Innsbrucker Ökonomen: Wenn Moral nicht wirkt, hilft Strafe

Ein Experiment der Uni Innsbruck hat zu einem erstaunlichen Ergebnis geführt: Menschen orientieren sich eher an ethischen Normen, wenn sie Strafen befürchten.

(Symbolfoto)
© Keystone

Innsbruck – „Die heutige Moralvorstellung ist, dass man sich die Moral nur noch vorstellen kann.“ Dieses Zitat von Erhard Blanck bringt den Umgang mit Moral gut auf den Punkt. Ökonomen der Universität Innsbruck wollten jetzt der Frage nachgehen, wie man Menschen am ehesten dazu bringen kann, sich an ethischen Normen zu orientieren.

Das Ergebnis ist bezeichnend: Nach einem großangelegten Experiment kamen die Forscher zu dem Schluss, dass Aufklärung so gut wie nichts hilft, die Androhung von (monetären) Strafen hingegen sehr. An dem Experiment nahmen 700 Studierende der Universität Innsbruck teil. Sie erhielten einen Geldbetrag und konnten entscheiden, ob sie das Geld an Unicef für Masernimpfstoffe spenden oder es selbst behalten.

„Die Studierenden erhielten reale Geldbeträge und die Spenden gingen auch tatsächlich an die Unicef“, betont Michael Kirchler, Erstautor der Studie. „Alle Probanden haben von uns später auch die Spendenquittungen erhalten.“ Die Ökonomen Michael Kirchler, Jürgen Huber, Matthias Stefan und Matthias Sutter untersuchten drei mögliche Szenarien zur Unterstützung des moralischen Verhaltens: Aufklärung durch einen Arzt, die Aufhebung der Anonymität sowie eine monetäre Bestrafung von unmoralischem Verhalten.

Strafandrohung wirkt

Im ersten Fall klärte ein Experte der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ die Studienteilnehmer über die drastischen Folgen von Masernepidemien und die Wirkung von Impfaktionen auf. „Erstaunlicherweise zeigte diese Maßnahme keine Wirkung“, resümiert Kirchler. „Die Teilnehmer spendeten die gleichen Beträge, ob sie zuvor aufgeklärt wurden oder nicht.“

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Sehr wohl Wirkung zeigte hingegen die potenzielle monetäre Bestrafung von geringer Spendenbereitschaft und somit von unmoralischem Verhalten. In diesem Szenario nahmen weitere Personen an dem Experiment teil. Diese konnten die anderen Teilnehmer finanziell bestrafen, wenn sie unmoralisch handelten, mussten dafür aber auch einen Anteil ihres Startguthabens abgeben. „Wir spielten alle Szenarien mit jeder Gruppe zehn Mal durch“, erzählt Kirchler. Es zeigte sich, dass durch die Möglichkeit der finanziellen Bestrafung die Spendenbereitschaft deutlich anstieg.

„Die Ergebnisse können helfen, Regeln für die Einhaltung von ethischen Normen und Standards sowohl in der Gesellschaft als auch in Unternehmen zu optimieren“, sind sich die Autoren sicher. (TT.com)


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