Hugh Masekela: Weltmusik für Herz, Hirn und Beine

Wien (APA) - Er ist der „Louis Armstrong von Südafrika“ (The Guardian), und er ist ein „Weltmusiker“ mit Mission: Hugh Masekela machte bei s...

Wien (APA) - Er ist der „Louis Armstrong von Südafrika“ (The Guardian), und er ist ein „Weltmusiker“ mit Mission: Hugh Masekela machte bei seinem Tourstop am Montagabend im ausverkauften Wiener Konzerthaus deutlich, dass beide Punzierungen für den mittlerweile 77-Jährigen immer noch Gültigkeit haben.

„Bra Hugh“ ist mit exzellenter Band unterwegs. Und er spielt im Moment live nur Flügelhorn, nicht Trompete und Kornett. Das aber macht er wohldosiert und mit lyrischem Ton. Die meiste Zeit singt der 77-Jährige, meist von den alten Zeiten in seiner Heimat, als Schwarze bitterste Unterdrückung erleiden mussten. Und doch tut er dies mit Sanftheit und der Abgeklärtheit der zeitlichen Distanz - immerhin auch schon mehr als 22 Jahre seit der Gründung des „freien Südafrika“, wie Masekela es nennt, und somit der Überwindung des Apartheidregimes.

Als er einen Song über einen Zug ankündigt, der Arbeiter zu ihren tristen und gefährlichen Jobs in den Minen bringt, jubelt ein Zuhörer, weil er das kommende Lied erkannt hat. „Das ist ein trauriger Song“, entgegnet Masekela mild. Der Zuhörer ergänzt: „Aber ein guter!“ - was der 77-Jährige lächelnd mit „Also ist es ein guter trauriger Song“ quittiert.

Überhaupt erlebt man da einen Menschen und Musiker auf der Bühne, der völlig in seiner Mitte zu sein scheint: relaxt, gut gelaunt, erfreut über das nette Publikum und musikalisch stets souverän. Hugh Masekela bewegt sich nicht auf der Bühne, er wird von den Liedern, vor allem den Rhythmen, bewegt - ebenso wie das Publikum. Großen Anteil hat dabei natürlich seine Band, allen voran der grandiose Fana Zulu mit seinen unermüdlichen Walkin‘ Bass-Lines. Souveräne Gelassenheit beweist Hugh Masekela aber auch, als nach einer Dreiviertelstunde irgendein Softwareprogramm am Mischpult ausfällt und er das Konzert unterbrechen muss. 20 Minuten später, als alles wieder funktioniert, meint er verschmitzt: „Es gibt Geister hier im Konzerthaus. Der Bruckner hat da reingepfuscht - und Mozart hat ihm geholfen...“

Als Masekela seinen Instrumental-Hit „Grazing In The Grass“ anspielt, wird erst bewusst, wie lange er mit seiner Weltmusik-Fusion aus Südafrikanischem und Jazz unterwegs ist: Das Stück stammt aus 1968. Dagegen ist der letzte Song des Abends, seine Huldigung an Nelson Mandela , deutlich jünger - aber gerade das ist Geschichte...


Kommentieren