Fehlerkette führte zu Luftangriff auf syrische Soldaten im September

Washington/Damaskus (APA/AFP) - Eine Reihe von Fehlern und Versäumnissen hat nach Angaben des Pentagons zu dem versehentlichen Luftangriff d...

Washington/Damaskus (APA/AFP) - Eine Reihe von Fehlern und Versäumnissen hat nach Angaben des Pentagons zu dem versehentlichen Luftangriff der Anti-IS-Koalition auf syrische Regierungstruppen im September geführt. Wie das US-Militärkommando Centcom am Dienstag erklärte, gab es „geheimdienstliche“ Versäumnisse, weshalb die syrischen Soldaten letztlich mit Jihadisten verwechselt und angegriffen wurden.

Bei dem Angriff nahe Deir Essor waren Aktivisten zufolge Mitte September etwa 90 Soldaten getötet worden. Wie das Pentagon zum Abschluss der Untersuchung des Vorfalls erklärte, begann die Kette der Fehler damit, dass ein Fahrzeug fälschlicherweise den Extremisten der Miliz „Islamischer Staat“ (IS) zugeordnet wurde. Die Regierungssoldaten hätten zudem weder Militärkleidung getragen noch seien sie durch sonstige Kennzeichen identifizierbar gewesen. Eine geheimdienstliche Einschätzung, dass es sich möglicherweise nicht um IS-Kämpfer handelte, sei dann übersehen worden.

Außerdem gab es schließlich Kommunikationsprobleme mit den Russen, die die Anti-IS-Koalition darauf hinwiesen, dass gerade syrische Truppen statt Extremisten Ziel der Luftangriffe seien. Ein Anruf erreichte zunächst nicht den gewohnten Militärvertreter, weshalb es zu einer fast halbstündigen Verzögerung kam, wie das Pentagon erklärte. Als die Kommunikation mit den Russen schließlich stand, sei der Angriff sofort abgebrochen worden.

An dem Einsatz waren damals außer US-Kampfjets auch australische, dänische und britische Flugzeuge beteiligt. Bombardiert wurden „Verteidigungspositionen“, Fahrzeuge, Zelte, Tunnel und Kämpfer, wie der an der Untersuchung beteiligte Brigadegeneral Richard Coe vor Journalisten sagte. Alle Ziele seien für Positionen des IS gehalten worden. Coe sprach von einem „unbeabsichtigten, bedauerlichen Fehler“.

Das Pentagon bestätigte abschließend 15 Tote, gestand aber ein, dass die Zahl womöglich deutlich höher liege. Konkrete Schuldzuweisungen nahm der Bericht nicht vor. Damaskus hatte die USA nach dem Angriff beschuldigt, diesen absichtlich ausgeführt zu haben. Die Militärkoalition bekämpft im Irak und in Syrien extremistische Gruppen, will in den syrischen Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und Aufständischen aber nicht verwickelt werden.


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