Romney könnte trotz scharfer Trump-Kritik US-Außenminister werden

Washington (APA/AFP) - In Wahlkampf hatte Mitt Romney den Immobilienmogul als „Hochstapler“ und „Betrüger“ gebrandmarkt. Und Donald Trump sc...

Washington (APA/AFP) - In Wahlkampf hatte Mitt Romney den Immobilienmogul als „Hochstapler“ und „Betrüger“ gebrandmarkt. Und Donald Trump schmähte den Ex-Gouverneur, der vor vier Jahren Barack Obama unterlag, als einen der bisher „dümmsten und schlimmsten“ Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Doch nun haben die beiden offenbar das Kriegsbeil begraben und könnten zu Regierungspartnern werden: Ein gemeinsames Dinner in einem New Yorker Nobel-Restaurant ist nun der bisher deutlichste Hinweis darauf, dass Romney US-Außenminister werden könnte.

Nachdem Trump in den vergangenen Tagen mehrere ultrakonservative Hardliner für sein Regierungsteam benannt hatte, wäre Romneys Nominierung dazu geeignet, die aufgewühlten Gemüter der Trump-Kritiker im In- und Ausland zumindest etwas zu beruhigen. Denn der frühere Gouverneur von Massachusetts und ehemalige Investmentbanker ist ein Pragmatiker und Moderater, der sich in der Komplexität der internationalen Beziehungen und Krisenherde auskennt.

Nicht zuletzt wegen seiner besonnenen und pragmatischen Natur dürften viele Hoffnungen der Trump-Skeptiker und -Gegner auf ihm ruhen. Während der designierte Präsident als „instabil und potenziell sprunghaft“ wahrgenommen werde, verkörpere Romney die „ruhige, stete Hand“, schrieb unlängst die „Washington-Post“-Kolumnistin Kathleen Parker.

Aber nicht nur ihr Naturell unterscheidet beide: Bei einer Reihe außenpolitischer Themen vertritt der 69-Jährige andere Positionen, als sie Trump während des Wahlkampfs propagiert hat. So hat Romney etwa Russland als „geopolitischen Feind Nummer eins“ der USA bezeichnet. Trump hingegen hat sich anerkennend über Führungsqualitäten des russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert und eine Annäherung an Moskau in Aussicht gestellt. Romney ist auch ein dezidierter Befürworter des Freihandels. Trump hat sich hingegen als harter Kritiker von Freihandelsverträgen profiliert und will direkt nach Amtsantritt das geplante TPP-Abkommen mit den Pazifik-Staaten stoppen.

Wie groß Romneys Einfluss letztlich auf den außenpolitischen Kurs wäre, ist angesichts solcher Gegensätze höchst ungewiss. Möglicherweise würde er als Chefdiplomat größere Abstriche von seinen bisherigen Positionen machen müssen. Dass er die entsprechende Geschmeidigkeit besitzt, demonstriert Romney nicht nur durch seine Annäherung an den Mann, den er noch vor kurzem als Gefahr für eine „sichere und blühende Zukunft“ gegeißelt hat. Auch schon früher hat sich Romney durch brüske Positionswechsel den Ruf des Wendehalses eingehandelt.

So vertrat Romney früher etwa zur Abtreibung oder Homo-Ehe eher liberale Ansichten, bevor er später bei diesen Themen auf einen konservativen Kurs umschwenkte. Und als Gouverneur führte er in Massachusetts ein Gesundheitssystem ein, das der später von Obama landesweit durchgesetzten Reform stark ähnelt - dennoch verteufelte Romney als Präsidentschaftskandidat „Obamacare“.

Als Manager wie Gouverneur hat Romney allerdings auch immer wieder seine Macherqualitäten unter Beweis gestellt, die offensichtlich nun auch Trump beeindrucken. Der Sohn eines früheren Gouverneurs von Michigan und Absolvent der Elite-Schmiede Harvard machte sein Millionenvermögen mit der Investmentfirma Bain Capital, die unter anderem angeschlagene Unternehmen kauft und saniert, dabei allerdings auch nicht vor Entlassungen zurückschreckt.

Romney brachte auch die kriselnde Organisation der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City auf Vordermann, bevor er 2002 zum Gouverneur von Massachusetts gewählt wurde. Den Neuengland-Staat regierte er vier Jahre lang. 2008 scheiterte er dann mit einem ersten Anlauf auf das Weiße Haus. In den Vorwahlen der Republikaner unterlag er gegen John McCain. Vier Jahre später wurde er dann Präsidentschaftskandidat und verlor nur knapp gegen Amtsinhaber Obama.

Seither hielt sich der Mormone und verheiratete Vater von fünf Söhnen weitgehend aus der Politik heraus - umso bemerkenswerter wäre nun sein Comeback. Nach dem Dinner mit Trump am Dienstagabend war Romney jedenfalls plötzlich voll des Lobes: Er habe „zunehmende Hoffnung“, dass Trump „genau der Mann ist, der uns in eine bessere Zukunft führen kann“. Es hörte sich so an, als würde er Trump dabei gern zur Hand gehen wollen.


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