Grün statt Gelb: Waffenschmiede Heckler & Koch ändert Strategie

Pistolen, Sturmgewehre, Maschinengewehre, Maschinenpistolen und Granatwerfer – das ist die Produktpalette der Waffenschmiede Heckler & Koch. Die Firma will künftig nicht mehr in alle Länder exportieren.

(Symbolbild)
© APA/dpa/Patrick Seeger

Oberndorf/Neckar – Auf der Weltkarte ist es einRückzug. Der Waffenhersteller Heckler &Koch will künftig kein Neugeschäft mehr mit Staaten außerhalb der Nato-Einflussphäre machen, wie aus Firmenkreisen verlautete. Soll heißen:Saudi-Arabien,Mexiko, Brasilien oder auch Indien fallen weg.

„Wir wollen nur noch solide Länder beliefern, also zweifelsfrei demokratisch, eindeutig nicht korrupt und in der Nato oder Nato-nah“, sagt ein Mitarbeiter, der anonym bleiben will. Die Firma spricht hier von „grünen“ Ländern. Die Türkei – ein „gelbes“ Land – wird ebenfalls von der Kundenliste gestrichen.

Begründet wird der Strategiewechsel damit, dass Exportgenehmigungen in solche Staaten nur schwierig oder gar nicht mehr zu bekommen seien. Zudem wolle man raus aus den negativenSchlagzeilen. „Auch moralische Kritik an solchen Exporten können wir durchaus nachvollziehen“, erklärt der Manager. Der Kurswechsel wurde intern hitzig debattiert, denn das Exportpotenzial wird so eingeschränkt.

Bei Branchenfachleuten findet das Zustimmung. „Prinzipiell ist es genau das, was wir fordern“, sagt etwa Wolf-Christian Paes vom Internationalen Konversionszentrum Bonn. Allerdings folge die Firma damit der politischenRealität. Die Ausfuhrrestriktionen seien unter der Bundesregierung verschärft worden. „Heckler &Koch springt auf einen fahrenden Zug auf – das ist legitim, aber kein Gutmenschentum.“

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Die schwäbische Waffenschmiede mit ihren 850 Mitarbeitern und rund 200 MillionenEuro Jahresumsatz hat stürmische Zeiten hinter sich. Waffenlieferungen nachMexiko riefen die Staatsanwaltschaft auf denPlan, sie wirft der Firma Verstöße gegen das Kriegswaffenkontroll- und Außenwirtschaftsgesetz vor. Im kommenden Jahr werden Ex-Manager sowie die Firma selbst als Mitbeschuldigte vor Gericht stehen.

Kurswechsel auch aus Imagegründen

„Heckler &Koch ist nicht der einzige Kleinwaffen-Hersteller, der zwielichtige Geschäfte gemacht hat – aber er ist der einzige, der deswegen vor Gericht steht“, sagt Pieter Wezeman vomStockholmer Friedenforschungsinstitut Sipri.

Sein Bonner Kollege Paes ergänzt, die Verkaufspraktiken von Heckler &Koch seien in der Vergangenheit zwar durchaus aggressiv gewesen. Da habe man anderen Waffenherstellern aus anderen Staaten aber nicht nachgestanden. „Man ging bisher branchenüblich vor – da der Standard der Branche aber sehr niedrig ist, ist das nicht unbedingt positiv.“

Betriebswirtschaftlich sah es für die Firma lange schlecht aus, das Unternehmen stand kurz vor der Pleite. Eine Anleihe über 295 MillionenEuro konnte 2011 nur mit einem Zinssatz von sage und schreibe 9,5 Prozent platziert werden. Um den Druck des Kapitalmarkts etwas zu senken, stellte Mehrheitseigner Andreas Heeschen 2015 eine Finanzspritze von 60 MillionenEuro zur Verfügung. Anfang 2016 übernahm dann der Ex-Chef des Pumpenherstellers Putzmeister,Norbert Scheuch, denChefsessel. Der setzte die Grüne-Länder-Strategie durch.

Die Geschäfte liefen zuletzt besser, Frankreichs Armee bestellte gut 100.000Sturmgewehre. Letztlich wirkt sich auch die erhöhte Terrorgefahr positiv auf die Auftragsbücher aus. Nach demAnschlag von Nizza bestellten Frankreichs Ordnungshüter 2000 Sturmgewehre, 3000Maschinenpistolen gehen an Baden-Württembergs Polizei.

Die Verschuldung sank zuletzt deutlich auf rund 230 MillionenEuro. Die Firma kehrte in die Gewinnzone zurück – in den ersten dreiQuartalen 2016 wurde ein Ertrag von 3,8 MillionenEuro erzielt, nach einemVerlust von 10,3 MillionenEuro imVorjahreszeitraum.

Gesetze als Bremsklotz

Positiv bemerkbar macht sich auch ein höherer Kassenbestand. Waren es vor einemJahr nur 13 MillionenEuro, sind es inzwischen 30 MillionenEuro. Das beruhigt Anleger.

Ein Bremsklotz für gute Geschäfte sind die restriktiven deutschen Gesetze zur Waffenausfuhr. „Da agieren sie deutlich eingeschränkter als Wettbewerber aus Israel,Tschechien, Italien oder Belgien“, erklärt Sipri-Experte Wezeman. Das habe in Deutschland politische und letztlich auch historische Gründe. „Heckler &Koch verkauft einProdukt, mit dem getötet werden soll – dieses Stigma wird in Deutschland viel stärker wahrgenommen als in anderenStaaten.“

Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, wartet man in mehr als einem Dutzend Fällen auf grünes Licht der Behörden für Exporte – etwa in denOman und nachSingapur. Für eine Waffenfabrik inSaudi-Arabien fehlen Bauteile für Gewehre – „golden parts“, alsoVerschlussteile, die nur in Deutschland hergestellt werden dürfen.

Fast schon absurd:Von 100 Bauteilen für das Gewehr können 94 vor Ort in Saudi-Arabien fabriziert werden, nur sechs fehlen. Weil genau die aber nicht kommen, ist die ganze Fabrik nutzlos. Die Saudis grollen, die Bundesregierung gibt dennoch kein grünes Licht. Vor einigen Monaten erzwang H&Kvor dem Frankfurter Verwaltungsgericht, dass die Regierung entscheiden muss – egal wie.

Dass H&K auf der Saudi-Arabien-Ausfuhr beharrt und noch auf die Genehmigung für den Oman und Singapur wartet, ist übrigens kein Widerspruch zur Grüne-Länder-Strategie – denn die gilt nur fürs Neugeschäft. Alten Verpflichtungen wolle man nachkommen, heißt es aus der Firma. Rein betriebswirtschaftlich ist das verständlich – inSaudi-Arabien hat H&K millionenschwere Sicherheiten hinterlegt. (dpa)


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