(K)ein Abschied vom weißen Winter

Laut Skitourismus-Forscher Günther Aigner aus Waidring lässt sich nicht voraussagen, wie die Winter in der Zukunft werden. Anders beurteilt die ZAMG die Situation: Demnach nehmen die milden Winter zu.

© Thomas Boehm / TT

Von Miriam Hotter

Kitzbühel –Schneemassen, Glatteis, Rekordkälte – der bevorstehende Winter wird angeblich ein besonders strenger. Zumindest sagen das unterschiedliche Wetterdienste im Internet voraus. Angesichts des schweren Starts in die vergangene Wintersaison dürften sich die heimischen Skitouristiker darüber freuen. Doch was ist dran an den Prognosen und lässt sich der Winter 2016/17 überhaupt schon in die Karten schauen? „Seriöse Wetterprognose sind maximal sieben Tage im Voraus möglich“, sagt Skitourismus-Forscher Günther Aigner.

Deshalb will er keine Prognose für die Winter in der Zukunft machen. Allerdings wirft er einen Blick auf die bereits vergangenen. Dabei stützt sich Aigner auf Rohdaten der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik). Sein Fazit: „Die jährliche Verteilung der Schneehöhen ist chaotisch. Es gibt kein Muster zwischen schneereichen und schneearmen Wintern zu erkennen“, sagt Aigner und hat auch gleich ein Beispiel parat: „Im Winter 1997/98 wurde im Bezirk eine maximale Schneehöhe von 20 Zentimetern gemessen. Ein Jahr darauf, im sogenannten Galtür-Winter, betrug die maximale Schneehöhe 100 Zentimeter“, nennt Aigner ein Beispiel. Was ist aber mit der weit verbreiteten Meinung von Klimaforschern, dass die Winter immer wärmer werden? „Ich kann nicht in die Zukunft blicken. Ich analysiere nur Daten aus der Vergangenheit. Und daraus erkenne ich, dass die Winter in den letzten 30 Jahren sogar kälter geworden sind.“

Manfred Bauer von der ZAMG hat dazu eine klare Meinung. Demnach werden milde Winter immer häufiger, kalte nehmen hingegen ab. „Der Temperatur-Trend ist in den Niederungen in den letzten Jahren auf dem höchsten Niveau der 250-jährigen Messgeschichte.“

Doch Bauer hat auch eine gute Nachricht: Milde Winter müssen nicht unbedingt schneearme Winter bedeuten. „Zum Beispiel war der Winter 2013/14 in Österreich der zweitwärmste der Messgeschichte. Trotzdem gab es damals in Osttirol und Oberkärnten einige Zeit extrem viel Schnee“, erinnert sich der Meteorologe. Aber: Bei milden Temperaturen würde die Anzahl der Tage mit einer geschlossenen Schneedecke in tiefen Lagen (unterhalb etwa 1500 Metern, Anm.) zurückgehen. „Weil es öfter regnet als schneit und der gefallene Schnee schneller schmilzt“, nennt Bauer den Grund. Besser sieht die Situation in Lagen über etwa 1500 Metern aus. Laut Bauer blieb die Zahl der Schneedeckentage hier in den letzten Jahrzehnten konstant oder nahm nur leicht ab.

Wie der nächste Winter wird, kann Bauer nicht sagen. „Die Trefferquote für Jahreszeitenprognosen ist in unseren mittleren Breiten leider schlecht. Der ständige Wechsel aus Hoch- und Tiefdruckgebieten lässt eine Vorhersage über mehrere Wochen oder gar Monate kaum zu.“ Außerdem würden die Alpen mit ihren zahlreichen Bergen und Tälern für sehr große regionale Wetter- und Klima-Unterschiede sorgen. Bleibt nur noch zu sagen: Dann lassen wir uns einmal überraschen ...


Kommentieren


Schlagworte