Brasilianerin lebt mit Herz von in Rio verstorbenem Kanu-Coach Henze

Rio de Janeiro (APA/AFP) - Die Brasilianerin Ivonette Balthazar klopft sich an die Brust, wo das Herz eines deutschen Olympioniken schlägt. ...

Rio de Janeiro (APA/AFP) - Die Brasilianerin Ivonette Balthazar klopft sich an die Brust, wo das Herz eines deutschen Olympioniken schlägt. „Hier ist der kleine Motor“, sagt sie. Dreieinhalb Monate nach der äußerst strapaziösen, aber erfolgreichen Transplantation während der diesjährigen Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro staunt die 66-Jährige immer noch, dass sie am Leben ist und ist zugleich heilfroh und dankbar.

Das Herz gehörte dem deutschen Kanu-Trainer Stefan Henze. Balthazars Gesundheitszustand hatte sich nach einem Herzinfarkt im November 2012 stetig verschlechtert. Im August dieses Jahres konnte sie nur noch mit Mühe gehen oder sprechen. „Ich war verzweifelt“, sagte sie jetzt in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP in ihrer kleinen ordentlichen Wohnung in Rio.

Während der Spiele erlag Henze am 15. August den Verletzungen, die er bei einem Unfall während einer Taxifahrt erlitten hatte. Kurze Zeit darauf erhielt Balthazar einen Anruf, danach wurde ihr das Spenderherz eingepflanzt. Henzes Angehörige hatten dazu ihre Erlaubnis gegeben. Zweimal die Woche rief das Krankenhaus sie an, um sich nach ihrem Gesundheitszustand zu erkundigen.

„Dann kam ein Anruf am Montag - und es war so weit.“ Vor der Operation am 15. August teilte sie ihrem Sohn Fabio und ihrer Tochter Renata noch mit, dass sie „zum Sterben bereit“ sei. „Wenn ich allein bin, lege ich meine Hand auf das Herz und denke mir: ‚Mein Gott, dieser Junge hat mich zurück ins Leben gebracht‘“, sagt Balthazar.

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Einen Brief des Dankes hat Balthazar Henzes Familie über das deutsche Konsulat zukommen lassen. Gerne würde sie die Mutter des Sportlers umarmen. Aber zu mehr direktem Kontakt fühlt sie sich „emotional noch nicht bereit“. Eines aber schwört sie: „Dieses Herz mit großer Vorsicht zu behandeln.“


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