Die Sioux und ihr Kampf gegen die große, schwarze Schlange

Zigtausende US-Bürger kämpfen Seite an Seite mit den Sioux gegen eine unterirdische Ölpipeline durch das Land der Ureinwohner. Jetzt soll das Protestcamp geräumt werden, der Konflikt liegt noch auf Eis.

Seit September dieses Jahres pilgern vor allem an Wochenenden Tausende Amerikaner zu den friedlichen Widerstandsgebeten der Sioux-Indianer.
© Reuters

Von Beate Troger

Bismarck –Die Sioux, der Cannon Ball River, die Backwater Bridge. Das ist der Stoff, aus dem gute, alte Indianergeschichten gestrickt sind. Dort, wo einst der legendäre Sioux-Häuptling Sitting Bull sein Land verteidigt hat, kämpfen jetzt dessen Nachfahren gegen den übermächtigen Feind. Der große Unterschied: Den ausdauernden Protesten der Ureinwohner des Standing Rock Reservats im US-Bundesstaat North Dakota gegen eine unterirdische Öl-Pipeline durch das Sioux-Land haben sich Zigtausende US-Bürger angeschlossen. Bis zu 40.000 Vertreter von Umweltschutzorganisationen, Aktivisten, Studenten, Veteranen, Pensionisten und Politiker der Demokraten pilgern an Spitzentagen zum Reservat, um den Widerstand der Indianer zu unterstützen. Weltweit bekundeten mehrere hunderttausend Menschen über Facebook und Twitter Solidarität.

Zum Kampfgeist der Ureinwohner mischt sich mystischer Pessimismus: Denn eine alte Indianerprophezeiung besagt: „Wenn die große, schwarze Schlange kommt, wird unser Land untergehen“, wie Standing-Rock-Häuptling Dave Archambault II. erklärt. Und welches Bild würde seiner Ansicht nach besser zu einer Ölpipeline passen als jenes der großen, schwarzen Schlange?

Die Ureinwohner fürchten, dass ein Leck in der 1800 Kilometer langen Ölleitung, die den Missouri-Fluss untertunneln soll, die Trinkwasserressourcen von mehr als 200 Stämmen verschmutzt. Außerdem würden mehrere Friedhöfe und Hunderte archäologische Stätten zerstört werden. Nach dem systematischen Völkermord, so beklagt der Stammesführer, müssten die Ureinwohner seit Jahrhunderten ihr Land und ihre Rechte verteidigen.

Was seit April 2016 Hunderte Indianerstämme im Kampf vereint hat, ist zu einer der größten Umweltschutzbewegungen der vergangenen 30 Jahre in den USA angewachsen. Doch im Widerstands­camp sind die anfangs friedlichen Protestgebete eskaliert. Männer ketteten sich an Baumaschinen, eine private Sicherheitsfirma ließ Kampfhunde auf die Demonstranten los, die Polizei schritt mit Wasserwerfern und Pfefferspray ein. Zu den Höhepunkten der Proteste Anfang September und seit Mitte November wurden oft rund 300 Verletzte täglich gemeldet. Berichtet wird auch von Scharen an alkoholisierten „Indianer-Touristen“, welche die ruhigen Proteste stören. North Dakotas Gouverneur Jack Dalrymple, ein Republikaner, hat nun eingegriffen und lässt das Camp bis 5. Dezember räumen. Die Pipeline ist so gut wie fertig, nur auf einem knapp 40 Kilometer langen Teilstück rund um das Reservat ruht die Baustelle nach einer Anordnung der US-Regierung. Das Justiz- und Innenministerium ließen den Bau stoppen und selbst US-Präsident Barack Obama versuchte den Ölkonzern Energy Transfer Partner (ETP) zu überzeugen, eine alternative Route zu prüfen. Doch die Betreiber klagten und bekamen von einem Bundesgericht in Washington Recht. Ab Jänner 2017 wollen sie bis zu 500.000 Barrel (ein Barrel entspricht 149 Liter) Öl pro Tag aus dem kanadisch-amerikanischen Grenzgebiet in die Raffinerien Richtung Süden pumpen. Die Indianer hoffen wie in jeder Indianergeschichte auf ein Happy End – in Form einer Baustopp-Verordnung durch Obama. Denn der neue US-Präsident Donald Trump wird ihr Anliegen wohl nicht unterstützen: Trump selbst soll Hundertausende Dollar in ETP investiert haben, dessen Geschäftsführer Kelcy Warren spendete knapp 100.000 Dollar für Trumps Wahlkampf.

Reuters
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