Kichern erlaubt: Gefeierte „Lady Macbeth von Mzensk“ in München

München (APA/dpa) - Dmitri Schostakowitschs bekannteste Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ ist, wie der Titel ahnen lässt, eine blutrünstige Ges...

München (APA/dpa) - Dmitri Schostakowitschs bekannteste Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ ist, wie der Titel ahnen lässt, eine blutrünstige Geschichte. Drei Menschen hat Katerina Ismailowa, die geknechtete, nach Liebe hungernde Kaufmannsfrau auf dem Gewissen, bevor sie sich selbst das Leben nimmt.

Dass die 1934 uraufgeführte Oper nach einer Erzählung von Nikolai S. Leskow dennoch keine „Horrorshow“ ist, wie Regisseur Harry Kupfer im Programmheft der Bayerischen Staatsoper schreibt, ist vor allem der Musik zu verdanken. Sie überhöht das drastische Geschehen oft ins Groteske - bei der Premiere am Montagabend im Münchner Nationaltheater konnte man in den Zuschauerreihen immer wieder verstohlenes Gekichere vernehmen.

Die Krone des Abends gebührte Anja Kampe, die mittlerweile zu den begehrtesten dramatischen Sopranistinnen zählt. Weltweit brilliert sie als Leonore in Beethovens „Fidelio“, als Isolde in Wagners „Tristan und Isolde“ und als Sieglinde in der „Walküre“. In der Rolle der Katerina gab sie ein darstellerisch wie sängerisch überzeugendes Rollendebüt. Sie zeichnete die aus niederen Verhältnissen kommende Kaufmannsgattin als selbstbewusste Frau, die in ihrer Beziehung zu dem Kaufmann Sinowi Borissowitsch Ismailow buchstäblich zu verdursten droht und schließlich mit ihrem Geliebten, dem Knecht Sergej, eine Art Teufelspakt schmiedet.

An Kampes Seite verblasste der Rest der Sängerschar. Am ehesten überzeugte noch der ukrainische Tenor Misha Didyk als Sergej, während der altgediente russische Bass Anatoli Kotscherga als Katerinas herrisch-lüsterner Schwiegervater Boris Timofejewitsch Ismailow mehr sprach und schrie als sang. Der Chor der Bayerischen Staatsoper war glänzend einstudiert und wurde ständig in Bewegung gehalten: mal als ein voyeuristisch gaffender, sich an den Leiden anderer Menschen weidender Mob, mal als auf dem langen Weg ins sibirische Straflager leidende Menschheit.

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Kupfer, der nach langer Pause erstmals wieder in der Staatsoper inszenierte, ließ es an handwerklicher Präzision im Zusammenklang mit Schostakowitsch unerhört vielseitiger und inspirierter Partitur nicht fehlen. Doch wirkten seine Tableaus oft recht brav-regiealtmeisterlich - mit Ausnahme der berittenen Polizei, die statt Pferden rollende Bürostühle unter dem Hintern hatte. Das edel heruntergekommene Ambiente einer alten Fabrikhalle, gestaltet von Bühnenbildner Hans Schavernoch, verstärkte den dekorativen Gesamteindruck.

Bliebe noch Kirill Petrenko zu nennen, der am Pult des Bayerischen Staatsorchesters wieder einmal Wunderbares leistete und vom Publikum, wie gewohnt, gefeiert wurde. Die komplexe Partitur, die blitzschnell zwischen kantabler Lyrik, Groteske, schräger Walzerseligkeit und brutaler Gewalt wechselt, war bei ihm in besten Händen.

Zu ganz großer Form lief Petrenko auf, wenn er wie ein Dompteur die von vorne und aus den Proszeniumslogen hereinbrechenden Klangmassen niemals lärmend, sondern immer wunderbar durchhörbar organisierte. Ein Rätsel, warum dieses in zaristischer Zeit spielende Werk zwei Jahre nach der Uraufführung in einem legendären Zeitungspamphlet („Lärm statt Musik“) geradezu vernichtet wurde und den Komponisten fast - wie seine Heldin Katerina - ins sibirische Straflager gebracht hätte.

(S E R V I C E - www.staatsoper.de)


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