Mehr Milchgeld, aber Streit über den Bauern-Rabatt

Tirol Milch dürfte Auszahlungspreis auf über 30 Cent anheben. Bauernbund und Kammer fordern Sozialversicherungsrabatt für alle Landwirte.

Die Tirol Milch berät heute über eine Anhebung des Milchgelds für ihre 3200 Milchbauern.
© Böhm

Innsbruck –Das Milchpreisbarometer zeigt derzeit deutlich nach oben. Die im zu Ende gehenden Jahr arg gebeutelten Milchlieferanten hoffen deshalb wie die bäuerlichen Funktionäre, dass die Milchverarbeitungsbetriebe im Dezember neuerlich das Milchgeld erhöhen. Die zur oberösterreichischen Berglandmilch gehörende Tirol Milch berät heute über den neuen Preisspiegel. Für Obmann Stefan Lindner ist eine Erhöhung durchaus vorstellbar. „Aber ich möchte der heutigen Sitzung nicht vorgreifen.“ Derzeit erhalten die 3200 Lieferanten der Tirol Milch für einen Liter konventioneller Milch 29,3 Cent. Ab Dezember könnten es um rund 1,5 Cent mehr sein. Damit würde der Auszahlungspreis erstmals seit Monaten auf über 30 Cent klettern. Ein Hoffnungsschimmer – aber vorerst nicht mehr.

Heftige Diskussionen gibt es hingegen über den versprochenen Rabatt bei den Sozialversicherungsbeiträgen für die Landwirte. Das vierte Quartal muss nicht bezahlt werden. Ursprünglich war von 170 Mio. Euro die Rede, letztlich sollen es 90 Mio. Euro sein. Unabhängig davon, dass diese Hilfsmaßnahme wegen sinkender Einkommen selbst unter den Bauern umstritten ist, wurde eine Obergrenze eingezogen. Bis zu einem Einheitswert von 13.200 Euro soll der Entfall gelten. 80 Prozent der Bauern würden davon profitieren. „Aber nicht jene, die von den sinkenden Erzeugerpreisen hauptbetroffen sind – nämlich die Vollerwerbslandwirte“, wie ÖVP-Bauernbundobmann und Agrarreferent LHStv. Josef Geisler betont. Für ihn ist die Ungleichbehandlung nicht nachvollziehbar. „Schließlich handelt es sich bei dem Rabatt um die Rücklagen aus den Selbstbehalten der Bauern.“ Bauernkammerpräsident Josef Hechenberger (VP) fordert ebenfalls eine Änderung zugunsten der Vollerwerbslandwirte.

Während Hechenberger sich eine soziale Staffelung vorstellen kann, gibt es für Geisler nur zwei Möglichkeiten: „Entweder werden die 90 Millionen Euro auf alle Bauern gleichmäßig aufgeteilt, was natürlich im Durchschnitt weniger Geld für den Einzelnen bedeutet, oder die Summe wird wieder auf 170 Millionen Euro aufgestockt.“ Nächste Woche soll es noch einmal Verhandlungen geben, zuletzt geriet Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (VP), der von einem tauglichen Kompromiss sprach, im Bauernbund unter Druck.

FP-Nationalrat Gerald Hauser ist über Rupprechter verwundert. „Für uns ist diese Regierungsvorlage unausgegoren und entspricht überhaupt nicht mehr dem versprochenen Rabatt.“ Denn viele Landwirte, die breite bäuerliche Mittelschicht, hätten nichts davon, darunter viele Vollerwerbsbauern, die von der Landwirtschaft lebten und die Unterstützung benötigen würden. (pn)


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