Verein hat der Einsamkeit den Kampf angesagt

„Zeit schenken“ machte im vergangenen Vereinsjahr 1700 Stunden zum Präsent. Ehrenamtlich wird gemeinsam mit Senioren viel Zeit verbracht.

© Nikolussi Hans

Reutte –„Keine Zeit!“ Lapidar dahingesagt, nicht selten im Zusammenleben in unseren Breiten. Umso begrüßenswerter die Initiative des Reuttener Vereins „Zeit schenken“, wo sich Menschen Zeit nehmen, um sie „bedürftigen“ Mitbürgern zu schenken. Auf freiwilliger und ehrenamtlicher Basis sind dort ein gutes Dutzend „ZeitschenkerInnen“ unterwegs, die einen Teil ihrer Freizeit in den Dienst der guten Sache stellen. Mit großem Erfolg, wie von den Vertretern der Altenheime und des Freiwilligenzentrums bei der Hauptversammlung des Vereins unisono bestätigt wurde.

„Wir haben gesamt 75 Mitglieder, davon sind 15 Mitgliederehrenamtliche Zeitschenkerinnen und Zeitschenker, die im letzten Jahr 1700 Stundenden Seniorinnen und Senioren ihre Zeit geschenkt haben.“ Drei der neun Vorstandsmitglieder sind ebenfalls vor Ort im Einsatz. „Unser Verein hat 75 unterstützende Mitglieder, die uns mit einem Jahresbeitrag finanziell unterstützen“, wusste Obfrau Andrea Weirather zu berichten. Ein bisschen Zeit für ein Gespräch, ein gemeinsames Spiel, einen Spaziergang, einen Einkauf oder für einen gemeinsamen Veranstaltungsbesuch bringen die Mitglieder auf und helfen so, die Einsamkeit der Betroffenen etwas erträglicher zu machen. Froh über den Einsatz der Freiwilligen zeigten sich die Leiter der beiden Pflegeheime, die auf Grund der angespannten Personaldecke nicht in der Lage sind, alle Anforderungen in dieser Richtung optimal abzudecken. Aber auch außerhalb, sozusagen ganz im Verborgenen, werken die Reuttener Zeitschenker. Wenn zum Beispiel bei einem Krankenhausaufenthalt eine Katze unbeaufsichtigt zurückbleiben müsste, ist man schon eingesprungen und hat dem Tier für einige Wochen auch mit Zeitaufwand ein Zuhause gegeben. Ein Nachhilfeunterricht für ein Kind mit Migrationshintergrund gehörte ebenfalls dazu.

Als ihr „Lieblingskind“ im Reigen der Freiwilligenorganisationen bezeichnete Michaela Perktold vom Freiwilligenzentrum Reutte-Außerfern den Verein. „Da kommt jemand freiwillig und nicht des Geldes wegen zu mir“, sei für die Menschen ein positives Erleben, das nicht hoch genug einzuschätzen sei, meinte sie. Auch Bürgermeisterstellvertreter Michael Steskal fand lobende Worte für den Verein und sicherte die weitere Unterstützung der Marktgemeinde zu.

Eine Anlaufstelle, vom Verein geführt, koordiniert die Einsätze, die Freiwilligen deponieren ihre Zeitspende mit Angabe von Datum und Dauer, die Senioren selbst oder Angehörigemelden sich und äußern ihre Wünsche. Freiwillige aus allen Altersgruppen und Gesellschaftsschichten, auch außerhalb von Reutte, sind nach wie vor erwünscht. Infos unter www.zeitschenken-reutte.at. Die Neuwahlen bestätigten den Vorstand für weitere zwei Jahre. (hni)


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