Für den Tierschutz ins Gefängnis

Zu viele Haustiere auf zu engem Raum – deshalb droht einer Tierschützerin im Zillertal, die rund 150 Kleinnager daheim aufgenommen hat, eine Gefängnisstrafe. Kurios: Beanstandete Käfige sind handelsüblich.

Marga Gorski mit Kaninchen Siara in ihrem Gartenhaus, in dessen Käfigen Dutzende Nager überwintern. Zu viele, wie die Behörde befand.
© Dähling

Von Angela Dähling

Fügen –Sie kuscheln sich glücklich und vertraut aneinander. Doch Kaninchendame Siara und Meerschweinchen Hubui dürfen nicht zusammen bleiben. Laut Tierschutzgesetz ist es verboten, Kaninchen und Meerschweinchen in einem Käfig zu halten. Wer dagegen verstößt, kann bestraft werden. So wie Marga Gorski aus Fügen, Besitzerin der zwei Nager.

Die 73-Jährige wurde vor wenigen Tagen von der Bezirkshauptmannschaft Schwaz aufgefordert, ihre Ersatzfreiheitsstrafe von zweieinhalb Tagen wegen nicht gesetzeskonformer Haltung ihrer Haustiere anzutreten. „Die 665 Euro Strafgeld zahle ich nicht, denn die brauche ich für Tierfutter und Heu. Da gehe ich lieber ins Gefängnis“, sagt die verzweifelte Rentnerin, die vor einigen Jahren nach einem unglücklich verlaufenen Hotelkauf Privatkonkurs anmelden musste und sich seither den Tieren verschrieben hat.

Vor allem Meerschweinchen, Kaninchen und Chinchillas nimmt die talweit bekannte Tierschützerin bei sich auf und vermittelt sie weiter, wenn sie dem Vorbesitzer nicht mehr in die Lebensplanung passen. Das Problem: Inzwischen tummeln sich rund 150 Kleinnager in Gorskis Wohnung und den Stallungen im dazugehörigen Garten. Da kann es dann schon mal eng werden.

Zu eng, wie die Schwazer Bezirkshauptmannschaft findet. „Zu viele Tiere auf zu geringem Raum“, heißt es einem der vielen Schreiben, die von ihr seit 2013 an die Fügenerin mit dem Hinweis auf Haltungsbestimmungen laut Tierschutzgesetz ergangen sind. Darunter auch zwei Straferkenntnisse, in denen die Maß­e von 35 Käfigen als zu klein bemängelt werden und ihre tierischen Bewohner genau aufgelistet sind. 390 Eur­o hat Gorski 2014 bereits an Strafgeld gezahlt. Und dann rund 1000 Euro in acht große Chinchilla-Käfige investiert. Doch sie wurde heuer neuerlich gestraft, unter anderem weil die Käfige noch immer einige Zentimeter zu klein seien und sich sonst nicht grundlegend etwas in puncto Tierbestand/Unterbringung geändert habe.

Die Pensionistin ist verzweifelt und verärgert. „Einige meiner Käfige habe ich aus dem Baumarkt. Sie werden verkauft, obwohl man damit gegen das Tierschutzgesetz verstößt“, zeigt sie auf. Diese Problematik ist auch Tierschutzombudsmann Martin Janovsky bekannt. „Die neueren Produkte passen, denn sie wurden zuvor einem Zulassungsverfahren unterzogen. Ältere, die dem 2005 erlassenen Gesetz nicht entsprechen, dürfen aber nicht vom Markt genommen werden“, erklärt er. Mitarbeiter im Zoohandel seien verpflichtet, dem Käufer ein Informationsblatt mit den gesetzlichen Mindestanforderungen für die Tierhaltung auszuhändigen. Baumärkte seien das nicht. „Es ist Pflicht des Tierhalters, sich über die Gesetzeslage zu informieren“, sagt Janovsky.

Bei Züchtern, Zoos und Tierheimen würden viele von Gorskis Käfigen übrigens nicht beanstandet werden. „Da es sich dort um eine vorübergehende Unterbringung handelt“, erklärt Ingo Gstrein von der Bezirkshauptmannschaft Schwaz. Er ist seitens der Behörde für den Fall Gorski zuständig und hat der Fügenerin jetzt eine weitere Frist gesetzt. Bis 24. Jänner muss sie ihren Tierbestand reduzieren, sonst droht die behördliche Abnahme der Tiere, für die nicht genug Platz vorhanden ist.

Für Tierschützerin Gorski ein Albtraum. „Das überlebe ich nicht“, sagt sie und hofft, dass bis dahin einige ihrer Schützlinge ein neues, liebevolles Zuhause finden. Ingo Gstrein hofft das auch. „Ich verstehe Frau Gorski menschlich und will ihr nicht nehmen, wofür sie lebt. Aber ich musste handeln, da es eine Anzeige gab. Frau Gorski betrachtet ihr Zuhause als Tierheim, aber das ist es nicht“, sagt er. Die Tiere seien alle in einem tadellosen Zustand, auch an der Hygiene in den Käfigen gebe es nichts zu meckern. Aber zu viel sei halt zu viel.


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