Prozess um Bluttat am Brunnenmarkt 3 - Augenzeugin nicht aussagefähig

Wien (APA) - Die ums Leben gebrachte Maria E. befand sich am 4. Mai um 2.15 Uhr mit einer Arbeitskollegin am Brunnenmarkt, um am frühen Morg...

Wien (APA) - Die ums Leben gebrachte Maria E. befand sich am 4. Mai um 2.15 Uhr mit einer Arbeitskollegin am Brunnenmarkt, um am frühen Morgen in einem Wettbüro Reinigungsarbeiten zu verrichten. Während der Kenianer mit einer Eisenstange auf die 54-jährige Geschäftsführerin eines Putzunternehmens los ging, gelang ihrer Mitarbeiterin die Flucht. Sie konnte sich hinter einem geparkten Auto verstecken.

Ihrer Zeugenladung konnte die Augenzeugin nicht nachkommen. Sie leidet seit dem Gewaltverbrechen, das sie teilweise mitansehen musste, an Panikattacken und einer posttraumatischen Belastungsstörung. Wie sie in ihrer polizeilichen Einvernahme angegeben hatte, war den beiden Frauen der Schwarzafrikaner aufgefallen, weil dieser mit einer langen und schweren Eisenstange auf der Straße tanzte. „Schon wieder dieser Trottel“, soll Maria E. laut der Zeugin darauf gesagt haben - die 54-Jährige kannte den obdachlosen 21-Jährigen offenbar bereits. Um allfälligen Schwierigkeiten mit dem verhaltensauffälligen Mann aus dem Weg zu gehen, wechselten die Frauen die Straßenseite, als einige Meter später der Mann unvermutet zwischen zwei Marktstandln auftauchte und wortlos die ein paar Schritte vor ihrer Mitarbeiterin gehende Maria E. attackierte.

Von den Schlägen wurde ein 36-jähriger Lehrer wach, der damals direkt am Brunnenmarkt lebte und dessen Schlafzimmerfenster unmittelbar über dem Tatort lag. „Nach dem vierten Pumperer habe ich mir gedacht, ich schau nach“, erinnerte sich der Mann nun im Zeugenstand. Er habe „beim zweiten Hinschauen erkannt, dass ein Gewaltakt stattfand“ und das Fenster aufgerissen und runtergerufen: „Der Mann hat kurz raufg‘schaut. Dann hat er sich umgedreht und weiter gemacht.“

Den Täter habe er sofort als „den Francis“ erkannt, der jedem am Brunnenmarkt ein Begriff war, gab der Lehrer an: „Er war für alle Leute, die dort leben, ein bekannter Mann.“ Der Mann sei „aufgefallen“, von ihm sei „eine gruselige Atmosphäre“ ausgegangen. „Ist Ihnen aufgefallen, dass er nicht ganz normal ist?“, wollte Richter Nachtlberger wissen. „Ja“, erwiderte der Zeuge, „er hat wie in einem Paralleluniversum gewirkt.“


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