„Maria gehört links, hinter ihr der Esel und Josef rechts“

Die 6000 Krippenbauer in den 86 Vereinen haben seit zwei Wochen Hochsaison und mit Ossi Gapp einen neuen „Oberkrippeler“.

Ossi Gapp übernahm die Obmannschaft von Anni Jaglitsch, die zum Abschied natürlich eine Krippe erhielt. Diese ist eine Gemeinschaftsarbeit unter dem Wildermieminger Ehren-Krippenbaumeister Erwin Auer.
© Paschinger

Von Alexander Paschinger

Mötz, Seefeld –Sie sorgen für glänzende Kinderaugen, aber auch Erwachsene vertiefen sich in diese kleinen Landschaften mit der Heiligen Familie im Zentrum, Ochs und Esel dahinter, die Hirten und Schafe und die Heiligen Drei Könige. Die klassische Krippe – egal, ob im heimatlichen oder orientalischen Stil gehalten – zieht den Betrachter seit den Zeiten des heiligen Franziskus in ihren Bann. Denn sie erzählt vom Zauber und Wunder von Weihnachten.

Seit etwa zwei Wochen laden die Krippenvereine landauf, landab zu ihren Ausstellungen. Und ebenfalls seit etwa zwei Wochen haben Tirols Krippeler mit dem Seefelder Ossi Gapp einen neuen Obmann im Landesverband. Er habe lange mit sich gehadert, ob er das Amt von Anni Jaglitsch aus Mötz übernehmen sollte. „Denn das, was die Anni im kleinen Finger hat, habe ich gerade erst in die Hand bekommen.“

Wobei, „neue Besen kehren gut“, sagte sich der selbstständige Unternehmer. „Und die alten wissen, wo der Dreck liegt“, ergänzt Anni Jaglitsch augenzwinkernd, die auch weiterhin als Ehrenobfrau des Landesverbandes mit Rat und Tat zur Seite steht.

Die Zeiten ändern sich, sogar die Krippen. „Früher gab es die Großkrippen, heute hat man in der Stadt nicht mehr den Platz – auch die Aufbewahrung ist schwierig“, erklärt Gapp, der Krippenbaumeister. Als solcher hat man übrigens eine Ausbildung über vier Jahre in den Krippenbauschulen von Wörgl, Wenns oder Lienz hinter sich: Vom Helfer über den Lehrer und Kursleiter erreicht man den Meister. „Heuer kamen 16 dazu“, schildert Gapp. Rund 300 der 6000 Tiroler Krippenbauer in den 86 Vereinen haben die höchste Stufe der Ausbildung erreicht. Übrigens ein Tipp des Oberkrippelers: „Maria gehört links, hinter ihr der Esel und auf ihrer Seite Hirten und Schafherde. Rechts steht Josef, hinter ihm der Ochs, und die Stadt und die Könige sind auf seiner Seite aufzustellen.“ Man dürfe sich also nicht wundern, wenn ein Krippenbaumeister auf Besuch plötzlich die Figuren umstellen wolle.

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Blickt man auf die Krippenlandkarte Tirols, dann sind „Innsbruck und Innsbruck-Land sicher der Hotspot“, weiß der neue Landesobmann, wobei man derzeit allerdings um den Krippenverein Hall bangt und sich auch in Innsbruck die Situation „schwierig“ gestalte. Andererseits gibt es hier im Umfeld die berühmten Krippendörfer, die über die Jahrhunderte auch ihre Künstler herausgebracht haben.

Heute versucht der Verband, die Jugend zur Krippe zu bringen. Das wird über Schulen recht erfolgreich praktiziert, sagt Jaglitsch. In den Dörfern „waren heuer auch viele junge Pärchen, die für ihr Zuhause eine Krippe bauen wollten“, freut sie sich. Im September hatten die Kurse begonnen. „Spätestens zum Nikolaus soll man fertig sein“, erklärt die Ehrenobfrau.


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