Vom Auffangnetz zum Trampolin

Seit 15 Jahren kümmert sich ein Caritas-Schulprojekt um Aids-Waisenkinder in Burkina Faso.

© Caritas

Kaya –Kaya, eine Provinzstadt im Norden von Burkina Faso. Wenn die Ampel rot wird, dann haben sie ihren Einsatz: die Kinder, die an den Straßenkreuzungen von Kaya zwischen den stehenden Autos Taschentücher oder Telefonwertkarten verkaufen. Sie sind gezwungen, zu arbeiten oder zu betteln. Viele von ihnen sind Waisen. Zumindest ein Elternteil ist an den Folgen von Aids gestorben. In Burkina Faso wachsen laut Schätzungen von UNAIDS, einer Unterorganisation der Vereinten Nationen, 71.000 Kinder als Waisen auf. Sie leben im günstigsten Fall bei Verwandten oder einer Familie im Dorf, im schlechtesten auf der Straße. Ihr Leben dreht sich ums Überleben. In die Schule zu gehen, um zu lernen und später einen Beruf ausüben zu können, ist für die wenigsten möglich.

Père Isidore, damals Caritas-Direktor in Kaya, fand die Situation dieser Kinder alarmierend. Vor genau 15 Jahren startete deshalb mit finanzieller Unterstützung der Caritas Tirol das Hilfsprojekt „Schulgeld für Aidswaisen“. Über dieses Projekt haben bis heute insgesamt 2891 Mädchen und 2548 Buben schreiben und lesen gelernt. Verena Egger, bis vor Kurzem Projektreferentin der Caritas Tirol, war von Anfang an dabei. „Ich habe viele Kinder besucht, die so die Basis bekommen haben, einen Beruf zu erlernen.“

An einen Buben erinnert sie sich besonders gern: Mohamad Ouedraogo. Der Neunjährige war eines von sieben Kindern. Die Familie (über-)lebte vom Verkauf kleiner Kuchen, so genannter Galettes, die die Mutter backte und an Passanten verkaufte. Durch die Unterstützung der Caritas war Mohamad der Erste in der Familie, der eine Schule besuchen konnte. Stolz zeigte er der Caritas-Mitarbeiterin seine Hefte. Er musste sich sehr anstrengen. Daheim war niemand, der ihm bei den Hausaufgaben helfen konnte. Aber Bertrand, einer der freiwilligen Caritas-Mitarbeiter, kam einmal in der Woche vorbei.

„Das Besondere an diesem Hilfsprojekt ist, dass es ausschließlich von ehrenamtlichen Caritas-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen wird. Sie wohnen in den Dörfern und wissen am besten, welche Kinder und Familien am dringendsten Hilfe brauchen. Schnell und unkompliziert organisieren sie das, was gerade benötigt wird. Sie kaufen Hefte und Stifte, aber auch einmal einen Sack Hirse“, weiß Verena Egger. „Bei meinem letzten Besuch haben sich die 120 Freiwilligen gerade zu einem ihrer halbjährigen Treffen versammelt. Dort passiert Austausch, und es wird an einer ständigen Weiterentwicklung und Verbesserung des Projekts gearbeitet.“

„Die Ehrenamtlichen haben die individuelle Situation ihrer Kinder genau im Blick. Das engmaschige Netz, das so in Zusammenarbeit mit Familie, Schulleitung und Sozialamt geknüpft wird, ist wie ein Trampolin. Wenn Kinder wie Mohamad den Sprung schaffen, dann machen auch wir einen Luftsprung. Denn dann ist nicht nur ihm geholfen. Bildung ist die Entwicklungsgrundlage für jedes Land, besonders für Burkina Faso, wo nur 38 Prozent aller Erwachsenen lesen und ­schreiben können.“ (TT)


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