Finanzminister bestellt: Unter Trump regiert die Wallstreet mit

Donald Trump holt sich milliardenschwere Hedgefonds-Manager in sein Kabinett. Sie bestimmen ab Jänner die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Vereinigten Staaten.

US-Präsident Donald Trump.
© Reuters

Washington – Donald Trump hat mit den Finanzjongleuren Steven Mnuchin und Wilbur Ross seinem Kabinett weitere wichtige Namen hinzugefügt. Mnuchin, ein ehemaliger Investmentbanker von Goldman Sachs und Wall-Street-Insider, wird Finanzminister. Ross, Milliardär und ebenfalls ein früherer Investmentbanker, wird Wirtschaftsminister. Das bestätigte Trumps Team am Mittwoch. Beide waren seit längerer Zeit für die Posten gehandelt worden.

„Niemand versteht mehr von Steuern, mehr von Handelspolitik, mehr darüber, wie unfair amerikanische Arbeiter behandelt wurden in den vergangenen Jahren“, rechtfertigte ein Trump-Sprecher am Mittwoch die Berufung. Es handele sich um Männer, die bereits gezeigt hätten, dass sie Unternehmen retten und Arbeitsplätze sichern können.

„Goverment Sachs“ und Vertreter eines „manipulierten Systems“

Er werde „den Sumpf trockenlegen“ und die Mauscheleien zwischen Finanzelite und Politik beenden, hatte Trump angekündigt. Im Wahlkampf zählte die Finanzelite zu Trumps Lieblingsfeinden - nun macht der künftige US-Präsident ausgerechnet einen Finanzinvestor und Ex-Mitarbeiter der Investmentbank Goldman Sachs zum Finanzminister - einer der Schlüsselpositionen in der künftigen Kabinettsriege. Vor dem Hintergrund seines Wahlkampfgetöses wirkt Trumps Personalauswahl grotesk. Mit Mnuchin werden die Finanzen der größten Volkswirtschaft der Welt einem Mann anvertraut, der bislang als Hedgefonds-Manager, Hollywood-Filmfinanzier und Investmentbanker von sich reden machte. Regierungserfahrung hat er wie Trump keine. Mnuchin war besonders in die Kritik geraten, als er die Häuser von mehr als 35.000 Darlehensnehmern in der Finanzkrise versteigern ließ.

Finanzjongleur und designierter Finanzminister der USA, Steven Mnuchin.
© Reuters

Besonders pikant ist Mnuchins Vorgeschichte als Mitarbeiter des Finanzinvestors George Soros und des Investmenthauses Goldman Sachs. Trump hatte die US-Bank, die wegen ihrer engen Drähte in die Politik auch „Government Sachs“ genannt wird, zuvor heftig aufs Korn genommen. In einem Wahlwerbespot hatte Trump Goldman und Soros - ein großzügiger Parteispender für die gegnerischen Demokraten - symbolhaft als Inbegriff eines „manipulierten Systems“ attackiert, einer, wie Trump meinte, Vetternwirtschaft zwischen Wall Street und Washingtoner Politikbetrieb, das „unsere Arbeiterklasse ausgeraubt habe“.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

Je nach Sichtweise „abschlachten“ oder „aufpäppeln“

Als Wall-Street-Insider ist Mnuchin, der bereits als Finanzchef der Trump-Kampagne agierte, allerdings kein Einzelfall in der neuen Regierung Trump. Der Milliardär und Investor Wilbur Ross wird Wirtschaftsminister werden. Der Private-Equity-Spezialist zählt ebenfalls zur Finanzelite und hat mit seinen Deals ein Milliardenvermögen angehäuft. Sein Geschäftsmodell ist je nach Deutung das Ausschlachten oder Aufpäppeln kriselnder Firmen. Es gibt allerdings auch Fürsprecher, die dem 79-Jährigen zugutehalten, sich in der Krise für die Stahlindustrie eingesetzt zu haben. Deren gebeutelte Arbeiter hatte Trump im Wahlkampf besonders umworben.

Der Milliardär und Investor Wilbur Ross wird Wirtschaftsminister werden.
© Reuters

Am Mittwoch kündigte er an, dass die Steuerpolitik zu den wichtigsten Vorhaben der Regierung Trump gehöre. Außerdem liege der Fokus auf der Deregulierung der Wall Street. Er wolle sicherstellen, dass die Banken wieder in der Lage seien, kleine und mittelständische Betriebe mit Krediten auszustatten. Kritiker befürchten, dass sich die beiden weltweit größten Finanzzentren London und New York künftig von allen nach der Finanzkrise angelegten Zügeln befreien und eine neue gefährliche Gier der Finanzindustrie einsetzt.

„Showman und Aufschneider ohne Tiefgang“

Offen ist weiter Trumps Entscheidung für das wichtige Amt des Außenministers. Er hatte am Dienstagabend in einem New Yorker Restaurant mit Mitt Romney zusammen gesessen. Anschließend war Romney, der 2012 erfolglos gegen Barack Obama für das Weiße Haus kandidiert hatte, voll des Lobes für Trump. Er habe mit ihm wichtige Entwicklungen in aller Welt diskutiert und sei beeindruckt von den Fortschritten, die Trumps Vorbereitungen für die Regierungsbildung gemacht hätten.

Im Wahlkampf hatte Romney den künftigen Präsidenten noch als Showman und Aufschneider ohne Tiefgang bezeichnet, der das Wahlvolk mit leeren Versprechungen an der Nase herumführe. Weitere Kandidaten für das Amt des Außenministers bleiben aber der frühere New Yorker Bürgermeister Rudy Guiliani, Senator Bob Corker und und der ehemalige Armee-General und CIA-Chef David Petraeus.

Eine Entscheidung wird jedoch noch dauern. Ein Sprecher von Trumps Transformationsteam erklärte am Mittwoch, es werde in dieser Woche keine weiteren Personalentscheidungen geben. Für den Posten des Außenministers kämen derzeit noch vier Personen infrage. (dpa, TT.com)


Kommentieren


Schlagworte