Donau-Chef für Einschränkung der Lebensversicherungs-Garantien

Wien (APA) - Für eine Einschränkung der Garantien in der Lebensversicherung spricht sich der Chef der Donau-Versicherung, Peter Thirring, au...

Wien (APA) - Für eine Einschränkung der Garantien in der Lebensversicherung spricht sich der Chef der Donau-Versicherung, Peter Thirring, aus. An der Garantie bei klassischen Polizzen sollte weiter festgehalten werden, sie sollte sich aber auf die Endfälligkeit beziehen, womit es bei Rückkäufen weniger Geld gäbe. Für interne Prozesse hält Thirring viel von Digitalisierung, Kunden hätten aber kaum etwas davon.

Um die klassische Lebensversicherung auch im Niedrigzinsumfeld weiterführen zu können, „braucht man weichere Regeln“, sagte der Versicherungs-Generaldirektor am Montagabend vor Journalisten: „Unter den Solvency-II-Eigenmittelvorschriften funktionieren die Garantien in Niedrigzinsphasen nicht.“ Bleibe alles gleich, sei es in der klassischen Lebensversicherung zunehmend kritisch, Garantien bedienen zu können. Für die treuen Kunden, die bis zum Ablauf dabei bleiben, würde sich nichts ändern. Die lebenslange Risikoabdeckung und auch die lebenslangen Rentenzahlungen blieben gleich. „Beim Rückkauf hat der Versicherungsnehmer weniger, das muss man klar kommunizieren.“ Möglicherweise reiche für eine Änderung eine neue Gewinnbeteiligungs-Verordnung der Finanzmarktaufsicht (FMA), und es bedürfe gar nicht unbedingt einer Novelle des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG), so Thirring.

Nach wie vor sei die klassische Lebensversicherung geeignet für die breite Kundschaft, weil hier Versicherungsunternehmen biometrische Risiken und das Langlebigkeitsrisiko decken könnten. Dafür gebe es auch den klassischen Deckungsstock, der allein bei der Donau rund 1,8 Mrd. Euro ausmache, in der gesamten Branche wohl über 50 Mrd. Euro.

Durch die Solvency-II-Bestimmungen mit den Kapitalunterlegungspflichten würden die Versicherungsunternehmen jedoch beschränkt, denn es müssten für Zeiträume von 20 bis 30 Jahren Eigenmittel-Unterlegungen dargestellt werden - bei Fondspolizzen stelle sich das Problem nicht, denn die seien nur ganz gering zu unterlegen. Bei Fondspolizzen sei die Ertragschance, aber auch das Risiko höher. „Die Verantwortung für die Veranlagung liegt bei Fondspolizzen aber komplett beim Kunden“, womit viele wohl überfordert seien.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

Für nicht ausreichend versichert hält Thirring die Österreicher bei Naturkatastrophen. Hier sollte der Staat - nach dem Muster von Frankreich, der Schweiz und Belgien - durch die Übernahme von Garantien unterstützend auftreten. Leider sei es Versicherungswirtschaft und Gesetzgeber gemeinsam noch nicht gelungen, zu Lösungen in Richtung Pflichtversicherung zu kommen. Der Katastrophenfonds sei immer nur ein Placebo im Hintergrund, dessen Leistungen seien aber freiwillig, also ohne Rechtsanspruch, und würden „abhängig von Landtagswahlen“ immer wieder schwanken. Volldeckungen in dem Bereich für ganz Österreich würden die Assekuranzbranche überfordern, da ginge es um zweistellige Milliarden-Summen für ein Großereignis mit 200-jähriger Wahrscheinlichkeit.

Das Thema Digitalisierung sieht Thirring, der im Frühjahr nach drei Jahrzehnten bei der Generali an die Spitze der Donau getreten ist, zwiespältig. Bei den internen Prozessen zeige sie ihre Wirkung, aber schon seit Jahren. Natürlich koste die Digitalisierung in der Branche auch Jobs, bringe aber eine Kostenreduktion in der Verwaltung in Gang. Beim Kunden sei die Digitalisierung noch nicht als Mehrwert angekommen. Dass man im Online-Vertrieb etwas ins Internet stelle, „und dann kommen 100.000 Kunden“, sei eine Illusion: „Der Online-Verkauf ist noch nicht wirklich entdeckt worden.“ Einen beratungsfreien Verkauf könne es für die breite Masse nicht geben. Etwa eine Unfallversicherung per App auf einer Skihütte anzubieten oder eine Reiseversicherung beim Grenzübertritt des Kunden sei „ein reiner Gag“ und „unseriös“. „Der letzte Schrei“ sei, dass sich der Kunde den Schaden via App selbst regulieren solle.

Mit den österreichweit 80 Geschäftsstellen und 1.300 Mitarbeitern sieht sich die über die Sparkassen Versicherung zum VIG-Konzern zählende Donau laut Thirring gut aufgestellt. Jobabbau habe man keinen geplant. Jedoch würden im automatisierten Massengeschäft am ehesten Jobs wegfallen, dafür gebe es bei der Regulatorik eine Aufstockung. Bei Klein- und Mittelbetrieben (KMU) sei man gut vertreten, hier gehe man in der betrieblichen Altersvorsorge in die Offensive. Von der Zukunftsvorsorge in der Sparte Leben verkaufe man einige tausend Verträge im Jahr, das Produkt sei - mit Garantie, Rentenzahlung, Förderung und Versicherungssteuer-Freiheit - gut, jedoch sei die verpflichtende Aktienquote ein Hemmnis.

Ziel der Donau sei es, die Profitabilität zu verbessern. Heuer werde es lediglich ein leicht positives Ergebnis geben, in den Folgejahren müsse das aber mehr werden. „Wir müssen zweistellige Gewinne machen, wir sind voll auf Kurs“, so Thirring. Das „Italien-Abenteuer“ sei „ausgestanden und großteils verdaut“. Der Schadenverlauf in Italien sei bereinigt, der Bestand von 12 Mio. Euro weise eine Kostenquote von unter 100 Prozent auf, jedoch liege die Combined Ratio (Schäden und Kosten gemessen an der Prämie) noch über 100 Prozent. Zukunftsmarkt sei Italien mit primär Kfz- und ein paar Sachverträgen für die Donau nicht. „Wir müssen uns überlegen, was wir mit Italien machen. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf Österreich.“

In der Veranlagung versucht die Donau, vertretbare Rendite durch eine Diversifizierung zu erzielen. Jährlich müsse man vier bis fünf Prozent wiederveranlagen. Hier orientiere man sich einerseits an der guten VIG-Politik, in attraktive lokale Immobilien zu investieren, aber auch in Anleihen - außer Staatsanleihen -, samt Corporate Bonds. Auch an Infrastruktur habe man ein großes Interesse, weil das ideal zu längeren Veranlagungshorizonten von zum Beispiel 30 Jahren und mehr passen würde. Hier fehlten aber noch klare Rahmenbedingungen des Gesetzgebers.

Seitens der Politik sollte es Maßnahmen zur Absicherung des Standorts Österreich geben, „damit die jungen Leute nicht weggehen“, regte Thirring an. So könnte sich die öffentliche Hand etwa mit 25 Prozent plus einer Aktie an Start-up-Unternehmen beteiligen und so bewirken, dass diese samt Headoffices und Belegschaften in Österreich bleiben. Auch Runtastic sei nur „zufällig“ hiergeblieben - bei einem Abwandern nur die Förderung zurückzuverlangen sei zu wenig. „Es müssen die Jobs, die Forschung, die Entwicklung und echte Zentralen hier bleiben. Dafür sollte man die Rahmenbedingungen schaffen“, wünscht sich der Donau-Chef.

~ WEB http://www.donauversicherung.at ~ APA271 2016-11-29/12:00


Kommentieren