Auch Austro-Türken bei BP-Wahl gespalten

Die Türkei-Politik macht die türkischstämmigen Wähler in Österreich wahlmüde.

Die Wahlbeteiligung türkischstämmiger Österreicher war bei der letzten Nationalratswahl 2013 unterdurchschnittlich.
© APA

Von Serdar Sahin

Wien –Die Türkei und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan waren immer wieder Thema im Wahlkampf – doch niemand weiß genau, wo die türkische Community morgen ihr Kreuzerl auf dem Wahlzettel macht. Ein Lokalaugenschein in türkischen Vereinen und Lokalen in Wien zeigte, dass die Mehrheit der türkischstämmigen Österreicher eher zu dem von den Grünen unterstützten Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen tendiert. „Für unsere Zukunft ist er die bessere Wahl“, sagt eine Frau in einem türkischen Lokal. Ein großer Teil will gar nicht bzw. ungültig wählen.

Die Motivation hinter Van der Bellens Wahl ist jedoch recht unterschiedlich: Während Konservative aus eher rationalen Gründen Van der Bellen wählen, tun es die Liberalen aus ideologischen. „Wir haben schon immer SPÖ oder Grüne gewählt“, heißt es in einer Runde kartenspielender Männer in einem alevitischen Verein am Rande Wiens. Diesmal kommt die Türkei-Kritik der beiden Parteien hinzu. Das bestärkt sie in ihrer Wahl, geben die Männer zu verstehen.

FPÖ-Kandidat Norbert Hofer spielt hingegen eine untergeordnetere Rolle: „Mit ihm schneiden wir uns doch nur ins eigene Fleisch“, sagt ein älterer Herr in einem türkischen Kulturzentrum. Er selbst rechnet sich dem konservativen Spektrum zu. So wie er tut sich diese Gruppe schwer mit Van der Bellen. Enttäuschung schimmert durch. Das bestätigt auch ein Blick in die sozialen Netzwerke. Dort wird stets auf die politischen Auseinandersetzungen zwischen Österreich und der Türkei hingewiesen. Vor allem die laute Kritik an der türkischen Regierung seitens der SPÖ und der Grünen geht den konservativen Austro-Türken gegen den Strich. Denn von den anderen – also der FPÖ – wird ja so eine Politik erwartet, lautet der Tenor. Und darunter leidet das Image von Van der Bellen.

Ein großer Teil gab an, nicht zu wählen bzw. ungültig wählen zu wollen. Auch hier wurde die Türkei-Kritik der hiesigen Parteien genannt. Der Politologe Peter Filzmayer sieht das so: „Wer trotz Einbürgerung noch starke Türkei- oder vor allem Erdogan-Bezüge hat, ist sicher nicht motiviert, an der österreichischen Demokratie teilzuhaben.“


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