Das Salzburger Winterfest startete mit wilden Kerlen aus Kanada

Salzburg (APA) - So laut und wild war es beim Salzburger Winterfest bisher noch nie: Durch die Luft wirbelnde Männer, fliegende Baumstämme, ...

Salzburg (APA) - So laut und wild war es beim Salzburger Winterfest bisher noch nie: Durch die Luft wirbelnde Männer, fliegende Baumstämme, Jonglage mit Äxten, Kartoffeln und Zwiebeln und viel Gesang sind das Markenzeichen des kanadischen „Cirque Alfonse“, der mit „Timber!“ am Mittwochabend beim Salzburger Winterfest Premiere hatte. Das Publikum war begeistert von dem Kraftakt.

Eine Holzfällerfamilie, eine Zirkusausbildung und ein Geburtstagsgeschenk: Das sind die Ingredienzien, aus denen der „Cirque Alfonse“ vor zehn Jahren entstanden ist. Die Kinder, die an der Zirkusschule in Montreal und Quebec gelernt hatten, suchten zum 60. Geburtstag von Vater Alain ein ungewöhnliches Präsent. Also entwarfen sie in der elterlichen Holzscheune ein Stück, das vom Feierabend einer Holzfällertruppe erzählt. Und weil es der Lebenstraum von Alain war, selbst einmal auf der Bühne zu stehen, erhielt der Jubilar gleich auch noch eine Hauptrolle zugeteilt. „Timber!“ ist dem kleinen familiären Aufführungskreis längst entwachsen, der „Cirque Alfonse“ tourt mit dem Stück – inklusive dem mittlerweile knapp 70-jährigen Alain und den beiden zwei- und fünfjährigen Enkelsöhnen – um die Welt. Seinen Bühnenabschied will Alain übrigens in fünf Wochen in Salzburg feiern. Schade eigentlich.

Alain ist der Spaßmacher in der wilden Show. Er kocht, putzt, singt, ärgert sich über die dauernden Störungen bei seinen Sitzungen am Plumpsklo und stellt so manche waghalsige Akrobatik seiner jüngeren Komparsen im Miniaturformat nach. Und er schießt im karierten Holzfällerhemd wie eine wirbelnde Marionette am Gummiseil durch die Luft. Momente, in denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt, weil Bilder von hilflosen Alten durch den Kopf schießen.

Aber zurück zum Anfang. Die wilden, muskelbepackten Holzfäller und Holzfällerinnen in ihren verschwitzten Unterhemden haben es recht lustig nach der Arbeit. Sie musizieren, tanzen und machen Späße. Die Kartoffel und Zwiebeln werden im Flug gehackt und im Topf aufgefangen, die Krautköpfe werden für die Suppe nicht fein geschnitten, sondern zerplatzen wie Wasserbomben auf der Tischplatte. Und während das Abendessen so vor sich hin köchelt, vertreiben sich die bärtigen Gesellen und ihre Freundinnen die Zeit bei ein bisschen Körperarbeit.

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Kraft haben sie, diese Kanadier: Sie spielen mit einer Leichtigkeit Ball mit dicken Baumstämmen, als ob sie Luftballons wären. Sie scheuen kein Risiko: Männer und Frauen jonglieren mit blitzenden Äxten , springen durch Kreise aus gezackten Sägeblättern oder machen in beachtlicher Höhe Salti und Schrauben auf dünnen Baumstämmen. Dazwischen wird gesungen und getanzt – Hauptsache schnell und laut. Nach eineinhalb Stunden energiegeladenem Spiel ist die Suppe fertig, die Truppe setzt sich zum Abendessen an den großen Tisch: „Bon Appetit!“ und Schluss.

Das Publikum dankte mit langem Applaus - obwohl die poetischen Momente, die sonst so typisch für die Aufführungen beim Winterfest sind, rar waren. Aber Stille erleben die Holzfäller in der Weite der kanadischen Wälder wohl in so einem Übermaß, dass sie es am Feierabend lieber laut und wild haben.

(S E R V I C E: Cirque Alfonse mit „Timber!“ wird noch bis 8. Jänner beim Winterfest 2016 im Zirkuszelt im Salzburger Volksgarten gespielt. Die nächste Premiere ist am 7. Dezember „A Simple Space“ von Gravity & Other Myths. Das gesamte Programm gibt es unter www.winterfest.at)


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