich stamme aus einer armen Familie. Ohne ihn hätte ich niemals studieren können.“ Der 69-Jährige arbeitet als Dozent für Biochemie an der Universität von Havanna. Als Freiwilliger half er im Rahmen der sogenannten kubanischen Missionen in der Dominikanischen Republik, Ecuador und Jemen.

Castro war ein „unbesiegter Gigant“

Castro war am Freitagabend im Alter von 90 Jahren gestorben. Er hatte das Land 47 Jahre regiert und sich 2006 aus der aktiven Politik zurückgezogen. Er empfing aber weiterhin Staatsgäste in seinem Haus und äußerte sich in der Parteizeitung „Granma“. Der vorsichtigen Annäherung Kubas an den einstigen Erzfeind USAstand er skeptisch gegenüber, allerdings ließ er seinen Buder und Nachfolger Raúl Castro gewähren.

Politiker auf der ganzen Welt würdigten Castro als großen Staatsmann. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lobte dessen Verdienste um Fortschritte in den Bereichen Bildung, Alphabetisierung und Gesundheit. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro sagte, Fidel Castro sei ein „unbesiegter Gigant“ gewesen.

Kritiker erinnerten allerdings auch daran, dass er für Jahrzehnte der politischen Unterdrückung auf der sozialistischen Karibikinsel verantwortlich war. Seine Anhänger ficht das nicht an. „Ohne ihn hätte es nie eine Revolution gegeben“, sagte Dozent Tárano. „Ich bin ihm auf ewig dankbar.“ Schon am Morgen war es auf dem Platz der Revolution im Herzen der kubanischen Hauptstadt Havanna sehr heiß. Die Menschen in der Schlange vor dem Denkmal José Martí schützten sich mit Schirmen vor der brennenden Sonne. Einige ältere Leute erlitten Schwächeanfälle. (dpa)

Ein kleiner Anhänger des verstorbenen Maximo Liders.
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