TVB Pitztal hadert mit dem Bettenschwund im Vordertal

Arzl verlor binnen 15 Jahren ein Drittel seiner Betten, Wenns ein Viertel. Hoffnungen werden auch in das Regionalwirtschaftsprogramm gesetzt.

© Paschinger

Von Alexander Paschinger

Arzl i. P. –Dem Winter mit einem Minus von 2,2 Prozent folgte im Pitztal ein Sommer, der wieder die Sonne aufgehen ließ: „Das war der zweitstärkste Sommer nach 2007“, freute sich TVB-Obmann Rainer Schultes. Das Plus durch die 405.793 Nächtigungen lag bei 6,85 Prozent. Damit liegt man tirolweit im Mittelfeld. Im Tourismus-Gesamtjahr wurden 1,028.051 Nächtigungen registriert (+1,18 Prozent). Mit Stolz zeigte Schultes die Folie mit den Ankünften. Denn mit einem Plus von 16,4 Prozent führt man diese Statistik im Land an.

Die Zahlen dürften jedoch nicht über andere Entwicklungen hinwegtäuschen, meinte der Obmann. Denn während sich St. Leonhard über das beste Ergebnis freut, hat „Arzl leider das schlechteste der letzten Jahrzehnte“. Und die Ankünfte seien zwar top, aber die Gäste würden leider kürzer bleiben. Damit einher ging ein Bettenabbau, der in den vergangenen 15 Jahren 33 Prozent ausmachte. Auch in Wenns (-25 Prozent) und Jerzens (-1 Prozent) ging die Zahl der Gästebetten seit 2002 zurück. „Bei dieser Entwicklung verstehe ich die Gegner in Wenns nicht“, meinte Schultes zum Widerstand der Bürgerinitiative gegen das geplante Chaletdorf.

Große Hoffnungen setzt die TVB-Spitze in die Regionalentwicklung. Wie berichtet, verabschiedete der Landtag auf Antrag von VP-Klubobmann Jakob Wolf dieses Programm. Am Montag gab es eine erste Sitzung unter der Führung des Regionalmanagements Imst mit Sitz in Roppen. Ab Jänner soll es losgehen, bis Mai sollten die Ergebnisse bezüglich der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken sowie erste Leitprojekte in der Region präsentiert werden. „Im Jänner 2018 können wir dann die ersten Projekte in Angriff nehmen“, so Schultes. Denn „der Tourismus hat im Pitztal 30 Jahre später begonnen“. Die Politik habe mit dem Beschluss für das Programm „erkannt, dass wir die Hilfe brauchen“.

Eine Hilfestellung zum Verstehen des Gastes der Zukunft leistete dann der gebürtige Tiroler Zukunftsforscher Andreas Reiter. Er skizzierte einen Gast von morgen in einer Welt der Umbrüche, dem der Touristiker schlichtweg das Urlaubsglück bieten müsse. Das geschehe in einem Umfeld, in dem „Zeit zu einer heimlichen Leitwährung“ wird. Freizeit und Arbeit würden in einer neuen Generation verschwimmen, ein Urlaub sei „ein Paradies auf Zeit“. Es gelte in möglichst kurzer Spanne möglichst viele Emotionen zu sammeln. In diesem Zusammenhang würden Tourismusanbieter zu regelrechten Dealern, die Erinnerungen bei den Gästen stiften.

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