Seilbahner sehen alpinen Wintersport nicht gefährdet

Wien (APA) - Der Fachverband der Seilbahnen Österreichs sieht die Schneelage auf Österreichs Bergen in den nächsten 20 bis 30 Jahren nicht g...

Wien (APA) - Der Fachverband der Seilbahnen Österreichs sieht die Schneelage auf Österreichs Bergen in den nächsten 20 bis 30 Jahren nicht gefährdet. „Wir wollen aufzeigen, dass vieles, das derzeit medial verbreitet wird, einfach nicht stimmt“, betonte Seilbahn-Obmann Franz Hörl am Mittwoch anlässlich eines Pressegesprächs des Fachverbands in Wien. Anders wird die Lage jedoch von Global 2000 beurteilt.

Die für den Fachverband spürbare Aufregung um eine Studie des Schweizer Instituts für Lawinenforschung, die von einer deutlichen Abnahme der Schneebedeckung seit den 1970er-Jahren bis heute ausgeht, soll beruhigt werden. „Es darf nicht vergessen werden, dass in den 1970er-Jahren in Österreichs alpinen Regionen die Anzahl der Tage mit Schneebedeckung ein Maximum aufweist“, kommentierte der Tiroler Skitourismus-Forscher Günther Aigner das Schweizer Studienergebnis. Er habe Datenmaterial von Schneemessreihen der vergangenen 100 Jahre aus sechs österreichischen Skiorte ausgewertet. Sein Ergebnis: Bezüglich der Anzahl der Tage mit Schneebedeckung gebe es in den vergangenen 100 Jahren keine signifikante Änderung.

In naher Zukunft gebe es keine markanten Änderungen des Schneetrends, meinte auch Meteorologe Christian Zenkl. Die Tatsache der Erwärmung liege an längeren Sommern bzw. der Zunahme der Sonnentage. „Klimamodelle können aber nicht vorhersagen, ob die Winter wärmer oder kälter werden - man weiß es nicht, wie vieles in der Meteorologie“.

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZG) erläuterte auf APA-Anfrage anhand aktueller Daten jedoch, dass Klimamodelle erwarten lassen, dass die milden Winter auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten häufiger und die kalten Winter seltener werden. Bezüglich Niederschlag und Schnee seien Trends selbst über längere Zeitreihen jedoch nur sehr schwer zu erfassen. Vor allem in tieferen Lagen Österreichs sei der Schnee in den letzten Jahrzehnten aber weniger geworden.

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Auch die Umweltschutzorganisation Global 2000 kann so viel Optimismus im Gespräch mit der APA nicht nachvollziehen. Schon heute fällt in niedrigen Lagen Niederschlag vermehrt als Regen und weniger als Schnee. Pro Grad Temperaturerwärmung steigt die Schneefallgrenze um etwa 100 Meter und in Österreich ist die Temperatur bereits um zwei Grad gestiegen. Ein weiterer Anstieg von 1,5 Grad wird im „Österreichischen Sachstandsbericht Klimawandel“ schon in den nächsten Jahrzehnten erwartet, damit ist auch eine Auswirkung auf die Schneelage erwartbar. Die Ergebnisse der Klimaforschung zeigen, dass in Zukunft auch Lagen zwischen 1.000 und 2.000 Meter stärker betroffen sein werden.

„Die globale Erwärmung kann man nicht wegreden, die Effekte sind bereits sichtbar. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen uns, dass Skigebiete in Österreich großflächig betroffen sein werden. Wir müssen jetzt alles dafür tun, die globale Erwärmung so weit wie möglich einzudämmen, um unseren Wintersport, wie wir ihn kennen und lieben, zu schützen“, sagte Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher bei Global 2000.

Als „schlechte Stimmungsmache für die Branche“ bezeichnete hingegen der Vorstand der Silvretta Seilbahn AG, Hannes Parth, die „Horrorszenarien“, die manche Medien verbreiten würden. Und zeichnet seinerseits ein potenzielles Schreckensszenario am Beispiel von Landeck: Falls alle zehn dortigen Seilbahnen zusperren müssten, würden mehr als 857 Millionen Euro an Bruttoumsätzen wegfallen.

Meteorologe Zenkl will mit seinem heutigen Fazit zumindest Skifahrern und Touristikern der nächsten Generation die Angst nehmen: „Allen Unkenrufen zum Trotz zeigen die alpinen Winter keine auffälligen Klimatrends, und in absehbarer Zukunft wird sich daran nichts Gravierendes ändern. Die Daten beweisen, dass der alpine Wintersport gesund und gegen die Launen der Natur mittels Schneekanonen sehr gut gerüstet ist.“

(S E R V I C E - Schweizer Institut für Lawinenforschung: www.slf.ch)


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