Versicherung für Stanzer Zwetschke

Der Frost im heurigen Jahr war für Obstbauern im Bezirk Landeck fatal. Ab dem kommenden Jahr ist ein Ausfall auch beim Steinobst erstmals versicherbar. Die Stanzer Zwetschkenbauern freut es.

© TT / Thomas Boehm

Von Matthias Reichle

Landeck –„Es war immer eine Forderung von uns“, betont Stefan Nothdurfter. Für den Obmann der Genussregion Stanzer Zwetschke war es wirtschaftlich und meteorologisch ein frostiges Jahr. Sechs Nächte im April, in denen die Temperatur bis auf minus 4,5 Grad gefallen war, machten der Zwetschkenernte mehr oder weniger den Garaus. Was Nothdurfter nun freut: Bislang war es in Österreich nicht möglich, Steinobst, zu dem auch die Zwetschke gehört, gegen Frost zu versichern – ab kommendem Jahr soll sich das ändern.

„Wir hatten mindestens 80 Prozent Ernteausfall“, schätzt Nothdurfter den heurigen Schaden ein. Konservativ gerechnet beziffert er den Ausfall in der Region auf mindestens 500.000 Euro. „Wahrscheinlich war er höher.“

Was sich für die Steinobstbauern durch die neue Versicherung darüber hinaus ändern wird, ist, dass sie künftig keine öffentlichen Entschädigungszahlungen mehr beziehen können, wie der Gebietsleiter der Landwirtschaftskammer Landeck, Peter Frank, betont. „Das fällt nun weg.“

Was Nothdurfter derzeit noch fehlen, sind die Details. Er konnte sich noch nicht über die Kosten der Versicherung und Selbstbehalte informieren. „Es ist ganz neu, bis zur nächsten Blüte haben wir aber noch Zeit.“

Einen Totalausfall verzeichnete der größte Marillenbauer Österreichs im heurigen Jahr. Beim Prutzer Turabauer Gerhard Maaß war die gesamte Ernte aufgrund des Frostes verdorben. Insgesamt 10.000 Bäume trugen keine Früchte.

Die neue Versicherung sei deshalb „sehr zu begrüßen“, wie er betont. „Die Frage ist, ob man es sich vermag.“ Für Maaß ist es nicht das erste schlechte Jahr. „2015 hatten wird 80 Prozent Verluste, 2014 70 Prozent. Drei Jahre hintereinander – eine Versicherung ist recht, was ich brauche, ist aber die Frucht.“

Maaß hat deshalb begonnen, sein Beregnungssystem umzubauen. Die Bäume selbst konnte er glücklicherweise retten. „Im ersten Monat hat es so ausgesehen, als wären auch sie hin.“

Fürs nächste Jahr hat er jedoch wieder ein schlechtes Gefühl. „Vor Martini ist der Schnee über den Inn gegangen, jetzt ist es wieder so pudelwarm geworden. Wenn schon der Herbst so deppert tut ...“

Für die Österreichische Hagelversicherung bestätigt Landesleiter Norbert Jordan die neuen Möglichkeiten. Künftig sind Kirschen, Weichseln, Pfirsiche, Nektarinen, Marillen, Zwetschken, Pflaumen und Ringlotten sowie Brombeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren und Aronia gegen Kälte versicherbar. „In Tirol waren vergleichsweise kleine Flächen betroffen“, betont er. In der Steiermark und Niederösterreich gab es massive Schäden. Für den Einzelnen ändere das freilich nichts an der persönlichen Katastrophe. Die Bauern würden mit Jahresanfang über die Angebote informiert.


Kommentieren


Schlagworte