Stromzonentrennung - E-Control verweist auf Preiszonen-Studie

Wien (APA) - In der Diskussion über eine Trennung der Strompreiszone zwischen Österreich und Deutschland betont die E-Control die Notwendigk...

Wien (APA) - In der Diskussion über eine Trennung der Strompreiszone zwischen Österreich und Deutschland betont die E-Control die Notwendigkeit der Einhaltung von Verfahren und verweist auf Europas Übertragungsnetzbetreiber, die an einer Studie über die Preiszonen in Mitteleuropa arbeiten. Die Entscheidung der europäischen Regulierer (ACER) zur Trennung wird man beim Beschwerdeausschuss von ACER anfechten.

Dies bekräftigte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch am Montag im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Generalsekretär des Verbands der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E), Konstantin Staschus, zum Thema Netzkodizes. Die E-Control ist der Auffassung, dass eine Entscheidung über eine Engpassbewirtschaftung an der deutsch-österreichischen Grenze und damit eine Trennung der beiden Stromzonen nicht von ACER getroffen werden kann. Laut einem Gutachten der Anwaltssozietät Clifford Chance Deutschland LLP ist eine Entscheidung über neue Preiszonen („bidding zones“) nur im Rahmen des „Bidding Zone Review“-Prozesses durch die europäischen Übertragungsnetzbetreiber sowie Mitgliedstaaten, nicht aber durch ACER möglich. Die heimische E-Wirtschaft befürchtet bei einer Stromzonentrennung eine Erhöhung der Großhandelspreise um mehrere hundert Millionen Euro.

„Lassen wir die Übertragungsnetzbetreiber diese Studie zu Ende führen“, dann könne anhand der Ergebnisse entschieden werden, betonte Urbantschitsch. Man sollte nicht davor neue Fakten schaffen, von denen man wieder schwer zurückkomme. Es müsse ein Verfahren durchlaufen werden, wenn es zu Preiszonenänderungen komme.

In einem der Netzkodizes über Stromhandel und Infrastrukturallokation sei eine Anpassung der Preiszonen an die sich entwickelnde Realität - je mehr Solar- oder Windkraftwerke sich in einer Ecke Europa befänden, desto mehr ändere sich die Realität der Stromflüsse, so Staschus. Das sei das einzig Größere, das ENTSO-E zu Diskussion beitragen könne. Es könne sein, dass Preiszonen, die vor fünf Jahren einmal perfekt gewesen seien, einfach nicht mehr passten. Es gebe einen großen Konsens in ganz Europa, dass Preiszonen ab und zu angepasst werden müssten und das natürlich auf Basis sorgfältiger Studien erfolgen müsse. Politische Interessen spielten hinein, neutrale Daten seien aber für Europa wichtig. ENTSO-E sei dabei, eine solche Studie für ein groß definiertes Mitteleuropa zu machen, die etwa Ende 2017 fertig werden soll und die eine Analyse der Kosten und der Nutzen darstelle.

Man habe sich beispielsweise Gedanken darüber gemacht, ob nicht Tschechien und Slowakei in eine Preisezone zusammengefasst werden könnten oder auch Belgien und Niederlande. Das hänge davon ab, welche Infrastruktur es heute gebe und welche in zehn Jahren erwartete werde, Es werde dann sicherlich auch eine politische Bewertung hineinkommen, wie wahrscheinlich es sei, dass bis 2025 tatsächlich viel mehr Infrastruktur dastehe als heute.

Eine größere Preiszone mache vieles einfacher und damit letztendlich auch kostengünstiger für die Kunden. Andererseits, wenn die entsprechende Infrastruktur innerhalb einer großen Preiszone einfach nicht da sei und die Gefahr von Überlastung und vielleicht sogar von Zuverlässigkeitsproblemen bestünde, müsse etwas gemacht werden. Die Studie sei relativ komplex und werde auch vergleichen, wo der Kundennutzen liege, und zwar aller Kunden, jener in Tschechien, in Norddeutschland, Süddeutschland, Österreich, Slowenien usw. „Wir sind selber etwas enttäuscht, wie viel Politik dort hineinkommt, bevor die neutralen Rechenergebnisse vorliegen“, meinte Staschus. Man hoffe aber, dass die Studie bei ihrem Vorliegen einen großen Effekt auf die Diskussion haben werde, weil dann Abschätzungen der Vor- und Nachteile vorliegen werden.

Das Verfahren sei mit dieser Studie in Gang gesetzt worden und müsse auch eingehalten werden, so Urbantschitsch. Wenn es nun darum gehe, dass diese europäische Einrichtung künftig möglicherweise mehr Zuständigkeiten haben solle, sollte man sich überlegen, ob das wirklich eine vertrauensvolle Basis für eine künftige Zusammenarbeit sei.

Stromnetzkodizes seien Bausteine für eine sichere, wettbewerbsfähige und klimafreundliche Stromversorgung in Europa, wurde heute betont. Dieses Set von Rechtsvorschriften ist ein wesentlicher Bestandteil des 2009 in Kraft getretenen dritten EU-Energiebinnenmarktpaketes. Involviert sind dabei ACER, ENTSO-E, die EU-Kommission und die nationalen Regulatoren. Netzkodizes stünden für eine vertiefte europäische Zusammenarbeit im Energiebereich. Behandelt werden unter anderem Stromhandel, die Vergabe von Netzkapazitäten, Engpassmanagement oder der Anschluss von Kraftwerken. Netzkodizes regeln nicht nur technische, sondern auch marktrelevante Themen. Letztendlich sollten die heimischen Stromkunden von einer höheren Versorgungssicherheit und einem wettbewerbsfähigen Markt profitieren. Netzkodizes gibt es im Strom- und Gasbereich. Im Strombereich sind acht Netzkodizes vorgesehen, von denen fünf bereits umgesetzt sind. Im Gasbereich gibt es vier, davon sind drei bereits erlassen.

~ WEB http://www.e-control.at ~ APA269 2016-11-28/13:47


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