„Der Arbeitsunfall ist nicht überall gleich viel wert“

Auf große regionale Unterschiede sind NEOS bei der AUVA gestoßen. Kärntner bekämen demnach weit mehr Leistungen zurück als Tiroler.

Arbeitsunfälle sind ein Fall für die AUVA, eine von mehr als 20 Versicherungsanstalten in Österreich. Den NEOS sind das viel zu viele.
© Böhm

Von Anita Heubacher

Innsbruck –Drei Balkendiagramme legt NEOS-Nationalrat Gerald Loacker vor. Zu sehen sind die österreichweit sehr unterschiedlichen Leistungen der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt AUVA. Dargestellt sind die allgemeinen Leistungen, die Renten- und die Unfallheilbehandlungsleistungen. Die rosa Balken zeigen aus Tiroler Sicht wenig Erfreuliches.

„Während Kärntner AUVA-Versicherte 124 Prozent ihrer eingezahlten Beträge wieder über Leistungen zurückbekommen, erhalten Tiroler gerade einmal 56 Prozent“, sagt Loacker. Statistisch betrachtet bekommt ein Kärntner Versicherter also mehr an Leistungen heraus, als er an Prämie einzahlt, ein Tiroler macht ein Minusgeschäft. Ihn kostet die Versicherung mehr, als sie ihm auszahlt. Laut NEOS-Statistik.

Die gründet sich auf eine parlamentarische Anfrage an SPÖ-Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser. Aus dem Ministerium stammt auch das Zahlenmaterial. Vor allem in den „benachteiligten“ Bundesländern sorgen die Balkendiagramme für Ärger. Loacker bringt sie österreichweit an die Leute. Die AUVA sorgt unter anderem mit ihrem Werbespot „Gib Acht!“ für die Prävention von Arbeitsunfällen. Passiert etwas, geht es um Unfallheilbehandlung, Rehabilitation und um Entschädigung für die Unfallopfer. Bei bleibenden Schäden springt die AUVA mit einer Unfallrente ein.

Auch bei der zweiten Balkengrafik sieht man, dass die Rentenleistungen pro Opfer ebenso ganz unterschiedlich ausfallen. In Tirol liegt die Rentenleistung demnach bei 77 Euro pro Versicherten, in Kärnten bei 156 Euro, in Salzburg bei 150 Euro. „Warum die Kärntner doppelt so oft in Frühpension gehen wie die Tiroler, konnte mir die AUVA nicht erklären“, meint Loacker. Er führt die unterschiedlichen Beträge auf die unterschiedliche Begutachtung zurück. „Ist einem ein Arzt wohl gesonnen, ist der Weg zur Unfallrente offensichtlich leichter.“ Und noch einen Grund hat Loacker ausgemacht: „Die unterschiedlichen Beträge hängen auch damit zusammen, ob die AUVA eine Heilanstalt, sprich Unfallspital, in dem jeweiligen Bundesland betreibt oder nicht.“ In Tirol beispielsweise gebe es kein solches Unfallspital, daher auch weniger Leistungen, folgert Loacker. In Bad Häring betreibe die AUVA eine Reha-Einrichtung, aber keine Heilanstalt.

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Die AUVA sei Antworten und Erklärungen schuldig geblieben. Auch die TT bemühte sich gestern um eine Stellungnahme. Die blieb allerdings aus. Loacker schlägt vor, mit der AUVA kurzen Prozess zu machen. „Im Sinne einer längst fälligen Verschlankung des Sozialversicherungssystems wäre es richtig, die AUVA gänzlich einzusparen.“ Betriebe könnten mit einer Haftpflicht ihre Mitarbeiter günstiger versichern, bestehende Pensionsansprüche könnte die Pensionsversicherung auszahlen, die Spitäler könnten von anderen Trägern betrieben werden. So der NEOS-Vorschlag.

In Österreich gehe die Zahl der schweren Arbeitsunfälle zurück, weil das Berufsrisiko in vielen Sparten reduziert worden sei. Je mehr Beschäftigte es gibt, desto mehr Geld fließt in die AUVA. Deren Rücklagen seien beachtlich. „Lukrativ ist die AUVA vor allem für die Wirtschaftskammer, die dort Chefposten besetzen kann“, meint der NEOS-Abgeordnete.


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