„Hatten nie Geld, aber immer eine Baustelle“

Karl Kapferer war 35 Jahre im Gemeinderat, 29 davon als Bürgermeister. Heute wird er Ehrenbürger von St. Sigmund.

Karl Kapferer wird heute zum Ehrenbürger von St. Sigmund.
© Schwarz

Von Denise Daum

St. Sigmund –Eine Mordsfreud hat er, der Karl Kapferer. „Ehrenbürger wird ja nicht jeder“, lächelt der Altbürgermeister von St. Sigmund fast ein bisserl verlegen. Diese Auszeichnung wird dem 65-Jährigen heute zuteil. Er war 35 Jahre im Gemeinderat, 29 davon als Bürgermeister. Vergangenes Jahr übernahm Anton Schiffmann, langjähriger Amtsleiter, die Gemeinde.

Kapferer war der erste Dorfchef aus dem Weiler Praxmar. Unter ihm wurden unter anderem das Gemeindehaus, der Recyclinghof und der Gemeindesaal gebaut, der Sellrainer Höhenweg errichtet und die Wasserversorgung saniert. Das alles ist natürlich nicht der alleinige Verdienst von Kapferer. Immerhin braucht ein Bürgermeister auch den Gemeinderat. Der war sich in der schwarzen Hochburg, wo 78 Prozent die ÖVP-Liste wählten, meist einig.

Am Steuer des ersten Pistengeräts grinste der damalige Bürgermeister Karl Kapferer wie ein Honigkuchenpferd (1993).
© Gemeinde St. Sigmund

St. Sigmund hat zwar nur 175 Einwohner (bei der Amtsübernahme waren’s 166), aber die Weiler liegen weit verstreut – diese mit Infrastruktur zu versorgen, kostet. Hinzu kamen umfangreiche und kostspielige Wildbach- und Lawinenverbauungsprojekte, die sich über die vergangenen 30 Jahren zogen. „Wir hatten in der Gemeinde nie ein Geld, aber immer eine Baustelle“, bringt es Kapferer auf den Punkt, der auch Obmann der Lawinenkommission ist. Also hieß es, beim Land Tirol lästig sein. Und das war er offenbar auch, denn: „Zu mir haben sie im Landhaus gesagt: ,Wenn man dich vorne rausschmeißt, kommst du hinten wieder rein. So lange, bis du deine Zusage hast.‘“

Als Bürgermeister hat Kapferer auch fünf Landeshauptmänner „überlebt“. Wer ihm der liebste war? „Ich hab mit allen gut g’schaffen. Das meiste Geld haben wir vom Weingartner bekommen. Aber ich möchte da jetzt niemanden bevorzugen“, sagt Kapferer.


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