Letztes Duell: Hofer und Van der Bellen in hartem Schlagabtausch

Die beiden Kandidaten bezichtigten sich im ORF-Duell mehrmals gegenseitig der Lüge. Hofer rückte Van der Bellen gar in die Nähe der Spionage.

Alexander Van der Bellen (li.) und Norbert Hofer im von Ingrid Thurnher moderierten Duell.
© APA/ORF/Thomas Ramstorfer

Wien - Vor einem Millionenpublikum sind die Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer am Donnerstag im ORF zum letzten TV-Duell aufeinandergetroffen. Drei Tage vor der Bundespräsidentenwahl lagen die Nerven auf beiden Seiten blank. Die zwei Kandidaten lieferten sich einen harten Schlagabtausch und ziehen sich gleich mehrmals gegenseitig der Lüge.

Hofer stellt Van der Bellen der Spionage nahe

FPÖ-Kandidat Hofer stellte den ehemaligen Grünen-Chef unter Verweis auf ein Buch des früheren Generaldirektors für die öffentliche Sicherheit, Michael Sika, in die Nähe der Spionage. Eine von Van der Bellen beauftragte Rüstungsstudie könnte demnach der Ost-Spionage gedient haben, meinte Hofer sinngemäß. „In dem Buch steht dreimal der Name Van der Bellen“, so Hofer, der Van der Bellen auch neuerlich der Sympathie für den Kommunismus bezichtigte.

„Sie lügen schon wieder. Das ist ja lachhaft“, erwiderte Van der Bellen. Spionage sei ein Kapitalverbrechen. „Das ist das Mieseste, was ich seit langem erlebt habe.“ Van der Bellen warf dem FPÖ-Kandidaten und seiner „Wahlhelferin“ Ursula Stenzel die Diffamierung seines Vaters vor. Es habe ihn „in diesem Wahlkampf wirklich getroffen“, dass sein Vater als Nazi-affin bezeichnet worden sei. „Das tut man einfach nicht“, so Van der Bellen, der dabei ein Foto seines Vaters in die Kamera hielt.

„Das ist ein schweres Foul“, replizierte der FPÖ-Kandidat. Auch sein Vater sei als Nazi diffamiert worden. „Ich habe kein Foto meines Vaters mitgebracht, aber ich habe eines hier im Herzen“, meinte Hofer, der danach gegen ihn gerichtete Postings aus sozialen Netzwerken verlas. „Hören sie auf, auf diese Art und Weise Mitleid erregen zu wollen, es geht mir genauso.“

Auch beim Thema EU gegenseitige Lügenvorwürfe

Auch beim Thema EU krachten die beiden Bewerber zusammen und warfen einander vor, die Unwahrheit zu sagen. Van der Bellen betonte, dass Hofer für einen Austritt aus der EU stehe. Der ehemalige Grüne plädierte für eine Vertiefung der Europäischen Union. Hofer wies zurück, für einen EU-Austritt zu sein und sprach sich gegen eine Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips in der EU aus. „Wir sind nicht die Vereinigten Staaten von Europa“, so Hofer.

Angriffig ging es danach weiter: Van der Bellen warf Hofer vor, mit der Parteichefin der rechtsnationalistischen Front National, Marine Le Pen, Beziehungen zu pflegen, Hofer konterte damit, dass Van der Bellen mit dem eben verstorbenen kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro Beziehungen pflege.

Hitlers Geburtshaus als eine der wenigen Gemeinsamkeiten

Hofer betonte neuerlich, dass er über die Todesstrafe auf gar keinen Fall eine Volksabstimmung abhalten wollen würde. „So schnell wie möglich schließen“ würde Hofer das saudi-arabische König Abdullah-Zentrum in Wien. Van der Bellen würde es „nicht besuchen“ und schauen, ob dort irgendetwas Nützliches passiert. Und beide würden Hitlers Geburtshaus abreißen lassen.

Beim Thema Sicherheit forderte Hofer, dass IS-Rückkehrer in Österreich die Staatsbürgerschaft verlieren sollten. Van der Bellen sprach sich gegen eine solche Maßnahme aus. Hofer warf Van der Bellen zugleich vor, für eine Abschaffung des Präsenz- und Zivildienstes zu sein, was dieser in Abrede stellte.

Weiter unterschiedliches Bild des Präsidenten

Am Schluss eines elfmonatigen Wahlkampfes ging es dann noch einmal um die Kompetenzen des Bundespräsidenten. „Der Präsident kann keine Ersatzregierung sein, aber sein Wort hat hohes Gewicht“, meinte Hofer. Für Van der Bellen muss der Bundespräsident „parteiübergreifend“ agieren. Er sehe diesbezüglich eine „breite Allianz“ hinter sich.

Das ORF-Duell vor der Stichwahl im Mai verfolgten 1,2 Millionen Österreicher, ähnlich viele dürften Donnerstagabend vor den TV-Geräten gesessen sein. 6,4 Millionen Österreicherinnen und Österreicher sind am Sonntag wahlberechtigt. (APA)


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