Schach: Kurzer Prozess - Karjakin fordert Geburtstagskind Carlsen

New York (APA/dpa) - Macht Geburtstagskind Magnus Carlsen kurzen Prozess oder nimmt ihm Herausforderer Sergej Karjakin das schönste Geschenk...

New York (APA/dpa) - Macht Geburtstagskind Magnus Carlsen kurzen Prozess oder nimmt ihm Herausforderer Sergej Karjakin das schönste Geschenk weg? Das WM-Duell um die Schachkrone geht in die Verlängerung: Nach zwölf Partien steht es 6:6, und am Mittwoch muss die Entscheidung in New York nun im Schnell- oder gar Blitzschach fallen.

Favorit ist weiter der norwegische Titelverteidiger Carlsen, doch Karjakin war in dem ausgeglichenen und spannungsgeladenen Titelkampf bisher nicht der harmlose Herausforderer, mit dem der Champion leichtes Spiel haben würde. Der Russe zeigte sich in der Nervenschlacht in seinem ersten WM-Finale erstaunlich reif. Ob es eine schöne Party für Carlsen wird, der am Mittwoch seinen 26. Geburtstag mit dem Titel feiern will, liegt an ihm selbst.

Um den Weltmeister zu ermitteln, folgt am Mittwoch ein Tiebreak von vier Schnellpartien mit einer Bedenkzeit von jeweils 25 Minuten für jeden Spieler. Dabei erhält jeder noch 10 Sekunden Zeitgutschrift pro Zug. Enden diese Partien mit einem 2:2, werden zunächst zwei Blitzpartien angesetzt - maximal sind fünfmal zwei Blitzpartien zu spielen. Bei diesen hat jeder Spieler lediglich fünf Minuten Bedenkzeit und bekommt für jeden Zug drei Sekunden Zeitgutschrift.

Geht auch das letzte Mini-Match unentschieden aus, kommt es zur ultimativ letzten Partie, dem „Sudden Death“. Dabei erhält der Spieler mit Weiß fünf Minuten Bedenkzeit für die gesamte Partie - und er muss gewinnen. Der Spieler mit Schwarz bekommt nur vier Minuten, aber ihm genügt ein Remis, um zum Weltmeister erklärt zu werden.

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Das ist eine ungeheure Belastung für beide WM-Finalisten, die sich seit zweieinhalb Wochen in New York nichts geschenkt haben. Prognosen sind schwierig, zumal beide Spieler schon Weltmeister im Schnellschach waren.

Schach-Fans in aller Welt freuen sich auf ein spektakuläres Spiel, das die Spannung auf die Spitze treibt. Doch der Modus ist umstritten. Der Titelkampf wird zur Lotterie, etwa so wie beim Elfmeterschießen im Fußball, sagen viele Großmeister und Experten. Früher dauerten WM-Kämpfe 24 Partien, inzwischen wurden sie aus Kostengründen um die Hälfte reduziert.

„Bei einem WM-Match sollte es mindestens 16 Spiele mit normaler Bedenkzeit geben, um jeden Zufall bei der Ermittlung des Schachkönigs auszuschließen“, hatte Russlands Ex-Weltmeister Anatoli Karpow gefordert.

Diese Tiebreak-Regelung des Weltschachbundes (FIDE) wird seit 2006 angewendet. Damals gewann der Russe Wladimir Kramnik in Elista gegen den Bulgaren Weselin Topalow in der Verlängerung. 2012 besiegte der Inder Viswanathan Anand in Moskau Boris Gelfand aus Israel ebenfalls im Stichkampf. In beiden Fällen setzte sich der Titelverteidiger in den Schnellpartien durch. Ob diese Serie auch in New York anhält, wird am Mittwochabend feststehen.


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