Vom Ritterschlag im Retro-Pulli

Den Grunddurchgang aus der Vorsaison haben die Haie bereits überboten, die Segel sind auf Platz vier derzeit klar Richtung Play-off gesetzt. Das Gute-Laune-Orchester genießt auch die Zeit abseits des Eises.

Die Haie blasen der Konkurrenz in der Erste Bank Eishockey Liga gegenwärtig den Marsch – nach dem 3:2-Sieg gegen Dornbirn gab es mit den Fans in der Tiwag-Arena wieder das „Humba Täterä“.
© gepa

Von Alex Gruber

Innsbruck — Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte. Haie-Goalie And­y Chiodo stürmte nach der Schluss-Sirene gegen Dornbirn (3:2) aus dem Tor, um Angreifer Mario Lamoureux zu herzen. Der hatte sich unmittelbar davor in einen Schuss geworfen. Keine 30 Sekunden zuvor hatte Mario Huber dasselbe getan. Das kann auch schmerzhaft ins Auge gehen. Für die Haie geht in dieser Saison aber jeder einzelne Crack über die Schmerzgrenze, viele kleine Puzzleteile machen das große Ganze aus.

„Die Spieler feiern gerad­e sich und ihr Leben", lacht Pressesprecher Robert Lercher, als rund um das Haifischbecken auf den Tribünen eine Welle der Euphorie hereinbricht. „Es ist ein Hammer. Die letzten Jahre waren ja ziemlich zach für den Kopf", erinnert sich Verteidiger Flo Pedevilla an härtere Zeiten. Dafür muss man nur einen Blick auf die Abschlusstabelle des Grunddurchgangs in der Vorsaison werfen. Da waren die Haie weit hinten.

„Es ist alles ganz anders, wir sind ganz anders aufgelegt. Die Spieler, die geholt wurden, sind alle ein Wahnsinn, und wir haben das Glück, kein­e Verletzungen zu haben", merkt Pedevilla an, ehe es gestern für eine interne Weihnachtsfeier in die Ritterkuchl nach Hall ging. Beim lustigen Dinner mit „integriertem Ritter-Kabarett" und englischem Dolmetscher war seitens des Teams auch Headcoach Rob Pallin geladen. „Er ist abseits des Eises ein Kumpel und auf dem Eis ganz klar unser Chef", weiß Pedevilla, dass der Amerikaner die Trennlinie kennt.

Wer am gestrigen Abend in die Rolle des „Hofnarrs" geschlüpft ist, blieb offen. Angreifer Austin Smith hätte sich nur wegen seines genialen Schnauzbartes für Pedevilla und Teamkollege Daniel Mitterdorfer in Stellung gebracht. In jedem Fall war intern fixiert, dass jeder in einem alten Weihnachtspulli antanzen muss. „Ich muss mir noch einen kaufen gehen", schmunzelte Mitterdorfer, der auf dem Eis ebenso wie Pedevilla oder sein Linienkollege Philipp Lindner als Tiroler einen blendenden Job verrichtet. „Das Mannschaftsklima und die Stimmung in der Halle machen jedem Spaß. Jeder macht seine Arbeit und jeder ist mit Herz dabei", erklärt Heimkehrer Mitterdorfer. Auch knappe Spiele könne man momentan auf die eigene Seite ziehen: „Wir schießen im richtigen Moment die Tore und bekommen auch weniger." Pedevilla stimmt ein: „Wir sind im Kopf so weit, dass wir wissen, jedes Spiel gewinnen zu können."

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Das Überraschungsteam der Liga ist nach etwas mehr als der Hälfte des Grunddurchgangs drauf und dran, erstmals seit der Rückkehr in die Erste Bank Eishockey Liga (2012) ins Play-off einzuziehen. Dafür wären ca. 70 Punkte nötig. „Hochrechnung führen wir keine, aber wir wissen, dass die Top sechs realistisch sind, wenn wir gesund bleiben", führt Mitterdorfer aus. Der goldene November brachte 19 Punkte in acht Spielen. Der gegenseitige „Ritterschlag" im Retro-Pulli war am gestrigen Abend absolut standesgemäß.


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