Moskau: Syrien hat Durchbruch bei Schlacht um Aleppo erreicht

Laut dem russischen Verteidigungsministerium haben Regimetruppen fast die Hälfte Ost-Aleppos zurückerobert. Zwischen den Fronten werden Zehntausende Zivilisten zerrieben.

© AFP

Damaskus/Berlin - Die syrische Armee hat nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums fast die Hälfte von Ost-Aleppo zurückerobert. In den vergangenen 24 Stunden sei ihr ein Durchbruch im Kampf um die Stadt gelungen, erklärte das Ministerium in Moskau am Dienstag laut der Nachrichtenagentur Interfax.

Die syrischen Soldaten hätten die Lage radikal verändert. Der Ostteil der Stadt wird von Rebellen und Extremisten kontrolliert. Sein Fall könnte zu einem Wendepunkt im Syrien-Krieg werden.

Syriens Präsident Bashar al-Assad wird von Russland, Iran und der libanesischen Hisbollah-Miliz unterstützt. Seine Gegner sind eine heterogene Mischung aus Oppositionellen und Extremisten, die vom Westen und den konservativen arabischen Golfstaaten Hilfe erhalten. Zwischen den Fronten werden Zehntausende Zivilisten zerrieben. Sie sterben im Bombenhagel.

UNO: Mindestens 16.000 Zivilisten auf der Flucht

Medizinische Versorgung und Lebensmittel gibt es kaum noch. Vor den jüngsten Kämpfen sind nach UNO-Angaben bis zu 16.000 Menschen geflohen. In dem Gebiet gebe es keine funktionierenden Krankenhäuser mehr, erklärte der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe, Stephen O‘Brien, am Dienstag.

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Die Reserven an Nahrungsmitteln seien weitgehend aufgebraucht. Wahrscheinlich würden noch Tausende Menschen die Flucht ergreifen, wenn die Kämpfe in den nächsten Tagen anhielten.

Die syrische Armee hat in den vergangenen Tagen etwa ein Drittel des von Rebellen und Extremisten beherrschten Ostteils von Aleppo erobert. Damit ist Syriens Präsident Bashar al-Assad seinem Ziel einen großen Schritt nähergekommen, ganz Aleppo wieder unter seine Kontrolle zu bekommen. Ost-Aleppo ist die wichtigste städtische Hochburg der Rebellen.

Die deutsche Regierung fordert angesichts der Eskalation der Kämpfe um die nordsyrische Großstadt Aleppo eine umgehende humanitäre Feuerpause. „Mit den jüngsten schweren Kämpfen und der Einnahme großer Teile des Ostens Aleppos durch das Regime und seine Unterstützer stehen die Menschen dort vor dem absoluten Nichts“, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin am Montagabend.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnt die syrische und russische Regierung vor der Annahme, mit der Einnahme Aleppos einen entscheidenden Sieg zu erringen. „Dieser Konflikt wird nicht zu Ende gehen - unabhängig davon was gegenwärtig in Ost-Aleppo militärisch passiert“, sagte der Minister am Dienstag in Berlin. (APA/Reuters)


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