Rebellen fordern humanitären Korridor für Zivilisten in Aleppo

Paris/Aleppo/Moskau (APA/AFP/Reuters) - Ein Rebellen-Anführer aus der belagerten syrischen Stadt Aleppo hat einen humanitären Korridor zur B...

Paris/Aleppo/Moskau (APA/AFP/Reuters) - Ein Rebellen-Anführer aus der belagerten syrischen Stadt Aleppo hat einen humanitären Korridor zur Befreiung der Zivilisten gefordert. Der Ratspräsident des von Rebellen gehaltenen Ost-Aleppo, Brita Hagi Hassan, sagte nach einem Treffen mit dem französischen Außenminister Jean-Marc Ayrault in Paris, rund 250.000 Menschen drohe der Tod.

Syrische Regierungstruppen versuchen derzeit, den Osten der Stadt zurückzuerobern. Die internationale Gemeinschaft müsse einen „sicheren Korridor einrichten“, um den Zivilisten den Abzug zu erlauben, sagte Hassan weiter. In den bereits von den Regierungstruppen eroberten Vierteln gebe es Massenexekutionen. „Das Regime verfolgt eine Politik der verbrannten Erde, um Aleppo zu massakrieren und anschließend zu besetzen“, betonte Hassan. Wegen der Kämpfe sind laut Aktivisten Zehntausende Menschen auf der Flucht.

Ein Beamter des russischen Verteidigungsministeriums erklärte unterdessen in Moskau, sein Land sei bereit, Hilfsorganisationen einen sicheren Zugang zu den von den Rebellen „befreiten“ Vierteln Aleppos zu gewähren. Die Castello-Straße sei völlig frei von Rebellen, erklärte Sergej Rudskoi, damit sei der Weg nun frei für Hilfslieferungen. Allerdings habe Russland bisher keine Anfrage von den Vereinten Nationen oder anderen Organisationen erhalten, fügte er hinzu.

Moskau selbst habe bereits seit 44 Tagen keine Ziele mehr innerhalb Aleppos bombardiert. Russland unterstützt die Truppen von Syriens Machthaber Bashar al-Assad. Laut offiziellen Angaben ist das vorrangige Ziel der Kampf gegen die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“. Westliche Staaten werfen Moskau jedoch vor, auch Ziele gemäßigter Assad-Gegner zu bombardieren.

Die syrische Armee bremste am Mittwoch vorübergehend ihren Vormarsch in der umkämpften einstigen Wirtschaftsmetropole. Der weitere Vormarsch verzögere sich, weil „die Terroristen versuchen, sich hinter den Zivilisten zu verstecken“, erklärte ein Regierungsvertreter. Mit Terroristen werden im offiziellen Sprachgebrauch alle Regierungsgegner bezeichnet.

Am Nachmittag teilte die syrische Armee dann zwar mit, sie habe das Sheikh-Said-Viertel im Süden Aleppos eingenommen. Dies wurde von den Rebellen jedoch umgehend zurückgewiesen, es gebe weiterhin Kämpfe um das Viertel.

Die Armee hat in den vergangenen Tagen etwa die Hälfte des von Rebellen und Extremisten kontrollierten Gebietes zurückerobert. Ungeachtet dieser Verluste und zahlreicher Opfer kündigten Rebellenvertreter an, dass sie den Kampf fortsetzen wollten. „Ein Rückzug wird von den Gruppierungen abgelehnt“, sagte der Anführer einer in Aleppo ansässigen Rebellengruppe der Nachrichtenagentur Reuters.


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