Kommunalkredit Austria macht eine Filiale in Frankfurt auf

Wien (APA) - Die seit einem Jahr privatisierte Kommunalkredit Austria ist dabei, in Frankfurt eine Filiale zu errichten. Start ist mit fünf ...

Wien (APA) - Die seit einem Jahr privatisierte Kommunalkredit Austria ist dabei, in Frankfurt eine Filiale zu errichten. Start ist mit fünf Beschäftigten, vor allem für den Vertrieb. Bankchef Alois Steinbichler erwartet die Filialeröffnung für das erste Quartal 2017. Seit der Privatisierung ist die einst notverstaatlichte Bank wieder im Geschäft. Das Neugeschäft sei gut angelaufen, sagte Steinbichler.

Er bezifferte das Neugeschäftsvolumen, also Infrastrukturfinanzierungen für 17 Projekte in sieben Ländern, die gebucht beziehungsweise „arrangiert“ wurden, für heuer mit 250 Mio. Euro. Auf Sicht soll pro Jahr doppelt so viel dazukommen. Klamme Gemeindekassen bei wachsendem Bedarf an öffentlicher Infrastruktur lassen die Banker auf einiges Geschäft hoffen: Ein Schwerpunkt liegt jetzt auf sogenannten Verfügbarkeitsmodellen, das sind Sonderformen öffentlich-privater Partnerschaften (PPP).

Vorreiter sind dabei die Briten, auch in Deutschland laufen viele solcher Programme - zum Teil unter Kommunalkredit-Teilnahme. Das Geschäftsmodell sieht vor, für Infrastrukturkredite private institutionelle Investoren (Versicherungen, Pensionsfonds) als Beteiligte zu gewinnen, also einen Teil der Kreditsummen nach einer bestimmten Zeit bei langfristigen Investoren zu platzieren. In diesen Fällen würde nur ein Teil der Projektkreditsumme - in der Regel 20 Prozent - in der Bilanz der Kommunalkredit bleiben. Geeignet seien hierzulande solche Lösungen u.a. für Schulbauprojekte oder Hochwasserschutz, meint man in der Kommunalkredit.

Mit Versicherungen sei er gerade in sehr konkreten Gesprächen, sagte Steinbichler am Montag, auch für eine Übernahme von Krediten. Gerade Versicherungen stoßen mit ihren Veranlagungsmilliarden seit ein paar Jahren vermehrt in Langfristinvestments von öffentlicher Infrastruktur vor. Unter anderen peilt wie berichtet die österreichische UNIQA Versicherung zur Zeit etwa ein Gefängnisprojekt in den Niederlanden an.

Die Gefängnisbranche als „Assetklasse“ ist auch der Kommunalkredit schon vertraut. In Großbritannien ist sie nicht nur mit Strom- und Straßeninfrastruktur einer großen Stadt vertreten, sondern auch in einem Bau- und Instandhaltungskonsortium für ein Gefängnis, wie Steinbichler heute erläuterte. Ein weiteres Gefängnisprojekt in einem europäischen Land ist im Anbotsstadium. „Wir sind an Errichtung und Erhalt einer Justizanstalt beteiligt“, nicht aber Betreiber. Bei Schulbauten liefere man ja auch nicht die Lehrer. Oft ist die Bank auch reiner Berater, da fließen Beratungsprovisionen. Etwa in Wien, wo es sich bei einem Schulcampus um ein Beratungsmandat gehandelt hatte.

Etwa 10 bis 15 Prozent aller öffentlichen Infrastrukturprojekte sieht Steinbichler geeignet für diese Sonderform der öffentlich-privaten Finanzierung. Der massive Investitionsbedarf der öffentlichen Hand ergäbe für die nächsten Jahre ein Potenzial von mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr.

Indem die Privaten nicht nur den größten Teil des Gelds für verleihen und die Gebäude, Straßen oder Anlagen nach Errichtung - bei Schulen etwa auf meist 20 bis 30 Jahre - auch technisch betreiben (bzw. erhalten), sehen sich die öffentlichen Hände bei Infrastrukturbauten gegen jährliche feste Gebühren vom teuren Risiko von Baukostenexplosionen, Bauzeitüberschreitungen oder Betreiberrisiken befreit - ohne dass es zur Privatisierung kommt. Rentieren muss es sich freilich für beide Seiten, für die Gemeinden muss es „maastricht-verträglich“ sein.

In Europa seien im heurigen Jahr 109 Projekte mit rund 20 Milliarden Euro auf diese Weise finanziert worden.

~ WEB http://www.kommunalkredit.at ~ APA277 2016-11-28/14:01


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