Bruttomedianeinkommen der NÖ Arbeitnehmer stieg 2015 auf 2.053 Euro

St. Pölten (APA) - Das Nettorealeinkommen der in NÖ beschäftigten Arbeitnehmer ist 2015 erstmals seit 2009 im Jahresvergleich gestiegen. „Di...

St. Pölten (APA) - Das Nettorealeinkommen der in NÖ beschäftigten Arbeitnehmer ist 2015 erstmals seit 2009 im Jahresvergleich gestiegen. „Die mittlere Kaufkraft der Arbeitnehmer stieg durchschnittlich um acht Euro pro Monat gegenüber dem Vorjahr“, sagte Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer NÖ (AKNÖ), bei der Präsentation der Einkommensanalyse. Das Bruttomedianeinkommen stieg um 1,9 Prozent auf 2.053 Euro.

Das Bruttomedianeinkommen in Niederösterreich legte gegenüber 2014 demnach um 39 Euro zu, in Österreich betrug das Plus 2,3 Prozent (47 Euro) auf 2.125 Euro. Inflationsbereinigt (real) blieb im Bundesland ein Anstieg von 1,0 Prozent (20 Euro), nach Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen und Lohnsteuer (nettoreal) 0,6 Prozent (acht Euro). In Österreich waren es im Vergleich dazu real 1,4 Prozent (28 Euro) bzw. nettoreal 0,9 Prozent (13 Euro). Das Plus im Vorjahr sei minimal, heuer sei aber durch die Steuerreform ein deutliches Plus bei den Einkommen zu erwarten, so Wieser bei einer Pressekonferenz am Dienstag in St. Pölten.

Im Zehnjahresvergleich ist die Kaufkraft der in Niederösterreich Beschäftigten um durchschnittlich neun Euro pro Monat (0,6 Prozent) gesunken, österreichweit waren es vier Euro (minus 0,2 Prozent). Betroffen sind laut Wieser vor allem einkommensschwächere Haushalte, die wegen Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Wohnen mehr Geld für die Abdeckung von Grundbedürfnissen aufwenden müssten. Verglichen mit 2010 sanken die Niveaus niedriger Realeinkommen, während es bei den Besserverdienern ein Plus gab. Ein ähnliches Bild zeigt sich laut Analyse seit 2005, wobei es im untersten Zehntel ein minimales Plus gab.

Das Bruttomedianeinkommen der Männer betrug in Niederösterreich im Vorjahr 2.372 Euro. Das war ein nominelles Plus von 1,5 Prozent gegenüber 2014. Im Bundesländervergleich bedeutet das den vorletzten Platz, bei den Frauen den siebenten Rang. Deren Bruttomedianeinkommen lag bei 1.581 Euro (plus 2,2 Prozent) und damit ein Drittel unter dem Wert der Männer. Hier wirkte sich vor allem die hohe Teilzeitquote bei weiblichen Beschäftigten aus.

Zudem sei der Unterschied auf die Arbeit in typischen Frauenberufen (etwa im Gesundheits- und Sozialwesen, Handel oder in der Gastronomie) sowie auf „ungleichen Lohn für gleiche Arbeit“ - also unterschiedliche Entlohnung aufgrund des Geschlechts - zurückzuführen, so Wieser. Zur Angleichung der Gehälter von Männern und Frauen brauche es u.a. bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie verstärkte Weiterbildung und ausreichend Angebote an Vollzeit-Arbeitsplätzen, erklärte der AKNÖ-Präsident.

Im Bundesländervergleich liegt Niederösterreich an fünfter Stelle, Spitzenreiter ist Vorarlberg mit 2.240 Euro vor Oberösterreich (2.207) und Wien (2.174 Euro). Das Schlusslicht bildet das Burgenland mit 1.776 Euro. Innerhalb Niederösterreichs hat das Mostviertel das höchste Einkommensniveau, gefolgt von Industrieviertel, Zentralraum und Waldviertel. Den niedrigsten Wert weist das Weinviertel auf. Nach Bezirken führt weiterhin Amstetten mit einem Brutto-Medianeinkommen von 2.261 Euro, das niedrigste Niveau gibt es in Krems-Land mit 1.554 Euro.

Es brauche deutliche Bruttoreallohnsteigerungen, so Wieser, der erneut forderte: „Es darf keinen kollektivvertraglichen Mindestlohn unter 1.700 Euro geben.“ Zudem sprach er sich für Maßnahmen gegen die kalte Progression aus.

Basis der AKNÖ-Analyse sind Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger zu 582.175 in Niederösterreich beschäftigten Arbeitnehmern. Nicht einbezogen sind geringfügig Beschäftigte, Lehrlinge und Beamte.


Kommentieren