EU-Energiepaket: Canete spricht von „Revolution“

Brüssel (APA) - Die EU-Kommission will mit einem umfassenden Paket „saubere Energie für alle Europäer“ schaffen. EU-Energiekommissar Miguel ...

Brüssel (APA) - Die EU-Kommission will mit einem umfassenden Paket „saubere Energie für alle Europäer“ schaffen. EU-Energiekommissar Miguel Arias Canete sprach am Mittwoch von einer „Revolution“. Die Energieeffizienz soll bis 2030 auf 30 Prozent steigen, der Anteil Erneuerbarer Energien am Verbrauch 27 Prozent betragen.

Der Vizepräsident der EU-Kommission Maros Sefcovic sagte, Europa habe in den vergangenen Jahren die globale Klimapolitik angeführt und werde auch jetzt durch die Schaffung der Voraussetzungen für nachhaltige Arbeitsplätze, Wachstum und Investitionen mit gutem Beispiel vorangehen. Die Vorschläge betreffen alle Branchen zu sauberer Energie - Forschung und Innovation, Qualifikation, Gebäude, Industrie, Verkehr, digitale Wirtschaft und Finanzen.

Saubere Energien konnten 2015 globale Investitionen von mehr als 300 Mrd. Euro anziehen. Die EU will durch die Mobilisierung von bis zu 177 Mrd. Euro an öffentlichen und privaten Investitionen einen BIP-Anstieg von bis zu einem Prozent im kommenden Jahrzehnt erreichen und mehr als 900.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Die Kommission verweist darauf, dass Erneuerbare Energien im Vorjahr die Kohle als Hauptenergiequelle für die Stromerzeugung überholt haben. 2030 würden 50 Prozent des Stroms in der EU aus Erneuerbaren Energien gewonnen und bis 2050 sollte Strom vollkommen CO2-emissionsfrei erzeugt werden. Die EU habe mit ihrer Verpflichtung, die Emissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, eine führende Rolle angenommen. Es sei gelungen, aus Solarenergie- und Onshore-Windanlagen aus früheren Nischentechnologien zentrale Faktoren des europäischen Stromsektors zu machen.

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Im Erneuerbare-Energien-Sektor seien mehr als eine Million Menschen beschäftigt. In der EU habe sich die Beschäftigung allein im Windenergiebereich von 2005 bis 2013 verfünffacht - auf zuletzt 320.000 Arbeitnehmer 2014. In den vergangenen Jahren entfielen mehr als 85 Prozent der Investitionen im Bereich der Erzeugung auf Investitionen in Anlagen, die auf erneuerbaren Energien basieren.

Im Verkehrssektor werde derzeit die verwendete Energie zu fast 94 Prozent durch Erdöl gedeckt. Mit dem nun vorgelegten Energie-Winterpaket werde der Einsatz emissionsarmer und erneuerbarer Energien beschleunigt - diese Kraftstoffe müssen gegenüber den fossilen Kraftstoffalternativen mindestens 70 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen.

Bei der Solartechnologie wiederum sind laut Kommission die Kosten von 2009 bis 2015 um 80 Prozent gesunken, bei der Windtechnologie um fast 40 Prozent. Dies ermögliche es den Verbrauchern, Energie aus erneuerbaren Quellen zunehmend selbst zu erzeugen. Die Verbraucher würden nun umfassendere Rechte erhalten. Sie können ihren eigenen Strom erzeugen und Überschüsse ins Netz einspeisen, sie können sich selbst in Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften organisieren und sie können den Bezug von einem Fernwärmesystem einstellen, wenn es ihnen gelingt, einen deutlich besseren Wirkungsgrad selbst zu erzielen.

Mit dem Einsatz erneuerbarer Energien haben sich 2014 die Importe von fossilen Brennstoffen um 20 Mrd. Euro verringert. Bis 2030 könnte es jährliche weitere Einsparungen von 60 Mrd. Euro geben.

Die Kommission verweist darauf, dass die Renovierungsrate von Häusern für energiesparende Dämmungen derzeit nur rund ein Prozent jährlich betrage. Dies, obwohl auf den Gebäudesektor 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Europa entfallen. Die Renovierung müsse beschleunigt werden, das Volumen für KMU betrage hier 80 bis 120 Mrd. Euro bis 2030.

Schließlich soll mit dem Energie-Paket der Energiearmut entgegengetreten werden. 2014 entfielen rund neun Prozent der Gesamtausgaben der Haushalte mit den niedrigsten Einkommen in der EU auf Energie. Das Paket enthält ein Konzept für die Unterstützung schutzbedürftiger Verbraucher, indem die Staaten aufgefordert werden, der Energiearmut dadurch Rechnung zu tragen, dass sie einen Teil der Energieeffizienzmaßnahmen vorrangig in von Energiearmut betroffenen Haushalten oder in Sozialwohnungen stecken.


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