Stadt Wörgl baut ihre Kraftwerke kräftig aus

Die Stadt will künftig bis zu 100 Prozent des Strom-Eigenbedarfs decken. Resolution an die Bundesregierung zur Rettung der Kleinwasserkraft.

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Von Wolfgang Otter

Wörgl –Die Stadt Wörgl hat sich auf den Weg zur Energie­autonomie gemacht. Ein wesentlicher Baustein zum Erreichen des Ziels sind die städtischen Kleinkraftwerk­e, die die Wörgler Stadtwerk­e kräftig ausbauen werden. Teilweise wird der stadteigen­e Betrieb durch eine neue Verordnung der EU dazu gezwungen. So müssen unter anderem Fischtreppen angelegt und mehr Restwasser in den Gewässern belassen werden. Damit wurde es auch notwendig, die Kleinkraftwerke der Stadt zu überprüfen. Derzeit erzeugen die fünf E-Werke 98.000 Megawattstunden und erreichen damit bei den Haushalten einen Deckungsgrad von bis zu 85 Prozent. Der soll bis 2025 auf 100 Prozent erhöht werden – auße­r zu Spitzenzeiten.

Sanierungsbedarf durch die neue Richtlinie besteht beim ältesten Werk der Stadt, dem Kraftwerk Müllnertal, das bereits in den 1950er-Jahren in Betrieb gegangen ist. „Wir müssen mehr Restwasser belassen, das heißt, dass wir hier rund zehn Prozent Energie verlieren. Erst bei einer Sanierung in zehn oder fünfzehn Jahren werden wir das durch eine Modernisierung wieder kompensieren können“, erzählt Stadtwerke-GF Reinhard Jennewein.

Das größte Wörger Kraftwerk Kelchsau-Ziesel mit 15.200 Megawattstunden Jahresleistung (Strom für 3800 Haushalte) wird einen hohen Finanz-Aufwand benötigen, wie Jennewein berichtet. Hier muss aufgrund der neuen EU-Wasserrahmenrichtlinien bis 2027 die Restwasser­menge erhöht und eine Fischtreppe errichtet werden.

Daher wird um 10 Mio. bis 15 Mio. Euro komplett ausgebaut. „Wir werden dann an die 24.500 Megawattstunden pro Jahr erzeugen“, sagt Jennewein.

Dabei sei man auch eine Kooperation mit den Bundesforsten eingegangen. Dies­e hatten am Anfang Zweifel angemeldet. Nach zwei Jahre­n Verhandlungen liegt nun seit Oktober der Vertrag dafür vor. „Das ist ein Riesenerfog und ein Meilenstein in der Unternehmensgeschicht­e der Stadtwerke Wörgl. Die Bundesforste bauen den Oberlieger und wir revitalisieren und bauen das bestehende Kraftwerk aus. Und dann gibt es Synergien: Die Bundesforste investieren, wir stellen den Kraftwerkdienst zur Verfügung. Es gibt daher ein gemeinsames Projekt, wir blockieren uns nicht, sondern arbeiten zusammen“, berichtet Jenne­wein. 2017, so sei geplant, will man ein Projekt einreichen. In den Jahren 2020 bis 2022 soll der Bau beginnen. Partnerschaften seien auch die Zukunft, wie der Stadtwerkechef weiters erklärt. Auch mit den Kommunalbetrieben Hopfgarten bestünd­e für das Kraftwerk Kelchsau-Ehreit eine Kooperation. Eine weitere Partnerschaft haben die städtischen Werke in der Pipeline: das Kleinstkraftwerk Egerndorf zwischen Wörgl und Kirchbichl mit der Egon-Dietrich-Privatstiftung (65 zu 35). Hier gab es Bedenken von Anrainern, daher wurde die Trasse für das rund 12 Millionen Eur­o teure E-Werk umgeplant. In den weiteren Gesprächen mit Kirchbichl gebe es eine An­näherung, nachdem seitens der Gemeinde anfänglich Skepsis bestanden habe.

Welchen Wert die Kleinkraftwerke für die Wörgler Politik haben, zeigt sich in einer Resolution an die Bundes­regierung. Darin verlangt man gemeinsam mit der Organisation Kleinwasserkraft Österreich bessere Förderungen und Abnahmepreise.


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