Mango-Projekt machte aus Frauen am Kilimandscharo Unternehmerinnen

Arusha (APA) - Kräftige Bewegungen führt eine Dorfkollegin unter Aufsicht von Rose Machange mit dem großen Löffel aus. Sie mischt die Mangos...

Arusha (APA) - Kräftige Bewegungen führt eine Dorfkollegin unter Aufsicht von Rose Machange mit dem großen Löffel aus. Sie mischt die Mangostücke im Bottich, damit sich das Chilipulver überall verteilt. Die Schärfe in der Luft im kleinen Produktionsraum reizt zum Husten. Aber so werden die Mangos haltbar. Aus einem Rohstoff entsteht ein veredeltes Produkt und für die Frauen in der Umgebung von Arusha in Nordtansania, die es herstellen, eine Einnahmequelle.

Die grünen Mangostücke sind nun tiefrot ummantelt, zwei weitere Frauen aus dem Dorf Ngurdoto geben Pflanzenöl, Essig und Salz dazu, während weiter umgerührt wird. Fertig. Die entstandenen Pickles können in Gläser abgefüllt, die Gläser verschraubt, etikettiert und zur Auslieferung in Kartons abgepackt werden. So ist das Eingemachte auch in Supermärkten in der Region, aber auch in der Hauptstadt Daressalam erhältlich.

Früher verrotteten in der Gegend viele Mangos auf den Bäumen oder als Fallobst auf dem Boden, weil die Frauen sie zur Erntezeit nicht verwerten konnten. „Es gab nicht den Markt für Frischobst und -gemüse, keine Möglichkeiten zum Transport auf den Markt oder keine Verkaufsideen“, schildert Lyne Ukio, die Generalsekretärin der NGO WODSTA (Women Development for Science and Technology Association). Vor mehr als zehn Jahren gab die österreichische Entwicklungshelferin Edith Schnitzer den Impuls, dass aus den Mangos und anderen Garten- und Feldfrüchten nicht Abfall wird, sondern Pickles, Chutneys, Marmeladen und Trockenfrüchte: Durch Verarbeitung und Verkauf sollten Frauen Profit machen, der sie und ihre Familien auch gut über die Regenzeit bringt.

So begann WODSTA mit Spendengeldern, die die Sternsinger der Katholischen Jungschar in Österreich gesammelt hatten, Frauengruppen in Dörfern auszubilden, wie sie die Rohstoffe aus der Landwirtschaft haltbar und zu Delikatessen machen können. Mit der Zeit brachten sie es so weit, dass sie die hygienischen Anforderungen erfüllten und die nötigen Standards und die Stabilität bei der Qualität erreichten, dass die tansanische Lebensmittelbehörde die Erzeugnisse offiziell zum Handel zuließ, berichtet Lyne Ukio stolz.

Immer mehr Frauen verschiedenen Alters beteiligten sich. Gruppen von je fünf bis 20 Frauen aus zwölf Dörfern stellen heute Mangopickles nach selbst entwickeltem Rezept in der gemeinsamen Produktionsstätte in Arusha her. Allein Rose Machange und ihre Dorfkolleginnen aus Ngurdoto haben heuer schon 1.800 Gläser an Eingemachtem hergestellt. Rechnet man mit 2.000 Tansanischen Schilling, die der Einzelhandel ihnen pro Glas zahlt, haben sie umgerechnet 1.500 Euro umgesetzt. Nicht wenig für tansanische Verhältnisse, lebt Schätzungen zufolge doch die Hälfte der Bevölkerung von weniger als 1,88 Euro am Tag.

Auch die Produktpalette wurde erweitert. Der Honig der Frauen von den heimischen Stachellosen Bienen brachte sogar die Anerkennung der internationalen Bewegung Slow Food und einen Absatzmarkt dafür in Italien. Die Bienenart war in der Region schon fast ausgestorben und der sogenannte Buschhonig, der süß-säuerlich schmeckt und dem heilende Wirkungen zugeschrieben werden, ist schwer zu gewinnen. Während herkömmliche Imkerbienen etwa 75 Kilogramm Honig pro Jahr produzieren können, kommt eine Stachellose Biene auf weniger als ein Kilogramm.

Auch Evetha Mashina hat heute Bienenstöcke in Form von längs eingeschnittenen, je etwa ein Meter langen Baumstämmen vom Dachvorsprung ihres Hauses in Ngurdoto hängen. Sie ist dankbar für das Know-How, dass sie und die anderen Frauen von WODSTA durch Rose Machange als Mittlerin bekommen haben. „Früher hatte ich Angst vor den Bienen, mittlerweile sind sie zu meinen Freunden geworden“, sagt die 65-jährige Evetha.

Als etwas bessergestellte Witwe eines Beamten konnte sie den Dorffrauen Land für einen Gemeinschafts-Bio-Garten, einen Fischteich und einen Verkaufsraum zur Verfügung stellen, wo sie etwa auch selbst erzeugte Naturseife oder Hibiskussaft anbieten. All das sichert ein Zusatzeinkommen, das die Frauen vor allem in die Ausbildung ihrer Kinder oder die Verbesserung der familiären Wohnsituation stecken.

Rose Machange weiß nicht nur über den Geschmack und die Zubereitung aller Gemüsesorten und die Wirkung aller Kräuter im Garten Bescheid. Sie und die anderen Frauen, die von WODSTA ausgebildet wurden, kennen sich auch mit Buchhaltung aus. Sie betreiben und ihnen gehört heute eine eigene Firma. Finanziell stehen sie auf eigenen Beinen.

Die Männer in Ngurdoto sind über die Frauenpower erfreut, meint die 32-jährige Esther Sule. Auch der Mann von Christina Macha (65), der vorm Haus hinter einer Singer-Nähmaschine sitzt, erklärt: „Ich unterstütze das zu einhundert Prozent.“ Ob die Männer im Dorf nicht auch eine Gruppeninitiative starten könnten? „Dafür würde es noch eine Menge Bewusstseinsbildung brauchen.“

(I N T E R N E T: http://www.dka.at/home/)


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