Zurück im Jagdrevier der Elche

Vor dem morgigen Speed-Auftakt in Val d’Isère melden sich Norwegens Ski-Stars zurück: Kjetil Jansrud gewann das Training, Aksel Lund Svindal kehrte zurück. Österreichs Matthias Mayer wurde starker Sechster.

Aksel Lund Svindal meldete sich nach seinem schweren Sturz in Kitzbühel mit Rang 13 im gestrigen Training zurück.
© Reuters/Christian Hartmann

Von Roman Stelzl

Val d'Isère — Das erste Herren-Abfahrtstraininfg der neuen Ski-Weltcup-Saison gehörte gestern den Rückkehrern. Es war der Tag der ewigen Stehaufmännchen und derjenigen, die von der gefürchteten Kitzbüheler Streif abgeworfen wurden und doch wieder hier im französischen Val d'Isère am Start standen. Allen voran: Aksel Lund Svindal.

Der 33-jährige Norweger hatte sich bei seinem Sturz in der Hahnenkammabfahrt im Jänner einen Kreuzbandriss zugezogen. Nun kehrte Svindal mit Rang 13 und nicht einmal einer Sekunde Rückstand nach zehn Monaten Abstinenz in den Weltcup zurück. Es war eine erste Kampfansage — und dass der 31-fache Weltcupsieger nach schweren Verletzungen stark zurückkehren kann, bewies er bereits nach dem Achillessehnenriss im Jahr 2015. Mit sieben (!) Saisonsiegen setzte er damals ein Ausrufezeichen Richtung Gesamtweltcup. Ob es heuer wieder zum Duell zwischen Hirscher und Svindal kommt, ist unwahrscheinlich. Aber nicht ausgeschlossen.

„Mich wundert es nicht, dass er wieder so stark zurück ist. Er hat die Routine und die Klasse, dass er gleich wieder ganz vorne mitfahren kann", meinte Österreichs Herren-Chef Andy Puelacher, der aber sogleich ergänzte: „Was aber noch viel mehr über diese Leistung zu stellen ist, ist jene von Matthias Mayer. Der ­Mothl hat eine ganz starke Vorstellung gezeigt."

Und damit war gleich der zweite große Rückkehrer des Tages gekürt. Der Abfahrts-Olympiasieger war fast ein Jahr lang verletzt, nachdem er sich bei einem bösen Sturz in Gröden (Südtirol) Brustwirbelbrüche zugezogen hatte. In seinem ersten Testlauf landete der 26-jährige Kärntner auf dem sechsten Rang.

„Mir geht es top. Ich habe keine Schmerzen und bin voll gesund. Es ist eine sehr aufregende Abfahrt, ein cooler Start. Es ist eine Strecke, die kaum einer kennt", sagte Mayer gegenüber dem ORF. Puelacher streute dem Rückkehrer Rosen: „Diese Fahrt zeigt seine Klasse."

Gleich dahinter kam Vincent Kriechmayr auf Rang sieben — es blieb das letzte Ausrufezeichen aus österreichischer Sicht. Hannes Reichelt hatte bei seinem Comeback nach seiner Bandscheibenoperation Pech mit der Nummer. „Hannes war der Testpilot", sagte Puelacher. Der Grund: Die Sprünge auf der Piste waren zu weit gegangen, bereits die Vorläufer hatten ihre Probleme. In der Folge musste ein Teil der Piste abgetragen werden. Der Start des Trainings wurde verschoben — Reichelt ging als Erster ins Ungewisse. „Es war für mich die Strategie, eine saubere Linie runterzufahren, aber nichts zu riskieren", meinte der 36-jährige Wahl-Innsbrucker, der so wie Svindal in Kitzbühel schwer gestürzt war.

Alle anderen Österreicher blieben zurück. Unter anderem auch Marcel Hirscher, der die Strecke als Test für den morgigen Super-G (12 Uhr) in Angriff genommen hatte. Am Ende waren es 6,57 Sekunden Rückstand und Rang 75.

An der Spitze deutete sich das an, was vergangene Weltcup-Saison bereits mit 19 Saisonsiegen laut wurde: die Klasse der Norweger. Der zuletzt in Sölden noch angeschlagene Kjetil Jansrud gewann — der Jungstar aus dem Elch-Team, Aleksander ­Aamodt Kilde, wurde Dritter. Elf der 19 Speed-Rennen der Vorsaison gingen an die Nordeuropäer — am Beaver-Creek-Ersatzwochenende (Abfahrt am Samstag, Riesentorlauf am Sonntag) wird sich zeigen, ob diese Dominanz auch fortgesetzt wird.

Wer da was dagegen hat? Natürlich die Österreicher. „Wir wollen gewinnen und auf das Podest fahren", gibt Puelacher die klare Linie vor. Die Abfahrtsprobleme der Vorsaison sollen der Vergangenheit angehören. Von Krise will keiner mehr was hören. Ein Abfahrtssieg wäre wie Balsam. Und wie, wartet Österreichs Team doch bereits 635 Tage darauf.


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